Widerstand in Duisburg
Umweltschützer lehnen Hausboot-Siedlung ab

Die Stadt Duisburg möchte ein innovatives Wohnangebot für Besserverdiener auf dem Wasser schaffen. Doch Umweltschützer wollen die schwimmende Siedlung verhindern.

HB DUISBURG. Für Stadtplaner und Wirtschaftsförderer im Ruhrgebiet wird „Wohnen am Wasser“ derzeit groß geschrieben. Konzepte, ufernahe Brachen in attraktive Wohnstandorte umzuwandeln, gibt es auch in Essen, Mülheim an der Ruhr und in Dortmund. Derzeit diskutiert die Stadt Duisburg, ob sie auch ein Leben auf dem Wasser fördern soll. Gemeint sind Floating Homes, schwimmende Wohnhäuser, wie es sie in Hamburg und Berlin bereits gibt und aus urbanen Wasserlagen in Holland und Kanada nicht wegzudenken sind.

Seit zwei Jahren arbeiten das Stadtplanungsdezernat und die Hamburger Floating Homes GmbH daran, einen geeigneten Standort für das Konzept zu finden. Die Wahl von Martin Förster, Geschäftsführer von Floating Homes, fiel auf Duisburg-Rahm, weil der Stadtteil direkt an den wohlhabenden Düsseldorfer Norden grenzt. Mit dem Konzept, so das Kalkül der Duisburger Stadtplaner, sollen auch finanzkräftige Käufergruppen aus der Landeshauptstadt angelockt werden. „Eine Stadt mit zehn Prozent Wasseranteil soll hiermit spezifische Angebote auch für kreative, innovative und gut verdienende Bevölkerungskreise schaffen und diese zum Verbleib in der Stadt beziehungsweise zum Zuzug nach Duisburg bewegen“, heißt es in einer Beschlussvorlage der Stadt vom Mai.

Zwar würde durch das Projekt mit etwa zehn Booten quantitativ in Relation zur Gesamtbevölkerung von 500 000 Einwohnern nur ein minimaler Wohnraum geschaffen. Die Außenwirkung dieser in der Region neuen Wohnform sei jedoch nicht zu unterschätzen, meinen die Stadtplaner. Für den Rahmer See spreche auch, dass der Eigentümer Interesse an der Realisierung bekundet habe.

Politisch sei das ganze Thema allerdings noch nicht diskutiert, unterstreicht ein Sprecher des Duisburger Stadtplanungsamtes. Probleme sind programmiert, denn der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde lehnte das Vorhaben Ende Mai einstimmig ab. Der Rahmer See sei als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Eingriffe in den Uferbereich wären zu groß. Auch würden die Bewohner der schwimmenden Eigenheime das geschützte Gewässer für Wassersportaktivitäten nutzen wollen, was ebenfalls nicht gewünscht sei, argumentieren die Umweltschützer.

Eine weitere offene Frage ist, ob es in der Rhein-Ruhr-Region tatsächlich einen Markt für Hausboote gibt. Bei dem, was Architekt Martin Förster und sein Kollege Karsten Trabitzsch entworfen haben, handelt es sich um cool bis futuristisch gestaltete Luxusvillen und nicht um wassertaugliche Schrebergarten-Häuschen.

„Floating Homes sind ein Konzept für innovative Nachfragergruppen, die man eher in Metropolen oder Kreativ-Ballungsräumen findet“, stellt Trendforscher Peter Hettenbach, Geschäftsführer der IIB Institut Innovatives Bauen GmbH, die Erfolgschancen eines solchen Wasserprojekts in der Ruhrregion in Frage. In der Umgebung ehemaliger Zechen und Arbeiterreviere seien eher bürgerliche Lebensstile dominant.

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