Wohn-Riester
Sparkassen ködern Bauherren

Die staatlich geförderte Eigenheimrente motiviert mehr Menschen, privat für den Ruhestand zu sparen. Ein Geschäft ist der neue Wohn-Riester vor allem für die Bausparkassen. Wie das komplizierte Produkt funktioniert und welche Vorteile es bringt.
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FRANKFURT. Der neue Wohn-Riester hilft Sparkassen und Genossenschaftsbanken, im Geschäft mit der Altersvorsorge aufzutrumpfen. Versicherern und Fonds außerhalb dieser Finanzverbünde macht das zu schaffen. Profiteure des vor einem Jahr eingeführten Nachfolgers der Eigenheimförderung sind neben Bausparkassen vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

In den Filialen der beiden Bankengruppen lebt durch den Wohn-Riester der Allfinanzgedanke auf, weil Berater gezielter auf Kunden eingehen können. Im Rahmen einer Kampagne der Landesbausparkassen (LBS) hat sich gezeigt: Statt der Immobilien-Lösung entschieden sich viele Sparkassenkunden auch für eine Fonds- oder eine Versicherungsvariante der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge, der Riester-Rente. Entgegen anfänglicher Befürchtungen habe keine Kannibalisierung der Vertriebswege stattgefunden, sagt Christian Badde, Chef der LBS in Münster. Im Gegenteil: Fonds der Dekabank, öffentlich-rechtliche Versicherer wie Provinzial und die LBS verdoppelten zusammen in diesem Jahr den Marktanteil der Sparkassen im Riester-Neugeschäft auf ein Drittel, wie es im Sparkassen-Lager heißt.

Viele Versicherungsvertreter oder Berater der privaten Banken sind dagegen eingeschränkter, weil sie den Wohn-Riester nicht anbieten oder eine enge Bindung an eine Bausparkasse fehlt. Der Erfolg der Sparkassen schmeckt den Versicherern, die bislang im Riester-Geschäft den Ton angeben, daher nicht: "Der Wohn-Riester bringt für die Altersvorsorge der Menschen neue Risiken", kritisiert der Branchenverband GDV. Der Kauf einer Immobilie sei kein sicheres Geschäft: Damit seien "Klumpenrisiken" verbunden.

Fonds und Versicherer verlieren im Riester-Neugeschäft

"Mit dem Wohn-Riester sind Häuslebauer zwölf Jahre schneller schuldenfrei", kontert Badde. Die Zahlen sprechen für die Bausparkassen: Während der Wohn-Riester unerwartet gut lief, waren die Riester-Varianten von Fonds und Versicherern im Vergleich weniger gefragt. Gründe: Die Wachstumsraten im Markt sinken nach Jahren guten Absatzes, manche Anbieter treffen wegen ihrer Ausrichtung auf Aktien das aktuelle Sicherheitsbedürfnis der Sparer nicht.

Der Verband der privaten Sparkassen erwartet, dass in diesem Jahr über 300 000 Wohn-Riester-Verträge verkauft werden. Bereits in den ersten neun Monaten schafften die Bausparkassen 230 000 Eigenheimrenten, wie der Gesetzgeber diese Riester-Variante nennt. Gut die Hälfte entfällt auf die LBS, die damit überproportional gute Ergebnisse erzielte. Hinzu kommen noch 38 000 Verträge aus dem vergangenen Jahr.

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Kommentare zu " Wohn-Riester: Sparkassen ködern Bauherren"

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  • Es kann nicht sein.das in Anbetracht der steigenden wirtschaftlichen Probleme von banken und bausparkassen immer mehr Menschen durch derartige Fachbeiträge in die Schuldenfalle getrieben werden.
    Wehr von den Autoren befasst sich mit der Realität.
    Welche banken oder bausparkassen verkaufen keine Kredite?
    Welche banken oder bausparkassen, die gerade von anderen instituten übernommen wurden, sichert dem Kunden die Aufrechterhaltung seiner Darlehensverträge zu?
    Und eine Frage zu letzt! Warum ist Deutschland das einzige Land, in dem bausparkassen und unser bankensystem zu der geringsten Eigentumsquote in ganz Europa geführt hat?
    Vielleicht haben gerade renomierte Magazine die soziale Verantwortung, ungeachtet von Lobbyisten Artikel der Realität entsprechend zu verfassen.

    Mfg. W. Mertins

  • Ein wenig mehr Distanz zum Wohn-Riester hätte dem Stück gut getan. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

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