Wohnen in Berlin und Wien
Zwei Hauptstädte, ein Problem

Der heiße Immobilienmarkt in Berlin steht im krassen Gegensatz zum regulierten Wien. Obwohl die Vorzeichen nicht unterschiedlicher sein könnten, haben beide Städte dasselbe Problem. Es mangelt an Angebot.
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DüsseldorfWirkliche Liebhaber beider Städte finden sich kaum. Entweder ist man Berlin-Fan oder Wien-Fan. In der Tat könnten die Hauptstädte unterschiedlicher nicht sein. Da ist zum einem Deutschlands Hauptstadt Berlin, die vor Dynamik strotzt, einen alternativen Lebensstil propagiert und in der arm als sexy gilt. Auf der anderen Seite steht die Hauptstadt Österreichs, Wien. Die Stadt, die eine mehrfach ausgezeichnete Lebensqualität bietet, die auf Extravaganz, einen schicken Lebensstil und weltbekannte Bälle setzt.

Ein Vergleich der Immobilienmärkte beider Städte lässt die Unterschiede noch größer werden. Es scheint wie ein Wettkampf, der in der Historie einen hohen Stellenwert hat: Markt versus Regulierung. Während Berlin bereits in den 1990er Jahren damit begann, Gebäude und Bauplätze zu privatisieren und damit Investoren mehr Raum zu geben, dominieren am Wiener Wohnungsmarkt weiterhin die Vorgaben.

Obwohl die Rahmenbedingungen unterschiedlicher nicht sein könnten, haben die beiden Städte dasselbe Problem: Sie können nicht genug bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Städten hat Handelsblatt-Online gemeinsam mit einem Bestandshalter von Immobilien zusammengestellt, der in beiden Städten investiert ist.

Der wilde Berliner Immobilienmarkt

Bei internationalen Investoren ist Berlin sehr beliebt, viele versuchen hier mit Objekten auf Renditejagd zu gehen. Das hängt auch mit der wachsenden Nachfrage zusammen. Berlin steht auch bei der Bevölkerung hoch im Kurs, es gilt das in einem Song aufgestellte Statement: „Was machst du? Egal- Hauptsache hier in Berlin.“ Jährlich folgen ungefähr 40.000 zugezogene Wahl-Berliner diesem Credo. Die steigenden Mietpreise ergeben sich auch aus dem mangelnden Angebot an Wohnraum.

Die Miete für eine mittlere Lage, beispielsweise Pankow oder Prenzlauer Berg, lag im vergangenen Jahr zwischen 6,50 und 10,50 Euro. Das zeigt eine Marktstudie des Immobilienmaklers Engel & Völkers zum Markt in Berlin. Die Immobilienexperten gehen davon aus, dass die Preise für diese Lagen 2015 weiter steigen. Für sehr gute Lagen, wie in Mitte, zahlten die Mieter 2014 bis zu 23 Euro pro Quadratmeter. Diese Entwicklung sollte 2015 stagnieren, sagt Engel & Völkers. 10,50 Euro und 23 Euro sind stolze Preise für die deutsche Metropole, die traditionell als Mieterstadt bekannt ist.

Viele Mieter können sich das nicht mehr leisten und müssen ausziehen. Auch echte Berliner, oder die, die schon lange in der Hauptstadt leben, bleiben nicht verschont. Schon fürchtet die Stadt um ihre Identität. In Vierteln wie Friedrichshain-Kreuzberg oder Pankow ist die Gentrifizierung bereits Fakt.

Kommentare zu " Wohnen in Berlin und Wien: Zwei Hauptstädte, ein Problem"

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  • Eine Kombi aus Mietpreisdeckelung in der Innenstadt und Neubau in den Randbezirken muss her.
    Denn in der Innenstadt ist in Berlin eine hohe Besiedlungsdichte erreicht und hier könnte aus reinem Mangel nur die Preise steigen ,und wenn die Innenstadt tabu ist,dann bauen Investoren aufgrund der Nachfrage auch in den Aussenbezirken.

  • Deutschland hat große Platzprobleme. Die Einwohnerdichte ist gigantisch, darum müssen fortschrittliche Technologien wie Vertical Farmin gefördert werden, um den notwendigen Platz für die Agrarwirschaft zu reduzieren! Der dardurch frei werdende Baugrund reduziert dann auch die Mietpreise.

  • In einem modernen Stadtbild muss es möglich sein auch in die Höhe zu bauen. In der Breite ist kein sinnvoller Wohnraum mehr zu schaffen. Die Argumentation für Sozialwohnung kann ich gut verstehen. Es gibt nun mal auch schlechte bezahlte Jobs in den Innenstädten, trotzdem sollten diejenigen nicht jeden Tag 2h im öffentlich Nahverkehr festhängen nur weil die Wohnung so weit außerhalb liegt.

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