Wohnen im Alter
Senioren wollen Klasse statt Masse

Die Zahl der Menschen, die älter als 60 Jahre sind, steigt unaufhaltsam. Und mit dieser Zahl wächst auch der Bedarf für barrierefreien Wohnraum. Wohnungen, bei denen ein Abbau von Barrieren zu einem späteren Zeitpunkt möglich sei, müssten Standard werden, forderte darum kürzlich Nordrhein-Westfalens Bauminister Oliver Wittke.

MECKENBEUREN. Bei den Investoren ist die Botschaft schon früher angekommen. Nicht nur große Projektentwickler, sondern zusehends kleine und mittelständische Kapitalanleger haben Senioren als Immobilienkäufer und Mieter entdeckt.

Und vermögende Senioren investieren inzwischen nicht wenig in den eigenen barrierefreien Altersruhesitz. Zum Beispiel in Freiburg: Im beliebten Stadtteil Wiehre entstehen neue mehrgeschossige Bauten mit Eigentumswohnungen. Preise von mehreren tausend Euro für den Quadratmeter Wohnraum schrecken viele Käufer ab. Dennoch glaubt Makler Hans-Georg Rust an den Erfolg: „Das kaufen einige, die weiter oben im Stadtteil eine alte Villa in Hanglage haben, damit sie im Ruhestand nicht so weit den Berg hinauf müssen.“

Auch für Familie Schönle aus dem Taubertal waren kurze Wege zum Einkaufen zu Ärzten und kulturellen Veranstaltungen ein Pluspunkt. Aus dem Einfamilienhaus im Umland zog es sie ins Ortszentrum von Weikersheim. Das neue Mehrfamilienhaus hat neben zwei barrierefreien kleinen Wohneinheiten und der von den Eigentümern bewohnten Maisonette-Wohnung, einen Seniorentreff, einen Veranstaltungsraum und einen Buchladen. Eine flexible Kombination, die den Bauherren den ersten Preis im Wettbewerb „Generation 50 plus“ der Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einbrachte.

Bewerben konnten sich auch Bauherren, die allein ihre eigenen vier Wände umgestalteten. Die Auswertung der Bewerbungen ergab: Wichtig war den meisten Teilnehmern ihre Selbstständigkeit. Ihr Quartier sollte außerdem in der Nähe von Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn liegen. Individuelle Lösung statt Massenangebot, hieß die Devise.

Alten- und Pflegeheime werden in drei Jahren nicht mehr so häufig nachgefragt werden wie heute, schließen Experten daraus. Im Gegenzug werde der Bedarf für betreutes Wohnen, altersgerechten Wohnraum und Verbundkonzepte steigen, erwartet etwa Volker Eichener, Leiter Forschung im Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Bochum.

Doch die Nutzer werden – von Ausnahmen wie in Freiburg abgesehen – selten die Käufer sein. Dies liegt nach den Erfahrungen von Stefan Bayerl, Geschäftsführer der Bayerl Baukonzept GmbH, nahe. Die Firma errichtete ein dreigeschossiges barrierefreies Gebäude in Karlsruhe auf einem rund 3 000 Quadratmeter großen Grundstück. Nach einer gut besuchten Objektpräsentation im Karlsruher Rathaus stellte Bayerl fest: „Keine einzige Wohnung war verkauft, dafür brach das Telefon fast unter den vielen Mietanfragen zusammen.“

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