Wohnimmobilienmarkt
Colonia Real Estate bringt sich in Stellung

Die Anbieter auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt formieren sich neu. Bei der anstehenden Konsolidierung will der Wohnungshändler Colonia Real Estate (CRE) offensichtlich ein Wort mitreden. Er stieg kürzlich mit 3,6 Prozent bei der sich gerade neu formierenden, gleichfalls börsennotierten Deutsche Wohnen (Deuwo) ein.

DÜSSELDORF. „Interesse an einer Zusammenarbeit besteht auf beiden Seiten“, sagt Stefan Rind, Vorstandschef der CRE. Wie die Zusammenarbeit aussehen wird, lässt Rind offen: „Die Skala reicht von der Unterstützung bei der Hebung stiller Reserven, über das Zusammenlegen der Wohnungsbestände bis zur Übernahme. Es kann aber auch sein, dass die Deuwo zum Schluss bleibt, wie sie heute ist.“

Letzteres scheint Deuwo-Vorstand Michael Zahn eindeutig besser zu gefallen: „Wir gehen davon aus, dass wir kein Übernahmekandidat sind, sondern ein Übernehmer.“ Über die ersten Kontakte nach dem Einstig sagt er: „Es waren freundliche, aber unverbindliche Gespräche.“

Die Deuwo selbst hat erst im Juli 85 Prozent der Anteile an der Berliner Wohnungsgesellschaft Gehag vom amerikanischen Finanzinvestor Oaktree übernommen. Deuwo und Gehag bringen es zusammen auf knapp 50 000 Wohnungen. CRE würde bei einer Fusion weitere 20 000 beisteuern. Gemeinsam würden die drei näher an die Gagfah, den größten börsennotierten Halter deutscher Wohnimmobilien, heranrücken. Die Gagfah nennt rund 170 000 Wohnungen ihr Eigentum. In Marktkapitalisierung ausgedrückt: Den knapp 3,1 Mrd. Euro einer Gagfah stünden als Summe der aktuellen Marktwerte von CRE und Deuwo gut 1,3 Mrd. Euro gegenüber. CRE und Deuwo eint, dass sie großes Interesse an Wohnungen in Berlin haben. Geht es nach Rind, würde im Falle eines Zusammenschlusses CRE für Nachschub im Portfolio sorgen und die Deuwo ihre Erfahrungen als Bestandshalter einbringen.

Seit Monaten sagen Marktbeobachter eine Konsolidierung unter den deutschen Immobiliengesellschaften voraus. „Die hat es im Ausland bereits gegeben“, stellt Helmut Kurz, Manager des Immobilienaktienfonds des Bankhauses Ellwanger & Geiger, fest. Auf dem Wohnimmobiliensektor tritt die Konsolidierungsphase am deutlichsten zutage – auch weil sich Finanzinvestoren von ihren Wohnungsunternehmen trennen. Der Verkauf der Gehag durch Oaktree steht nicht allein. Nur wenige Wochen ist es her, dass die in Italien an der Börse gelistete Pirelli Real Estate zusammen mit RREEF, der Immobiliensparte der Deutschen Bank, die deutsche Wohnungsfirma Baubecon übernahm. Verkäufer war das Private-Equity-Haus Cerberus. „Ich gehe davon aus, dass die Konsolidierungsphase auf nationaler wie auf europäischer Ebene zwei bis drei Jahre anhalten wird“, sagt CRE-Chef Rind und verkündet selbstbewusst: „Die CRE wird eher agieren als reagieren.“

Ob er bei der Deuwo agieren kann, bestimmen andere: Allen voran Oaktree, mit 24,2 Prozent größter Aktionär der Deuwo. In dieser Woche wurde der deutsche Oaktree-Geschäftsführer Hermann T. Dambach zum Aufsichtsratschef der Deuwo gewählt. Rind und Dambach kennen sich von gemeinsamen Geschäften.

Etwas fester bei der Deuwo anklopfen könnte Rind, wenn es ihm gelänge, jenen 15-Prozent-Anteil der HSH Nordbank an der Gehag zu erwerben.

Michael Zahn, in Personalunion Deuwo-Vorstand und Gehag-Chef, sagte kürzlich, er gehe davon aus, dass sich die HSH von ihrem Gehag-Paket trennen werde. Ob die HSH zu jenen gehört, die ihm nach dem Deuwo-Einstieg Anteile angedient haben, lässt Rind offen. Die HSH schweigt indes und spricht von Marktgerüchten.

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