Wachsender Druck
Immobilien: Preisrutsch in Spanien hat erst begonnen

Der Preisverfall auf dem spanischen Wohnungsmarkt, wo etwa eine Million Wohnungen auf Käufer warten, beschleunigt sich. Bauträger und Immobilienfirmen melden Konkurs an, müssen ihre wertvollsten Bestände verkaufen oder zulassen, dass die Gläubigerbanken ihre oftmals mit Aktienbeteiligungen unterlegten Kredite vollstrecken und die Kontrolle im Unternehmen übernehmen.

MADRID. In den vergangenen Wochen mussten die Immobilienfirmen Habitat und drei Filialen der katalanischen Inbesós Konkurs anmelden. Ein weiterer Gigant der spanischen Immobilienbranche, Metrovacesa, konnte das gleiche Schicksal nur verhindern, indem er eine seiner spektakulärsten Immobilientransaktionen wieder rückgängig machte und zugleich fünf Gläubigerbanken die Mehrheitsanteile übergab.

Im April 2007 hatte Metrovacesa für 1,09 Mrd. Pfund den HSBC-Turm in London gekauft, eine der teuersten Immobilientransaktionen in der Geschichte der britischen Hauptstadt. HSBC hatte den Kauf seines Hauptsitzes damals selbst mit einem Kredit von 810 Mio. Pfund finanziert. Doch als die Spanier den Kredit nicht mehr bedienen konnten, verkauften sie das Gebäude für 838 Mio. Pfund zurück an die Bank. Zugleich muss die Familie Sanahuja, bisher mit 80 Prozent Hauptaktionär von Metrovacesa, die Mehrheitskontrolle an fünf spanischen Gläubigerbanken BBVA, Banesto, Banco Popular, Banco Sabadell, Santander und Caja Madrid abgeben, die zusammen fortan 65 Prozent der Anteile halten werden. Unternehmenspräsident Roman Sanahuja kündigte seinen Rücktritt an.

Immer stärker wird der Druck auf Immobilienfirmen, Wohnungsbestände zu verkaufen, notfalls mit hohen Preisnachlässen. Die könnten höher ausfallen, als es die offiziellen Statistiken der Banco de Espana oder des nationalen Statistikinstitut INE vermuten lassen. Der Banco de Espana zufolge sind die nominalen Preise im Oktober noch leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen, während in Ländern wie Großbritannien oder Irland ein Preisrückgang von mehr als zehn Prozent verzeichnet wird. Der spanische Immobilienbewerter Tinsa hingegen meldet im Oktober einen Preisrückgang um 6,5 Prozent und im November um 7,8 Prozent, vor allem in den Städten, an der Mittelmeerküste und auf den Inseln.

Juan Iranzo, Generaldirektor des spanischen Instituts für Wirtschaftsforschung IEE geht davon aus, dass die Preise real bereits um zehn Prozent zurückgegangen sind und insgesamt um bis zu 20 Prozent sinken werden. Die Banco de Espana schreibt seit längerem, dass die Wohnungspreise ihrer Meinung nach um bis zu 30 Prozent überbewertet sind.

„Die offiziellen Statistiken basieren auf Angebots- , nicht auf Verkaufspreisen“, warnt Analyst Santiago López Díaz von Credit Suisse. „Unserer Meinung nach werden die Verkäufe zu sehr viel niedrigeren Preisen abgeschlossen, insbesondere angesichts des scharfen Rückgangs an Verkäufen.“ Nach Meinung von Díaz sehen wir erst den Beginn eines langen Preisrückgangs – hervorgerufen durch den enormen Angebotsüberhang an Wohnungen, die angespannte Finanzlage der Familien und die sehr viel konservativere Politik der Banken bei der Kreditvergabe.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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