Wohnpreise in Portugal: Mieten wie vor 50 Jahren

Wohnpreise in Portugal
Mieten wie vor 50 Jahren

Veraltete Gesetze machen es Hauseigentümern in der Hauptstadt des Defizit-Staates Portugal unmöglich, die Mieten zu erhöhen. Selbst für die notwendigsten Renovierungen mangelt es ihnen an Geld. Die Regierung plant Reformen.
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Madrid, LissabonPortugal, dem Land mit dem vierthöchsten Haushaltsdefizit in der Euro-Zone, droht der Verfall seiner Häuser. Schuld daran sind nicht zuletzt veraltete Gesetze und Mietpreisbindungen, die ein Jahrhundert alt sind. Sie machen es möglich, dass für Wohnungen mit vier Schlafzimmern gerade einmal fünf Euro Miete pro Monat gezahlt werden oder dass Mietverträge bis in alle Ewigkeit weiterlaufen, selbst über den Tod des Mieters hinaus.

Ein Beispiel ist Isabel Palma, die seit sechs Jahren versucht, ein siebenstöckiges Gebäude im Geschäftsviertel von Lissabon zu verkaufen. Ein fast unmögliches Unterfangen, denn die Mieteinnahmen des Hauses decken nicht einmal die Instandhaltungskosten, und auch die Miete zu erhöhen, ist keine Option. Die sechs verbliebenen Mieter – unter ihnen Anwaltskanzleien und eine Jugendherberge – freuen sich über jahrelang eingefrorene Mieten oder zahlen einfach gar nichts mehr, erklärt die Vermieterin. Eine Zwangsräumung müssen sie nicht fürchten. Für das Haus mit 1610 Quadratmetern Grundfläche erhält Palma insgesamt 1100 Euro an Miete. „Ich habe sechs Jahre prozessiert und Tausende Euro für Anwälte ausgegeben, um die Mietverträge zu kündigen, da die Mieter nichts oder wenig bezahlen“, sagt die 78-Jährige. „Solche Probleme will doch niemand kaufen.“

Mit neuen Gesetzen, die im März vorgestellt werden sollen, will die Regierung nun gegensteuern. Neuerungen sind dringend notwendig: Zwar wurde 1981 die Mietpreisbindung abgeschafft und es 1990 Vermietern ermöglicht, zeitlich begrenzte Mietverträge abzuschließen. Doch das gilt nur für neue Verträge. Für mehr als die Hälfte der portugiesischen Immobilien gelten noch die alten Gesetze. Die meisten Hausbesitzer müssen sich also mit unendlichen Laufzeiten und Mieten abfinden, die entweder gar nicht steigen dürfen oder nur der Inflation angepasst werden können, erklärt Miguel Marques dos Santos, ein auf Mietrecht spezialisierter Anwalt bei der Kanzlei Garrigues in Lissabon. Noch nicht einmal mit dem Tod des Mieters endet einer dieser alten Mietverträge, da sie an Kinder, Ehepartner oder die Eltern vererbt werden können.

Ein neues Gesetz aus dem Jahr 2006 ermöglichte es Hausbesitzern, Mieten zu erhöhen – allerdings nur, wenn die Gebäude in gutem Zustand sind und die örtlichen Behörden zustimmen. In den darauf folgenden vier Jahren gab es nur bei 2600 der insgesamt 430000 Objekte mit Mietpreisbindung eine Erhöhung, sagt Manuel Reis Campos, Präsident des portugiesischen Bau- und Immobilienverbands CPCI.

Es fehlen die Anreize, zu investieren

Angesichts des niedrigen Mietniveaus fehlt Eigentümern das Geld für Sanierungen. „Einige der Mietverträge reichen in die 60er-Jahre zurück“, sagt Luis Menezes Leitao, der Präsident des portugiesischen Vermieterverbands. Dabei gäbe es viel zu tun: In portugiesische Wohnungen müssen etwa 74 Milliarden Euro für Renovierungsarbeiten gesteckt werden, schätzt der Baubranchenverband Aecops. Das entspricht etwa 36 Prozent aller Wohngebäude in Portugal.

Fehlende Anreize für Investitionen in Renovierungen haben deshalb dazu geführt, dass Mietwohnungen im Land chronisch knapp sind – sie machen weniger als 20 Prozent des Wohnungsmarkts aus, erklärt Menezes Leitao. Dadurch waren die Menschen gezwungen, Wohnungen zu kaufen – was wiederum die Immobilienpreise und das Schuldenniveau des Landes hochgetrieben hat. Die Verschuldung der Haushalte betrug 2007 etwa 143 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Im Jahr 1990 waren es erst 29 Prozent, wie aus Daten der Zentralbank hervorgeht. Die Hauspreise haben sich nach Angaben des Immobilienberaters Confidencial Imobiliario seit 1990 mehr als verdoppelt. Bloomberg


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  • In Hamburg wird es aufgrund des Gesetzes gegen Wohnraum Zweckentfremdung zu vergleichbaren kommen.

    Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, in Hamburg Wohnraum zu erwerben oder zu bauen, so muessen Sie wissen, dass neben den voellig ueberzogenen Mieterschutzgesetzen auch ein Hamburger Gesetz - Ursprungsjahr 1938 - Sie de facto enteignen wird.


    -Hamburger Beamte haben bei "begruendeten Verdacht" gegen Sie das Recht, unangemeldet und jederzeit Ihre Immobilie zu betreten und zu durchsuchen, notfalls mit Polizei.

    -Fuer Vermieter ist das Grundgesetz - Unverletzlichkeit der Wohnung - eingeschraenkt, damit Ihre Immobilie unangemeldet durchsucht werden kann ( § 16 Hamburgisches Wohnraumschutzgesetz von 1938/1982 )


    -Hamburger Beamte duerfen von Ihren Mietern Herausgabe von Mietvertraegen, Auskuenfte etc verlangen

    -Sie duerfen in Hamburg Wohnraum nicht laenger als 6 Monate leer stehen lassen

    -Sie duerfen in Hamburg Ihren Wohnraum nicht als Buero, Praxis oder Ferienwohnung vermieten oder selber so nutzen !

    -Sie muessen eine Mindestmietdauer von 6 - 12 Monaten einhalten, fall Sie moebliert vermieten wollen,obwohl der Mieter nur 3 Monate Kuendigungsfrist einzuhalten hat.

    -Vermieterfeindliche Mietervereine, Behoerden, Parteien und lokale Presse werden Sie wie einen Kriminellen jagen und rufen oeffentlich dazu auf, Vermieter umgehend auch anonym bei den zustaendigen Behoerden zu denunzieren, wenn irgend jemand glaubt, Ihre Wohnung staende leer oder wuerde als Buero o.a. genutzt.

    -Wenn Sie eine Bestandsimmobilie erwerben duerfen Sie erst fruehestens nach 10 Jahren eine ordentliche Kuendigung des Mieters aussprechen

    Allen Investoren, Kaufinteressenten, Vermietern ist daher dringend zu raten, nicht in Hamburg Wohnraum zu bauen bzw zu erwerben.

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