Wenig Informationen
Ökologie lässt Immobilienfirmen kalt

Wenn es um Information über den eigenen Umgang mit der Natur und den Mitarbeitern geht, fällen Experten über Immobilienunternehmen ein vernichtendes Urteil.

HB BERLIN. „Schlusslicht ist die Immobilienbranche“, stellen beispielsweise die Agenturen für Finanzkommunikation Cat Consultants und Wolff&Häcker Finanzconsulting nach Analyse der Berichterstattung über nachhaltiges Wirtschaften von 122 großen und mittleren deutschen Unternehmen fest. Keine der darin überprüften drei Immobilienfirmen – Gagfah, Patrizia und Deutsche Euroshop (DES) – gab bisher Investoren und Interessengruppen öffentlich Auskunft, ob und wie sie Umwelt- und Sozialaspekte bei der Unternehmensführung beachten. Gagfah und Patrizia sind auf dem Wohnungssektor tätig. DES betreibt Shoppingcenter. „Sie geben auch in den Geschäftsberichten keine Informationen zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen wie Energiesparen und Klimawandel“, kritisiert Kerstin Kelling von Cat Consultants.

Andere deutsche Immobilienfirmen äußern sich ebenfalls kaum. Auch die Homepage des Büroimmobilienspezialisten IVG enthält keine Informationen. Dabei bezieht der im Herbst fertiggestellte IVG-Businesspark bei München Bioenergie. Dass dies die Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen senke sowie niedrigere Betriebskosten für die Mieter und eine ausgeglichene Kohlendioxid-Bilanz bewirke, „verschafft uns einen echten Wettbewerbsvorteil im umkämpften Büromarkt“, sagte IVG-Niederlassungsleiter Christoph Nebl damals bei der Fertigstellung.

Künftig werden Immobilienfirmen mit Rücksicht auf Investoren darüber berichten müssen, wie sie es mit der Nachhaltigkeit halten. „Weltweit haben wir nur fünf Immobiliengesellschaft für das nachhaltige Anlageuniversum ausgewählt“, berichtet Simone Schärer, Nachhaltigkeitsanalystin der Zürcher Kantonalbank (ZKB), und zählt British Land, Land Securities und Hammerson aus Großbritannien, Investa Property aus Australien und Mitsubishi Real Estate aus Japan auf. Immerhin – das Umdenken hat begonnen: Die börsennotierte US-Gesellschaft Prologis, nach eigenen Angaben weltgrößter Eigentümer und Entwickler von Logistikimmobilien, hat gerade einen auf der Homepage des Unternehmens abrufbaren Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Prologis lehnt seinen Bericht an die international tonangebenden Standards der Global Reporting Initiative (GRI) an. Die Vorgaben wurden von Unternehmen, Wirtschaftsprüfern und Wissenschaftlern erstellt.

Prologis hat sich überdies konkrete Ziele mit Zeitvorgaben gesetzt. Analystin Schärer bemängelt jedoch, dass in dem Prologis-Bericht Zahlen zur bisherigen Umweltperformance weitgehend fehlen. Die Firma will in diesem Jahr Regeln entwickeln, die es ermöglichen anerkannte Standards wie den strengen US-Energiestandard „Leed“ zu erreichen oder zu übertreffen. Bis zum Jahr 2010 soll in allen neuen Gebäuden 20 Prozent recyceltes Baumaterial eingesetzt, 75 Prozent des Bauschutts wiederverwertet, der Trinkwasserverbrauch zur Bewässerung halbiert und in den USA ein klimaneutraler Geschäftsbetrieb erreicht werden.

Noch berichten britische Immobiliengesellschaften am intensivsten über ihr Nachhaltigkeitsmanagement. British Land veröffentlichte schon 2002 als erste Immobilienfirma weltweit einen Umwelt- und Sozialbericht und informiert regelmäßig über Forschritte. Sie kooperiert mit ihren Mietern, um Umweltbelastungen zu vermindern. Der portugiesisch-britische Betreiber von Einkaufszentren Sonae Sierra erhielt Anfang Mai eine Auszeichnung, weil er Nachhaltigkeit von der Planung bis zum Betrieb beachtet. Er gab gerade seinen dritten, stark mit GRI-Vorgaben übereinstimmenden und von Wirtschaftsprüfern testierten Nachhaltigkeitsbericht heraus.

Der Bericht legt sogar detailliert dar, ob und wie weit das Unternehmen seine 45 für 2006 gesetzten Ziele erreicht hat. Bis Ende 2008 sollen alle 40 Einkaufszentren gemäß der Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert sein, auch das noch im Bau befindliche „Alexa“ in Berlin. Seine Umweltstrategie solle Maßstab für die gesamte Branche sein, sagte Vorstandschef Alvaro Portela im Januar. Manche Firmen beachten hohe Umweltstandards ohne darüber zu berichten, wie etwa der Schweizer Erbauer von Nullenergie-Häusern Allreal.

„Insgesamt haben aber erst wenige Gesellschaften die Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit bei Neubauten und Sanierungen organisatorisch verankert“, stellt eine ZKB-Studie fest.

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