Viel Kapital aus dem Ausland
Deutsche Hotels sind wieder gefragt

Er mag das Wort „Ausverkauf“ nicht, und dennoch trifft es den Nagel auf den Kopf: 2,3 Mrd. Euro wurden im vergangenen Jahr in deutsche Hotelimmobilien investiert. „93 Prozent des Kapitals kam aus dem Ausland“, berichtet Christoph Härle, bei Jones Lang Lasalle Hotels verantwortlich für Deutschland, Zentral- und Osteuropa.

HB DUISBURG. „Der Anteil internationaler Anleger stieg von 22 Prozent im Jahr 2003 auf 70 Prozent im Jahr 2005 und ist 2006 nochmals angewachsen. Das ist der höchste Anteil, der jemals registriert worden ist“, sagt der Experte. Die Investoren seien dabei unter anderem aus Großbritannien, den USA, den Niederlanden, Dänemark, Österreich, Spanien und Schweden gekommen. Warum aber ist das Interesse an heimischen Bettenhäusern nur so groß? Liegt es an der ohnehin hohen Liquidität der internationalen Immobilieninvestmentmärkte? Oder fehlten in Deutschland einfach nur geeignete Alternativen, so dass Hotels quasi aus der Not heraus zum Verkaufsschlager avancierten?

„Beides hat zu dem phänomenalen Ergebnis beigetragen“, sagt Härle. Zum einen hätten ausländische Investoren enorme Summen geboten, weil sich in Verbindung mit den günstigen Fremdkapitalzinsen und einem hohen Leverage-Effekt interessante Renditen erzielen ließen. Zum anderen waren Ausweichmöglichkeiten, wie etwa vermietete Bürogebäude, rar. Zudem seien die Renditen in den Heimatländern der Investoren oftmals niedriger als bei uns. Und ein weiteres Argument erkläre die unbändige Kauflust aus dem Ausland: Die deutschen Hotelmärkte befänden sich im Aufschwung. Wer sich jetzt nicht rührt, werde vom erwarteten Aufschwung nicht profitieren.

Heimische Investoren scheinen dies nicht so zu sehen, sonst hätten sie den Einkaufsmarkt 2006 nicht beinahe komplett ihren internationalen Kollegen überlassen. Dafür waren sie aber auf der Verkäuferseite umso aktiver. So veräußerte die DB Real Estate ein großes Portfolio mit 61 Immobilien für zwei Mrd. Euro an den US-Finanzinvestor Fortress. Es enthielt auch fünf Hotels: das Le Méridien in München, Le Méridien Parkhotel in Frankfurt, das Dorint in Mainz, das Dorint Novotel in Düsseldorf sowie das Etap Hotel Hamburg. Auch die Commerz Grundbesitz Investmentgesellschaft mbH (CGI) löste ein Hotel über einen Portfolioverkauf mit insgesamt 29 Immobilien aus dem Liegenschaftsvermögen heraus, das Crowne Plaza in Wiesbaden.

Gleichzeitig erwarb die Gesellschaft aber die beiden ersten deutschen Fünf-Sterne-Plus-Hotels des italienischen Unternehmers Sir Rocco Forte, die Villa Kennedy in Frankfurt am Main und das Hotel de Rome in Berlin. Dass heimische Investoren den deutschen Markt für Bettenhäuser verschlafen, will Frank Pörschke, Sprecher der Geschäftsführung der Commerz Grundbesitz Gruppe, demnach nicht gelten lassen: „Der Verkauf hatte nichts mit der Nutzungsart zu tun, ganz im Gegenteil. Wir halten den deutschen Hotelimmobilienmarkt für sehr aussichtsreich“, sagt er. Vor allem das Angebot an Businesshotels habe hier zu Lande längst nicht europäischen oder internationalen Standard erreicht.

Überzeugt vom Potenzial heimischer Herbergen war außer dem CGI-Manager 2006 jedoch niemand. Denn die beiden Rocco-Forte-Ankäufe im Wert von zusammen 160 Mill. Euro waren die einzigen nennenswerten Engagements, die deutsche Investoren 2006 überhaupt im Hotelmarkt wagten. Schläft der Wettbewerb also doch? „Nein“, meint Analyst Thomas Beyerle von der Degi Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds. Portfoliobereinigung sei derzeit zumindest bei offenen Fonds das große Thema. „Wer einen kleinen Hotelanteil hat, trennt sich davon, um sich auf die Hauptnutzungsarten wie Büro, Einzelhandel und Logistik zu konzentrieren“, sagt er.

Vielleicht ein wenig kurzsichtig. Denn die Stimmung hat sich insgesamt merklich aufgehellt. „Die Auftragsbücher der Hoteliers sind auch 2007 gut gefüllt, die Branche blickt zuversichtlich in das laufende Geschäftsjahr“, weiß Martina Fidlschuster, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Hotour. Zum ersten Mal seit Jahren fühlten sich die Hoteliers gestärkt, sogar zu ihren Gunsten an der Preisschraube zu drehen.

Investoren dürften zudem gerne hören, dass die Fußball-Weltmeisterschaft als Auslastungsfaktor überschätzt wurde. Bis Oktober 2006 wurden in Deutschland 310 Mill. Übernachtungen in Beherbergungsstätten und auf Campingplätzen verzeichnet, rund zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Übernachtungsgäste aus dem Ausland stieg dabei überproportional um zehn Prozent auf gut 46,2 Mill. Übernachtungen. Allerdings gab es in allen zwölf Monaten des Jahres – und nicht nur während der Fußball-WM – Steigerungen zum Vorjahresmonat. Expertin Fidlschuster: „Von den vier Millionen Mehrübernachtungen aus dem Ausland ist nur die Hälfte auf die WM zurückzuführen.“


VERGLEICHSRECHNER

mehr

  

Nutzen Sie hier unseren kostenlosen und unabhängigen Service: Wer bietet Ihnen aktuell die besten Zinsen und Konditionen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%