Weniger Interessenten
Norwegens Immobilienmarkt droht Bruchlandung

In Norwegen beobachten Immobilienmakler einen erheblichen Rückgang potenzieller Käufer bei Besichtigungen. Norwegens Markt für Wohnimmobilien hat bereits 2012 eine Blase gebildet. Nun entweicht die Luft.
  • 1

Trine Dahl ist ein wenig gefrustet: Vor einem Jahr noch musste die Immobilienmaklerin nur mit dem Finger schnippen, um zum Verkauf stehende Wohnungen in Oslo an den Mann zu bringen. Seit dem Sommer aber ist die Zahl von Kaufinteressenten um die Hälfte zurückgegangen. 15 Anrufe müsse sie mittlerweile im Schnitt machen, um die Objekte loszuwerden. „Seit August ist es wirklich anders“, sagte sie in einem Interview mit Bloomberg. „Es ist hart abzuschätzen, welche Immobilie schwer und welche einfach zu verkaufen ist. „In einem normalen Markt wäre das einfach.“

Bereits 2012 hatte Immobilien-Experte Robert J. Shiller davor gewarnt, dass Norwegens Markt für Wohnimmobilien eine Blase gebildet habe. Doch entweicht die Luft aus dieser Blase nun offenbar schneller, als sich die Zentralbank des Landes dies vorgestellt hatte. Zuletzt hatte sie versucht, den überhitzten Markt mit einer Reihe regulatorischer Maßnahmen abzukühlen.

In den vergangenen zehn Jahren hatten sich die Preise für Wohnimmobilien in Norwegen verdoppelt. Angetrieben wurden sie von niedrigen Zinsen und steigendem Öl-Reichtum. Inzwischen sind die Preise bereits zwei Monate in Folge gefallen. Beobachter sorgen sich daher, dass der Markt womöglich vor einer harten Bruchlandung steht. Bei norwegischen Haushalten ist die Verschuldung so hoch wie nie. „Die Regulierungen haben sich auf den Häusermärkt früher ausgewirkt als von uns erwartet“, erklärte der Analyst Kjersti Haugland von DNB ASA. Seine Firma, die größte Bank Norwegens, sehe derzeit aber noch eine relativ weiche Landung.

Seite 1:

Norwegens Immobilienmarkt droht Bruchlandung

Seite 2:

Fast so teuer wie New York

Kommentare zu " Weniger Interessenten: Norwegens Immobilienmarkt droht Bruchlandung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es gab und gibt in Norwegen viele, zum Teil aberwitzige Anreize Immobilien zu erwerben:
    1. Man kann die Zinskosten auf selbstgenutztes Wohneigentum von der Steuer absetzen.
    2. Einkommen aus Untervermietung muss nicht versteuert werden.
    3. Immobilien werden zum Einheitswert bewertet, der bei etwa einem Drittel des Verkehrswertes liegt. Dadurch spart oder vermeidet man die in Norwegen nicht unerhebliche Vermögenssteuer (bei kreditfinanzierten Immobilien sind die Schulden oft höher als der Einheitswert, wodurch sich ein negatives Vermögen ergibt).
    4. Manche Gemeinden, insbesondere in Vororten größerer Städte, geben Zuzugswilligen kostenlose Kreditbürgschaften, da sie auf Einnahmen durch Grunderwerbssteuer aus sind. In manchen solcher Gemeinden wurde 2012 jedes dritte Haus von Familien gekauft, die die Banken für nicht kreditwürdig eingestuft hatten. So geht Subprime auf norwegisch, wie ein dortige Zeitung vor einem Jahr titulierte.
    5. Jeder Norwegen bekommt einmal im Leben ein Kreditbürgschaft von Staat um ein Eigenheim zu erwerben.

    Ein Mietmarkt existiert dadurch in Norwegen so gut wie gar nicht. Mehr als 90% aller Wohnungsanzeigen sind Verkaufsanzeigen. Als Professor in Trondheim kam mir von Studenten zu Ohren, dass es für Wohngemeinschaften nicht ungewöhnlich sei, die Immobilie gemeinsam zu kaufen statt zu mieten. Dies sei trotz der Nebenkosten beim Erwerb zu Studienbeginn und beim Wiederverkauf nach Studienabschluss finanziell deutlich günstiger, manchmal unterm Strich sogar völlig kostenlos.

    Zum Glück habe ich mein norwegisches Haus im Januar verkauft und bin zurück nach Deutschland. Es gab nur 2 Kaufinteressenten, aber ich bekam den nachgefragten Preis innerhalb von nur 6 Tagen. Jetzt dürfte das wohl deutlich schwer fallen.
    Seither ist der Euro um über 10% gestiegen. Der Wert meines Hauses war von 2005 bis 2013 von 52% gestiegen. Meine norwegischen Kollegen meinten im Januar noch, ich hätte zu billig verkauft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%