Wärmeverbrauch
Verbände streiten über Energiepass

In der Auseinandersetzung um die richtige Methode zur Erstellung eines Energieausweises für Gebäude steuert das Bundesbauministerium auf einen Kompromiss zu. In dem Methodenstreit stehen sich Mieter- und Verbraucherverbände auf der einen und Grundeigentümerorganisationen auf der anderen Seite gegenüber.

HB DÜSSELDORF. Während ein Ministeriumssprecher noch die Form des Kompromisses offen lässt, plädiert der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen dafür, sowohl bedarfs- wie auch verbrauchsorientierte Energiepässe zuzulassen. Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena) greift einen bereits früher kursierenden Vorschlag auf. Danach soll für Gebäude mit bis zu sieben Wohnungen der bedarfsorientierte Pass festgeschrieben werden, in Gebäuden ab acht Wohnungen genügte dann der verbrauchsorientierte Ausweis. Eigentlich geht die Dena aber davon aus, dass dieser erst ab zwölf Wohnungen Sinn macht: Bei kleineren Einheiten könnte das individuelle Heizverhalten einer Mietpartei das Messergebnis verfälschen. Die Dena ist eine von Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) getragene Gesellschaft. Sie hat in einem Feldversuch am Bedarf orientierte Pässe für 4 100 Gebäude erstellen lassen.

Der verbrauchsorientierte Ausweis basiert auf dem gemessenen Energieverbrauch der Bewohner eines Mehr- oder Einfamilienhauses, der bedarfsorientierte Pass auf dem anhand der Gebäudeausstattung errechneten Energiebedarf einer Immobilie. Der Energieausweis wird Pflicht für alle vermieteten Objekte und sobald ein Eigenheim oder eine selbst genutzte Wohnung verkauft werden. Mit der Einführung des Energieausweises setzt die Bundesregierung eine EU-Richtlinie um. Vor allem aber hofft sie auf "eine steigende Nachfrage nach moderner Heiztechnik, Wärmedämmung und neuen Fenstern". Das Gesetz soll nach Angaben eines Sprechers des Bauministeriums noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Eine Verbindung zu dem am Monatsbeginn neu aufgelegten und mit höheren Mitteln versehenen Gebäudesanierungsprogramm sei nicht vorgesehen, sagte er.

Der Streit um die richtige Methode ist auch ein Streit ums Geld. Die Wohnungswirtschaft schätzt die Kosten je Wohnung bei der billigeren verbrauchsorientierten Variante auf 15 bis 20 Euro je Wohnung und kalkuliert für die bedarfsorientierte Variante 300 bis 1 000 Euro je Wohneinheit. Der Mieterbund setzt dagegen für die aufwendigere Variante nur 50 bis 100 Euro je Wohnung an. Und die Dena sagt, bei ihrem Feldversuch mit 4 100 Objekten hätten die Kosten für den bedarfsorientierten Pass in 80 Prozent der Fälle bei weniger als 200 Euro gelegen.

Deutscher Mieterbund (DMB), Verbraucherzentrale Bundesverband, Bundesingenieur- und Bundesarchitektenkammer sowie die Deutsche Umwelthilfe sind der Auffassung, nur ein bedarfsorientierter Pass ermögliche es, Gebäude miteinander zu vergleichen. Mieterbund-Direktor Franz-Josef Rips schimpft, die Vermieter wollten mit dem Pass auf Basis der Heizkostenabrechnung den schlechten Zustand ihrer Gebäude verschleiern. Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, hält dagegen. "Die Wohnungsunternehmen wollen nicht einen Millionenaufwand für eine komplizierte und teure Form des Energieausweises ausgeben." Das Geld fehle hinterher für die Modernisierung der Immobilien, argumentiert der Verband. Und so zieht der GdW auch die Ergebnisse der Dena-Feldstudie in Zweifel. Bei der Bewertung ein und desselben Gebäudes durch sechs verschiedene Gutachter hätten die Werte um bis zu 60 Prozent differiert, kritisiert der GdW nach einem Test. Die Dena kontert: Im Feldversuch seien 53 Prozent der Verbrauchsdaten unplausibel gewesen und hätten deswegen nicht berücksichtigt werden können. Den Kern der Sache trifft wohl GdW-Sprecher Olaf Dube mit der Feststellung: "Letztendlich sind beide Methoden nicht objektiv."

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