Viel Lärm um wenig Neues
Bürgschaft statt Mietkaution

Bürgschaft statt Mietkaution heißt ein Geschäftsmodell, um das sich zwei Anbieter streiten. Ob die Produkte den Streit zwischen ihren Erfindern wert sind, wird man sehen. Bei näherer Betrachtung nämlich zeigt sich, dass die Produkte weniger spektakulär sind, als die Marketingstrategen glauben machen wollen.

KÖLN. Axel Werner, Vorstand der Deutschen Kautionskasse im bayerischen Starnberg, gibt sich entrüstet: "Haltlos" sei der Vorwurf, man habe die Geschäftsidee namens "Wohnbürgschaft" vom Berliner Wettbewerber, der MKB Mietkautions AG (MKB), abgekupfert. "Eine entsprechende Strafanzeige liegt uns bislang nicht vor." Die sei in der vergangenen Woche auf den Weg gebracht worden, sagt dagegen Matthias Walz, Verwaltungsrat der Deutsche Mietkaution Schweiz AG. Die im Schweizer Lachen angesiedelte MKB-Mutter will das Geschäftsmodell entwickelt haben - und deshalb auch allein die Früchte ernten.

Was und ob überhaupt etwas dran ist an den Vorwürfen, das muss der Staatsanwalt entscheiden. Bis dahin wollen beide Unternehmen an ihren Fahrplänen festhalten: Noch vor Weihnachten soll die "Wohnbürgschaft" aus Starnberg auf den Markt kommen. Ein Investor ist gefunden, die Buchanan Gruppe, Wagniskapitalgeber und Berater für mittelständische Unternehmen. Im nächsten Jahr will die Berliner MKB starten. Weil sie anders als die Kautionskasse ihre Bürgschaften selbst ausgeben will, braucht sie eine Banklizenz - die ist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt, aber noch nicht erteilt.

Ob die Produkte den Streit zwischen ihren Erfindern wert sind, wird sich weisen. Die Idee ist altbekannt: Statt einer Barkaution stellt der Mieter eine Bürgschaft in gleicher Höhe, maximal drei Nettokaltmieten. Der Vorteil: Der Mieter bleibt liquide. "Bürgschaften für die Mietkaution bieten viele Banken und Sparkassen bereits an", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Neu an den beiden Modellen ist nur, dass die Bürgschaft nicht von der Hausbank des Mieters, sondern von einer Spezialbank oder einer Versicherung kommt, und Antragsverfahren sowie Bonitätsprüfung online abgewickelt werden.

"Das Interesse aus der Wohnungswirtschaft ist groß", berichtet Bernd Schlutt, Vorstand der MKB. Immobiliengesellschaften hätten bereits ihr Interesse an einer Kooperation signalisiert. Auch Christian Marchsreiter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kautionskasse, frohlockt: "Wir rennen mit unserem neuen Mietkautionssystem bei Vermietern und Verwaltern offene Türen ein." Die überzeuge insbesondere die "integrierte Bonitätsprüfung" des Mieters und die einfache Handhabung. Außerdem gibt es den Service zum Nulltarif: Die Kosten trägt der Mieter.

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