Wohnkonzepte
Mit Designer-Häusern auf Kundenfang

Vor acht Jahren kreierte der Londoner Projektentwickler John Hitchcox unter dem Namen „Yoo“ ein Wohnkonzept der besonderen Art. Zusammen mit der Design-Ikone Philippe Starck werden nicht nur Steine, sondern Lebensstile verkauft. Doch Namen allein garantieren noch keinen Verkaufserfolg – die Geheimnisse der Designkonzepte.

DÜSSELDORF. Philippe Starck ist ein Star. (Fast) jeder kennt seine Zitronenpresse „Juicy Salif“, die er für die italienische Design-Marke Alessi entwarf. Auch seine mehrfach preisgekrönte Badkollektion mit freistehender Wanne, kreisrundem Waschtisch und minimalistischer Armatur ist längst ein Klassiker und ziert die Badezimmer unzähliger deutscher Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Vor acht Jahren entdeckte auch der Londoner Projektentwickler John Hitchcox das Potenzial der Marke Starck: Der Mitgründer der Manhattan Loft Corporation – auch bekannt als „Miuccia Prada der Immobilienbranche“ – und die Design-Ikone entwickelten unter dem Namen „Yoo“ ein Wohnkonzept der besonderen Art. Verkauft werden Lebensstile und nicht bloß Steine. Die Idee trägt. Sechs Mrd. Dollar setzte das Unternehmen um, zehn Projekte rund um den Globus sind im Bau. Von New York über London, Kopenhagen, Hongkong bis nach Melbourne entstehen Luxusdomizile „made by Starck“. Auch hierzulande. Die ersten 60 vom deutschen Yoo-Vertriebspartner, der Kölner Vivacon AG, entwickelten Wohnungen in Hamburgs neuer Toplage, der Hafencity, sind verkauft. Nachschub steht bereit: In München wird bereits gebaut – zu Preisen bis zu 7 000 Euro pro Quadratmeter (qm). In Berlin soll es bald losgehen und auch Düsseldorf steht kurz vor dem Start.

Design sells? „Das Yoo-Konzept ist nicht in erster Linie deshalb erfolgreich, weil mit Philippe Starck ein prominenter Designer dahinter steckt“, sagt Peter Hettenbach, Geschäftsführer des Instituts für innovatives Bauen. „Entscheidend ist, dass man das Lebensgefühl der Zielgruppe genau getroffen hat – und nur in Bestlagen großer Metropolen baut.“ Anbieter von Einfamilienhäusern tun sich daher mit Designer-Linien deutlich schwerer. So ließ die norddeutsche Firma Viebrockhaus von der deutschen Schmuckdesignerin Jette Joop gleich drei Hausvarianten entwerfen: „modern“, „mediterran“ und „klassisch“. Verkauft wurden in vier Jahren jedoch gerade einmal gut zehn Häuser, zu Preisen von 350 000 Euro bis 390 000 Euro für 276 qm Wohnfläche – ohne Grundstück. „Der Designer-Name allein bewegt keinen Kunden, einen höheren Preis zu akzeptieren“, sagt Frank Kirsch, der Architekten und Projektentwickler in Marketingfragen berät. „Einen Imagegewinn fürs Unternehmen hat die Marke Joop aber gewiss gebracht.“

Mehr hatte Fertighaus-Hersteller Hanse-Haus mit seinem „Colani Rotorhaus“ ohnehin nicht im Sinn. Man habe die Innovationskraft und Designorientierung des Unternehmens unter Beweis stellen wollen, sagt Sprecher Jan Beermann. Kaufen kann man das 36 Quadratmeter große Haus nämlich nicht: Die rotorbetriebene Drehbühne, mit der sich je nach Wahl Küche, Badezimmer oder Bett in den Raum schwenken lässt, ist nicht nur gewöhnungs-, sondern auch genehmigungsbedürftig. Und die Genehmigung fällt schwer – trotz des bekannten Namens.

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