Vor allem die überteuerten Ferienimmobilien in Meeresnähe verlieren an Wert: Portugals Wohnungsmarkt bricht ein

Vor allem die überteuerten Ferienimmobilien in Meeresnähe verlieren an Wert
Portugals Wohnungsmarkt bricht ein

Portugals Immobilienmarkt steht vor einem großen Umbruch. Viele Branchenexperten wie etwa José Luis Escrivá, Chefökonom der zweitgrößten spanischen Bank BBVA, erwarten in den kommenden Jahren einen leichten Preisrückgang. Manche portugiesische Ökonomen befürchten jedoch schlimmeres: Paulo Pinho, Volkswirt an der Universidade Nova de Lisboa, sprechen sogar von einem möglichen Crash.

HB LISSABON. Portugals Wohnungsmarkt zählt seit geraumer Zeit zu den teuersten in Europa und das, obwohl die heimische Wirtschaft seit rund vier Jahren die schwächste in der Europäischen Union (EU) ist. Vor allem in den Jahren 1999 bis 2002 war die Nachfrage enorm. Dass sich die Zeiten geändert haben, lässt sich auch daran ablesen, dass die Bauaktivitäten seit Jahren leicht zurückgehen. Im vergangenen Jahr wurden nur noch rund 58 000 Wohnungen fertiggestellt und damit weniger als vor zehn Jahren.

Doch weil der Mietmarkt klein ist, blieb die Nachfrage nach Eigentum über die Jahre konstant. „Aber die Schere zwischen dem, was ein Portugiese verdient und dem, was ihn eine Wohnung kostet, wird immer größer“, sagt Escrivá. Das könne nicht lange gut gehen. Darum stagnieren die Preise inzwischen vielerorts. Nur im Bereich der Einfamilienhäuser ziehen sie noch stark an. Das gilt vor allem für die Küstenregionen. Dort kletterten die Preise im vergangenen Jahr nach Angaben des nationalen Statistikamts um knapp sieben Prozent. „Dazu haben vor allem die kaufkräftigeren Ausländer beigetragen“, sagt Bankvolkswirt Escrivá. Besonders gefragt ist immer noch die Algarve. Hier kostet der Quadratmeter einer gebrauchten Immobilien selbst im Hinterland ab 1 080 Euro aufwärts. In den bekannten Urlaubshochburgen dieser Region, in Praia da Rocha oder in Carvoeiro, müssen Kaufinteressenten mit doppelt so hohen Preisen rechnen.

„Beim Neubau kommt man sogar auf 4 000 Euro pro Quadratmeter“, sagt Nils Peter Sieger, Chef des Immobilienberatungsbüro Finurba in Lissabon. Auch an der schönen, weil noch nicht verbauten, Küste rund um Estoril, in der Nähe von Lissabon, müssen Käufer bereits rund 3 500 Euro pro Quadratmeter für eine neue Wohnung mit Blick aufs Meer hinlegen. „Wirkliche Schnäppchen kann man nur noch im Landesinneren machen“, stellt Berater Sieger fest.

Doch die verheerenden Waldbrände in diesem Sommer besonders im Norden des Landes haben viele der ländlichen Regionen auf lange Zeit unattraktiv gemacht. Zu den betroffenen Gebieten zählt beispielsweise das Umland der alten Universitätsstadt Coimbra. „Da sind nur noch schwarze Löcher zu sehen“, sagt Sieger.

Seite 1:

Portugals Wohnungsmarkt bricht ein

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%