Warenhäuser
Keine Nachmieter für Karstadt

Der Warenhausbetreiber Karstadt und sein Mutterkonzern Arcandor sind pleite. Das schürt die Furcht vor der Verödung der Innenstädte. Würden Warenhäuser in großer Zahl geschlossen, könnte dies nicht zuletzt kleinere und mittlere Städte in arge Bedrängnis bringen. Nur nach riesigen Investitionen besteht eine Chance, andere Nutzer für die Immobilien zu finden.

KÖLN. Seine Befürchtung, eine umfangreiche Schließung großer Warenhäuser wie Karstadt könne kleine und mittlere Städte in arge Bedrängnis bringen, begründet der Branchenverband BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen mit den Top-Lagen in denen die Immobilien meist stehen und der nach vier vor wichtigen Magnetfunktion der Kaufhäuser für den innerstädtischen Einzelhandel.

Die Sorge ist berechtigt, schließlich setzt Karstadt nur den vorläufigen Schlusspunkt unter eine Reihe spektakulärer Warenhaus-Pleiten: Im vergangenen Jahr kam das Aus für Hertie, im April 2009 folgte die Kaufhauskette Woolworth. Insgesamt bewirtschaften die drei Unternehmen bundesweit etwa 2,2 Mio. Quadratmeter (qm) Verkaufsfläche. Hertie, soviel ist schon sicher, wird den Geschäftsbetrieb aufgeben, bis Ende Juli sollen auch die noch verbliebenen 54 (von einst 74) Filialen mit 270 000 qm Fläche geräumt sein. Wie es bei Woolworth weitergeht, ist offen. Immerhin gibt es mit dem Ex-Woolworth-Manager Robert Brech und der britischen Finanzgruppe Gordon Brothers einen interessierten Investor.

Auch für Karstadt dürfte die Insolvenz nicht das endgültige Aus bedeuten. Allerdings werden von den 89 Waren- und 27 Karstadt-Sporthäusern kaum alle überleben: 40 Standorte gelten als verzichtbar, es könnten aber auch mehr werden, erwartet Karsten Burbach, Geschäftsführer des Immobilienberaters CB Richard Ellis (CBRE). Dies dürfte erst recht dann der Fall sein, wenn es der Metro-Tochter Kaufhof gelingt, den einstigen Wettbewerber zu übernehmen. Denn in fast allen deutschen Top-Einkaufsmeilen stehen Kaufhof- und Karstadt–Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft, gibt Rüdiger Thräne, Geschäftsführer des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Beratungshauses Kemper’s Jones Lang Lasalle (Kemper’s JLL) zu bedenken: „Insgesamt rechnen wir mit mindestens 30 Doppelstandorten“ – Häuser in City-Rand- und Stadtteillagen nicht eingerechnet. Für CBRE-Mann Burbach steht fest: „Eigentümer müssen damit rechnen, dass unrentable Standorte gekündigt werden.“

Keine gute Nachricht für die Vermieter. Denn rasch neue Nutzer zu finden, ist leichter gesagt als getan: „Für Einzelhandelsflächen dieser Größe gibt es zurzeit in Innenstädten schlicht keine Nachfrage“, beschreibt Burbach die düstere Lage. Erschwerend kommt hinzu, dass Warenhäuser ihre Sortimente auf vier oder fünf, manchmal sogar auf bis zu sieben Geschossen feilbieten. „Heute mieten Einzelhändler meist Flächen bis zum zweiten Obergeschoss, ab da ist Schluss“, sagt Andreas Völker, Geschäftsführer von Immobilienberater Atisreal Consult und Leiter des Geschäftsbereichs Retail Solutions. Für Flächen ab dem dritten Geschoss müsse man daher alternative Nutzungen finden.

Vorstellbar sei vieles: kleinteilige Büros und Arztpraxen, Fitnesscenter, Hotels und sogar Wohnungen. „Doch das setzt erhebliche Investitionen voraus“, gibt Werner Altenschmidt Leiter Retail Advisory bei Kemper’s JLL zu bedenken. Und nicht in jedem Fall sei ein solches Investment wirtschaftlich, ergänzt Atisreal-Mann Völker. Das wissen auch potenzielle Käufer: Von insgesamt 74 Hertie-Warenhäusern, die von der britischen Investorengruppe Dawnay Day einst im Paket gekauft wurden, konnten bislang gerade acht verkauft werden, zwei weitere sollen noch im Juni folgen. Für 15 Objekte gebe es ernsthafte Interessenten, sagt Völker. „Auch wenn der Einzelverkauf länger dauert, so ist er derzeit die einzig Option.“

So wird man sich wohl an leerstehende Warenhäuser gewöhnen müssen: Gut frequentierte Innenstädte dürften dies noch vergleichsweise unbeschadet überstehen. Problematisch wird es in Nebenlagen: „Hier kann der Leerstand länger dauern und sich negativ auf die Mieten auswirken“, sagt Burbach.

Wem gehört was?

Kaufhof
Das zum Metro-Konzern gehörende Warenhausunternehmen betreibt 113 Häuser mit etwa 1,4 Mio. Quadratmetern (qm) Verkaufsfläche in mehr als 80 Städten. Metro hatte – erfolglos – versucht, seine Immobilien zu veräußern. Stattdessen wurden sie in ein internes Profit-Center ausgelagert. Mittelfristig gilt ein Verkauf als wahrscheinlich.

Karstadt
Die insolvente Warenhaustochter des Arcandor-Konzerns betreibt 89 Waren- und 27 Sporthäuser auf 1,5 Mio. qm Fläche. Alle Immobilien wurden verkauft, der größte Teil an ein Konsortium aus Goldman Sachs, Rreef, Pirelli Re und Borletti.

Hertie
Das 2008 pleitegegangene Unternehmen betreibt noch bis Ende Juli 54 von einst 74 Häusern mit 270 000 qm Fläche. Die Eigentümerin Dawnay Day will alle Objekte verkaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%