"Wir lassen uns nicht hochtreiben": Nachgefragt: M. Ross Morgan

"Wir lassen uns nicht hochtreiben"
Nachgefragt: M. Ross Morgan

Das Handelsblatt im Gespräch mit M. Ross Morgan, seit September 2003 Geschäftsführer der Frankfurter Degi über britische Immobilien und das Interesse deutscher Fonds.

HB: Warum kaufen derzeit so viele deutsche Fonds britische Bürogebäude?

Morgan: London ist einer der größten Immobilienmärkte in Europa, in dem auch Objekte zwischen 200 und 400 Mill. Euro nachgefragt werden. London hat zudem einzigartige Vorteile. Die Mietverträge laufen über 15 Jahre - länger als die deutschen mit fünf bis sieben Jahren. Außerdem sind die Mieter selbst für die Instandhaltung verantwortlich. Wer Mieter guter Bonität bekommt, sichert sich solide Einnahmen. Außerdem erreichen die Mieten jetzt den Tiefpunkt, wir gehen von einem aufsteigenden Zyklus aus.

Welche Vorteile bieten sich Investoren?

Sie kommen neben einer besseren Rendite in den Genuß von Steuervorteilen. Gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen zahlen wir nur die britischen Sätze von 22 Prozent, der Rest ist für Anleger steuerfrei. Bei Offenen Fonds in Deutschland kommen Anleger je nach individuellem Steuersatz auch an die 50-Prozent-Marke heran.

Und das Währungsrisiko?

Das können wir zum größten Teil durch Fremdfinanzierung in lokaler Währung absichern. Wir finanzieren unsere Objekte zwischen 50 und 70 Prozent mit Fremdkapital. Der Rest wird durch Devisentermingeschäfte abgesichert.

Wo liegt die Rendite in London?

Für Objekte in Toplagen sind 5,75 bis 7,0 Prozent möglich. Deutsche Immobilien bringen ein bis zwei Prozentpunkte weniger.

Wie lange dauert es, bis Sie Ihren Einstandspreis wieder bekommen?

In der Regel läuft unser Anlagehorizont über fünf bis sieben Jahre. Danach versuchen wir, aus Objekten mit einem Gewinn wieder auszusteigen.

Warum interessieren sich trotz sinkender Mieten mehr Käufer für Immobilien an der Themse?

Nach wie vor ist viel Kapital vorhanden, das sichere Immobilienanlagen sucht. Niedrige Finanzierungszinsen locken Pensions- und Immobilienfonds genau wie Privatinvestoren aus aller Welt. Je höher der Anteil der Fremdfinanzierung, desto aggressiver gehen sie an den Markt.

Wie hoch lassen Sie sich bei diesem Spiel treiben?

Wir haben einen breiten europäischen Anlagehorizont, es stehen viele attraktive Immobilienmärkte zur Auswahl. Entscheidend ist der Abgleich zwischen Chancen und Risiken. Wir sind nicht zu Investitionen gezwungen. Wir lassen uns nicht hochtreiben.

Die Fragen stellte Felix Schönauer.

Seit September 2003 ist Malcolm Ross Morgan Geschäftsführer der Frankfurter Degi.

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