Wettbewerb wird härter
Shoppingcenter jagen sich Kunden ab

Der Wettbewerb um Standorte für Shoppingcenter wird härter. Ein Beispiel dafür liefert das Hickhack um eine neue Einkaufsgalerie in der niederrheinischen Kreisstadt Neuss.

HB DÜSSELDORF. Zunächst schien es so, als sei für den Entwickler MFI alles nach Plan gelaufen. Der Rat der Stadt entschied sich zur Freude von Bürgermeister Herbert Napp (CDU) mit der Mehrheit seiner Fraktion Mitte Mai für die große Shoppingcenter-Variante der Essener Firma. Konkurrent Tenkhoff Properties hatte mit seiner kleineren Lösung das Nachsehen. Doch als kurz darauf bekannt wurde, dass der Wettbewerber ECE den abseits der Innenstadt gelegenen „Huma Einkaufspark“ aufwerten will, intervenierte MFI – so Napps Darstellung. Er solle diese Konkurrenz bauaufsichtsrechtlich vermeiden, habe MFI von ihm gewünscht, sagt der Bürgermeister und stellt klar: „Ich bin nicht dazu da, Konkurrenz zu vermeiden, indem ich Baurecht beuge.“ Napp bestätigt damit einen Bericht in der örtlichen „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“.

Die Darstellung in der örtlichen Presse sei „Quatsch“, entgegnet Herbert Appelt, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der MFI. Spekulationen, MFI könne aussteigen, falls die Stadt ECE nicht stoppen sollte, weist Appelt zurück. „Wir verhandeln mit der Stadt über einen Entwicklungsplan“, sagt Appelt. Werden sich Stadt und MFI einig, soll in der Neusser Innenstadt ab Frühjahr 2008 ein 200 Mill. Euro teures Center mit etwa 30 000 Quadratmetern (qm) Verkaufsfläche entstehen. Das ECE-Management wundert sich über das Scharmützel zwischen Bürgermeister und MFI. „Der Huma-Einkaufspark ist ein Autofahrerstandort“, sagt ECE-Sprecher Robert Heinemann und sieht deshalb keine Konkurrenz zur Innenstadt. Die ECE soll im Auftrag des Schweizer Eigners Unimo AG das aus den 1970er-Jahren stammende Huma-Center mit 40 000 qm Verkaufsfläche für 100 Mill. Euro modernisieren. Die Verkaufsfläche werde nicht erweitert, bestätigen ECE und Bürgermeister.

Für den Fall, dass sich MFI und Stadt doch nicht einigen sollten, würde Tenkhoff einspringen. „Wir hätten dann wieder Interesse“ sagt Gründer Jochen Tenkhoff. Sein vom Rat der Stadt nicht angenommener Plan lief auf Investitionen von etwa 100 Mill. Euro in 13 000 qm Verkaufsfläche hinaus. Ein Center dieser Größe sei für den Neusser Einzelhandel verträglicher, meint Tenkhoff. Über die Gefahr, dass neue Shoppingcenter den alteingesessenen örtlichen Einzelhandel durch zusätzliche Verkaufsfläche und umgelenkte Passantenströme ruinieren, wird seit Jahren diskutiert. Doch geben Beobachter zu bedenken, dass die Center nicht nur dem Handel vor Ort sondern sich auch immer häufiger gegenseitig das Leben schwer machen.

Ein neues Center schaffe noch keine zusätzliche Kaufkraft, warnten Experten kürzlich auf der Handelsblatt-Immobilientagung vor falschen Bedarfsangaben. Hochrechnungen, nach denen in Deutschland noch Platz für 50 bis 100 neue innerstädtische Einkaufszentren ist, basierten häufig darauf, dass von Zahlen aus dem Ausland ausgegangen werde. Dort gebe es seltener die für deutsche Städte typischen stark frequentierten Einkaufsstraßen. Deshalb sei die Zahl der Shoppingcenter-Quadratmeter pro Kopf dort höher als in Deutschland.

Marcus Hüttermann, Geschäftsführer Douglas Immobilien GmbH & Co. KG, wurde deutlich: „Wir brauchen keine neuen Shoppingcenter.“ Wenn er die von Betreibern ermittelten Einzugsgebiete zusammenrechne, müsse Deutschland ein Volk mit 110 Millionen Menschen sein, sagte der Chef der Immobiliensparte der Parfümeriekette. Deutschland hat 82 Millionen Einwohner. Experten machen unterschiedliche Angaben zu Einkaufszentren in Deutschland. Die Spanne reicht von etwa 370 bis 570, was daran liegt, dass die einen Zentren ab 8 000 qm zählen, die anderen erst ab 10 000 qm.

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