Wohneigentum: Kunden finanzieren vorsichtig, Banken noch vorsichtiger

Wohneigentum
Absurde Immobilienwelt

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Kunden finanzieren vorsichtig, Banken noch vorsichtiger

Im Schnitt finanzieren die Deutschen ihre Wohnimmobilie zu 77,8 Prozent mit Darlehen. Für Sterz kein Grund zur Besorgnis. Im Gegenteil: „Der typische Häuslebauer in Deutschland ist weiterhin sehr konservativ und stellt seine Finanzierung solide auf. Bei steigender Anzahl an Krediten, sehen wir eine Tendenz unserer Kunden zu längeren Laufzeiten. Zugleich liegt die Kreditausfallrate der Sparda-Banken auf historisch niedrigem Niveau.“

Doch die Bau- und Kaufwilligen benötigen mehr eigenes Geld als 22,2 Prozent des Wohnungs- oder Hauspreises. Wenn ein Makler eingeschaltet wird, addieren sich die Kaufnebenkosten auch wegen der in vielen Bundeländern in den vergangenen Jahren auf bis zu 6,5 Prozent angehobenen Grunderwerbsteuern leicht auf deutlich über zehn Prozent. Noch mehr Eigenkapital wird benötigt, wenn die Bank den Immobilienwert niedriger schätzt als den zu zahlende Kaufpreis.

Aufgrund der Wohnimmobilienkreditrichtlinie wird von den Kreditinstituten zudem mehr denn je darauf geachtet, dass die Kunden auch bei steigenden Zinsen die Kreditlast bis zur endgültigen Tilgung tragen können. Typischerweise dauert es etwa 30 Jahre, bis ein Eigennutzer sein Häuschen abbezahlt hat. Dass Wohneigentum seit der Untersuchung erschwinglicher geworden ist, ist für die meisten Menschen praktisch ausgeschlossen. Die Preise sind weiter gestiegen, Baugeld ist etwas teurer geworden und die nun wieder etwas höheren Energiekosten – abzulesen an der zunehmenden Inflationsrate – fressen einen höheren Teil am zur Verfügung stehenden Einkommen weg. Doch das entmutigt die Deutschen nicht. Ein Viertel der bis 50 Jahre alten Bürger plant den Erwerb von Wohneigentum.

Die, die davor zurückschrecken, nennen als einen der häufigsten Gründe die hohen Kosten. Angesichts dessen verlieren die niedrigen Zinsen also Motiv für den Erwerb von Immobilien an Bedeutung. Vor vier Jahren waren sie noch für 48 Prozent der Deutschen zwischen 16 und 50 Jahren ein Motiv für den Erwerb. Diesmal nannten nur noch 39 Prozent das Niedrigzinsumfeld als Kaufmotiv.

Längerfristige finanzielle Risiken sind ein weiterer der am häufigsten genannten Gründe gegen den Erwerb von Wohneigentum. Jüngere Studien sehen in Großstädten erhebliches Rückschlagpotenzial für Wohnimmobilien. Zunächst musste Harald Simmons vom Immobilienmarktforschungsinstitut Empirica heftige Kritik dafür einstecken, als er Preiseinbrüche von 36 Prozent in Düsseldorf, gut 40 Prozent in Frankfurt und Hamburg, um die 50 Prozent in Köln, Berlin und Stuttgart sowie 75 Prozent in München prognostizierte für den Fall steigender Zinsen.

Dabei geht Simmons zusätzlich davon aus, dass der Zuzug in diese Schwarmstädte abnimmt und das Angebot an Wohnraum steigt. Am Freitag signalisiert eine vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte Umfrage, dass Simmons Blick in die Zukunft gar nicht so abwegig ist. Danach halten die Befragten rund 180 Experten einen Rückgang der Wohnimmobilienpreis um mehr als 20 Prozent in den kommenden fünf Jahren für „durchaus denkbar“. Weitgehend einig sind sich die Umfrageteilnehmer darüber, dass die Wohnimmobilien in Deutschland überbewertet sind. 38 Prozent gehen davon aus, dass Wohnraum stark, 53 Prozent, dass er leicht überbewertet ist.

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  • Sehr geehrter Herr Reichel,

    noch einmal zu Ihrem Artikel. Weite Passagen befassen sich mit der Frage, wer kann sich eine Immobilie leisten. Anscheinend spielen dabei die höchst unterschiedlichen Preise in ländlichen Regionen und Großstädten überhaupt keine Rolle.

    Und anscheinend muß jeder eine Immobilie erwerben, das ist für jeden der Sinn des Lebens.

    Ob man dabei in den Großstädten mit Null- oder Minusrenditen oder gar mit deftigen Verlusten herauskommt, interessiert die Vertreter der Immobilienwirtschaft einen feuchten Staub.

  • Sehr geehrter Herr Reichel,

    für einen Bürger und Leser Ihres Blattes ist es ausgesprochen mißlich und ärgerlich, dass fast alle Untersuchungen oder Verlautbarungen über den Wohnungsmarkt von Vertretern der Wohnungswirtschaft oder den finanzierenden Banken stammen. Dass von Interessenvertretern keine neutralen Informationen zu erwarten sind, versteht sich von selbst.

    Natürlich können auch Sie nicht viel daran ändern. Aber ein Plus an kritischem Hinterfragen sollten Sie schaffen.

    Beispiel gefällig? Nehmen Sie die Studie der Sparda-Banken, die die Preise von Metropolen und gottverlassenen Gegenden zu einem Durchschnittspreis zusammenrechnet. Warum muß man solchen Unfug überhaupt präsentieren?

    Oder nehmen Sie die Umfrage bei Kaufinteressenten, wonach die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort nicht mehr als 30 Kilometer betragen sollte. Mich stört, dass Sie diese "Wünsch-Dir-Was-Veranstaltung" unkommentiert abdrucken. Dabei weiß eigentlich jeder, dass es bei einer guten S-Bahn- oder Nahverkehrszugverbindung auf die Straßenkilometer überhaupt nicht ankommt.

  • 240 TEUR für 44qm?

    Na da würde ich mir lieber eine 20qm-Residenz von Tabbert oder Dethleffs oder Westfalia zulegen.
    Ist bedeutend billiger und im Kriegsfall ist man mobil. :)

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