Wohnimmobilienpreise erleben ungeahnten Höhenflug
Chinas Wohnungsmärkte sind überhitzt

Ein rasanteres Marktumfeld hätte sich die Messe München für ihre erste Expo Real China nicht aussuchen können. Die dreitägige Messe, bei der im Vergleich zu dem Münchener Vorbild die begleitende Konferenz im Zentrum steht, hat auf Anhieb viel Zuspruch gefunden. Etwa 50 Aussteller sind gekommen. Ein „ganz gutes Ergebnis“, wie der stellvertretende Chef der Messe München, Eugen Egetenmeir findet.

HB, SCHANGHAI. Der Immobilienmarkt in Chinas führender Industriemetropole, wo die Messe auf dem New International Expo Centre der Messegesellschaften München, Düsseldorf und Hannover stattfindet, registrierte im ersten Quartal bei einem Preisanstieg von über 20  % ein Verkaufsplus von 42  % . Vor Monatsfrist hat Schanghai die Peking als teuerster Immobilienstandort im Reich der Mitte abgelöst. Volkswirtschaftlich bedeutsam ist diese enorme Preis- und Mengenbeschleunigung, weil der Immobiliensektor in China knapp 40 % zu den Anlage-Investitionen beiträgt, die wiederum die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern. Die gesamte Konjunktur hängt damit zunehmend vom Wohl des Immobilienmarktes ab.

Dass die Wohnungspreise in Chinas reichster Stadt allein in den ersten drei Monaten so rasant weiter anstiegen wie im gesamten Vorjahr ruft immer mehr Volkswirte auf den Plan, die vor einer Überhitzung und dem Platzen der Immobilienblase warnen. Doch der Markt ist zweigeteilt. Während Angebot und Preise für Wohnungsimmobilien aus dem Ruder zu laufen drohen, gleicht der Markt für gewerbliche Immobilien – das Segment, mit dem sich die Expo Real China beschäftigt – einem Spiegelbild der starken Zuströme ausländischer Direktinvestitionen nach China. In Ballungsräumen wie Schanghai und Peking kaufen oder mieten Beratungsfirmen, Werbeagenturen, Versicherungen, Telekom- und Autokonzerne weite Teile neuer Topgebäude, noch bevor diese auf den Markt kommen.

Der Wohnungsmarkt hat allerdings „einen Höhenflug erlebt, der Preise ohne historisches Vorbild erreicht hat“, wie gestern der Vizepräsident der China Real Estate Association, Gu Yun Chang, zum Auftakt der Expo Real China warnte. Selbst Vizebürgermeister Yang Qiong, in der Stadtregierung Schanghai für Verkehr und Immobilien zuständig, findet, dass sich „die Preise zu schnell erhöht“ haben. In Schanghai, so hat der führende Chinaexperte bei Morgan Stanley in Hongkong, Andy Xie, ausgerechnet, kann man inzwischen für ein durchschnittliches Jahresgehalt nur noch 1,3 qm Wohnfläche kaufen. „So hoch waren die Preise in Hongkong vor dem Ausbruch der asiatischen Finankrise“, sagt Xie. Vergleiche wie diesen bezeichnet Bürgermeister Yang jedoch als irreführend. „Wir haben keine Blase in Schanghai“, insistiert er, und verweist auf die Leerstandsraten. Ende des vergangenen Jahrzehntes, als in Schanghai die meisten Kräne der Welt standen, gab es dort 12 Mill. qm Leerstände, eine ganze Jahresproduktion an Häusern und Wohnungen. Der Leerstand hat sich laut Yang allerdings bis Ende März dieses Jahres auf zwei Mill. qm zurück gebildet, bei einer Jahres-Bauleistung von 20 Mill. qm neuem Wohnraum in 2003.

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