Vier Fragen an: Anne Wulf
„Bei Krediten agieren Frauen zögerlicher“

Immobilienexpertin Anne Wulf über das Verhalten von Frauen beim Immobilienkauf, welche Rolle berufliche Unsicherheiten und die Angst vor Arbeitslosigkeit dabei spielen und über die Beliebtheit von alternative Wohnformen.

Gehen Frauen eine Immobilienfinanzierung anders an als Männer?

Der Wunsch nach Immobilieneigentum ist zwischen den Geschlechtern ziemlich ausgewogen. Allerdings sind Frauen beim Schuldenmachen deutlich zurückhaltender – und das unabhängig von ihrer Einkommens- und Vermögenssituation. Viele Frauen empfinden Kredite jeder Art als unangenehm. Bei Männern erlebe ich das nicht. Diese Zurückhaltung beim Schuldenmachen hat den positiven Nebeneffekt, dass viele Frauen sehr diszipliniert für ihre Immobilie sparen. Insgesamt ist die Spardisziplin bei Wohneigentum größer als beim Sparen für die Rente oder ohne festes Ziel, und das unabhängig vom Geschlecht, wie verschiedene Untersuchungen zeigen.

Müssen Sie eigentlich vielen Interessentinnen den Traum von den eigenen vier Wänden nach einem Beratungsgespräch behutsam wieder ausreden?

Das detaillierte Gegenüberstellen und Rechnen muss natürlich sein. Doch bei den meisten gibt es Möglichkeiten, die eigene Immobilie dann auch zu finanzieren.

Welche Rolle spielen berufliche Unsicherheiten und die Angst vor Arbeitslosigkeit bei der Zurückhaltung der Frauen beim Schuldenmachen?

Diejenigen, die von Arbeitslosigkeit akut bedroht sind, kommen selten in die Beratung. Aber die Sorge um den Arbeitsplatz betrifft ja auch alle anderen. Nun lassen sich bei der konkreten Gestaltung der Finanzierung gewisse Rücksichten auf eine schwankende Einkommenslage nehmen. Das betrifft die Selbstständigen ebenfalls. So lässt sich beispielsweise die laufende Tilgung niedriger ansetzen als eigentlich rechnerisch nötig, damit das Darlehen bis zum Rentenbeginn abbezahlt ist. Wenn dann gleichzeitig jederzeitige Sondertilgungen mit der Bank verabredet werden, schafft das Spielräume, die wiederum Sicherheit vermitteln. Dann kann die Kundin nämlich am Jahresende selbst entscheiden, wie viel sie von den vorhandenen Rücklagen zur Kredittilgung verwendet oder was sie lieber als kurzfristig verfügbare Reserve behalten möchte.

Stimmt es, dass alternative Wohnformen und Projekte wie Wohngemeinschaften im Alter oder so genannte Mehrgenerationenhäuser besonders bei Frauen immer beliebter werden?

Das kann ich bestätigen. Bei den Veranstaltungen, die wir zu diesen Themen durchführen, sind etwa zwei Drittel der Interessierten an solchen neuen Wohnformen Frauen. Viele reservieren dafür bereits Teile ihres Vermögens, auch wenn bisher noch gar keine konkreten Planungen anstehen. Das größte Handikap bei der Realisierung liegt vielfach in den ungleichen Vermögensverhältnissen. Da ist die eine Frau mit viel Geld, die mit zwei anderen Frauen zusammenwohnen möchte, die aber nur sehr wenig oder gar kein Eigenkapital mitbringen können.

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