Vertrauensverlust
Druck auf Immobilienfonds wächst

Die Ankündigung der Anlagegesellschaft Aberdeen Asset Management, den offenen Immobilienfonds "Degi Europa" mit einem Volumen von 1,3 Mrd. Euro vom Markt zu nehmen, sorgt für neue Spannungen in der Branche. Beobachter gehen davon aus, dass es jetzt auch für die anderen zurzeit eingefrorenen Publikumsfonds schwerer werden wird, wieder zu öffnen.
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DÜSSELDORF. Im Fokus dieser Woche steht der "Morgan Stanley P2 Value". Er ist der letzte von drei Fonds, für die Ende der Woche die gesetzliche Frist von maximal zwei Jahren für die Aussetzung der Anteilsrücknahmen ausläuft. Branchenexperten können sich vorstellen, dass auch der "P2" aufgelöst wird. "Dieser Weg ist auch für die Anleger des P2 Value der sinnvollste, wenn das erwartete Rückgabevolumen die Nettoliquidität deutlich übersteigen sollte", sagte Gernot Archner, Geschäftsführer des BIIS, dessen Mitglieder die Werte von Fondsimmobilien schätzen. "Wir gehen nicht davon aus, dass Morgan Stanley den Fonds stützt oder sich ein anderer institutioneller Investor als Retter findet", erwartet Sonja Knorr, Immmobilienfondsanalystin der Ratingagentur Scope. Wie viele Beobachter in der Fondsbranche rechnet auch sie mit einem weiteren Abwicklungsfall. Morgan Stanley lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab. Der P2 Value hat ein Volumen von 852 Mio. Euro, nach dem sich der Anteilswert nach Abschreibungen auf die Immobilien in den vergangenen zwei Jahren nahezu halbiert hat. Zwei Wochen vor Aberdeen hatte bereits Kanam angekündigt, den 400 Mio. Euro schweren US-Grundinvest aufzulösen. Alle drei Fonds setzten - wie viele andere auch - im Oktober 2008 die Rücknahme von Anteilsscheinen aus. Ihnen liefen durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in Panik versetzte Anleger in Scharen davon.

Einige dieser Fonds nahmen zwischenzeitlich Anteile zurück, sind zurzeit aber erneut geschlossen. In den eingefrorenen Fonds sind insgesamt rund 22 Mrd. Euro von Hunderttausenden Anlegern blockiert. Die Anleger werden Beteuerungen wie der von Aberdeen, es würden Gebäude verkauft, um die Kassen für Anteilsrückgaben zu füllen, nun noch weniger glauben und mehr als zuvor Anteile über die Börse verkaufen. Steigt die Zahl der Anteile, die über die Börse den Besitzer gewechselt haben, nimmt aber auch der Betrag zu, den die Fonds in der Kasse haben müssen, wenn sie wieder für Anteilsrückgaben öffnen.

Der Degi Europa wird bis Ende September 2013 aufgelöst. Die Entscheidung des Fondsverwalters Aberdeen trieb am vergangenen Freitag die Börsenumsätze mit Anteilen der Fonds, die zurzeit keine Anteile zurücknehmen, nach oben. Bereits ab Donnerstagnachmittag hatten Gerüchte über die Liquidation des Fonds die Kurse unter Druck gesetzt, berichtete Florian Weber, Makler für den Handel mit offenen Immobilienfonds an der Börse Hamburg. Am Freitagmorgen wurden Anteile des Degi Europa in Hamburg zu 26 Euro und damit mehr als 20 Euro unter ihrem von Aberdeen berechneten Rücknahmepreis gehandelt.

Degi-Anleger können eine erste größere Rückzahlungen im Januar 2011 erwarten. Die wird gespeist aus vorhandenen liquiden Mitteln und den unmittelbar bevorstehenden Veräußerungen des Einkaufszentrums Hürth Park in der Nähe von Köln und eines Bürokomplexes in Rom. Ende März standen die Gebäude zusammen mit knapp 280 Mio. Euro in den Fondsbüchern. Allerdings wären aus dem Veräußerungserlös auf jeden Fall rund 120 Mio. Euro Kredit für das Einkaufzentrum zu tilgen. Ob sich der Wert geändert hat und mit welchem Verkaufserlös Aberdeen nach Abzug der Nebenkosten kalkuliert, bleibt offen.

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