Wohnungen
Städte im Süden weniger verkaufswillig

Mitte November vergangenen Jahres hatten Freiburgs Bürger entschieden: Mit einer Mehrheit von 70,5 Prozent votierten sie gegen den geplanten Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft und deren 7 000 Wohnungen.

HB DÜSSELDORF. Fast 40 Prozent der Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben, viel mehr als die meisten erwartet hatten - und genug, um das Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten zu erreichen, das dem Rat der Stadt den geplanten Verkauf ihrer Wohnungen für vorerst drei Jahre verbietet. Vor allem aber zeigte die große Bereitschaft der Freiburger zum Urnengang, wie sehr das Thema die Gemüter bewegt - nicht nur in der Stadt im Breisgau. Fernsehzuschauer und Zeitungsleser in ganz Deutschland erinnern sich an die Bilder von Transparenten mit durchgestrichener Heuschrecke, mit denen die Gegner des Verkaufs auf ihr Anliegen aufmerksam machten.

Den unvoreingenommenen Beobachter wird das Ergebnis der Freiburger Entscheidung dennoch überraschen. Denn nur wenige Monate zuvor war in Dresden ein weitaus größerer Verkauf geglückt: Der Beteiligungsfonds Fortress kaufte die kommunale Wohnungsgesellschaft Woba mit 48 000 Wohnungen und zahlte dafür rund 1,75 Mrd. Euro. Die Stadt war damit auf einen Schlag schuldenfrei.

Doch was in einer sächsischen Großstadt möglich ist, das muss noch lange nicht in Baden-Württemberg funktionieren. "Im Vergleich zu anderen Regionen halten sich Paketverkäufe - wie etwa in Dresden - im süddeutschen Raum in Grenzen", sagt Günter Laub vom Immobilienverband Deutschland (IVD) in Karlsruhe. Und auch Sascha Geisinger, Investmentexperte in der Stuttgarter Niederlassung des Immobilienberatungsunternehmens Dr. Lübke, weiß: "Baden-württembergische Kommunen stehen tendenziell wirtschaftlich besser da als viele ost- und westdeutsche Gemeinden." Entsprechend geringer sei der Druck, sich von Wohnungsbeständen trennen zu müssen, um finanziellen Handlungsspielraum zu gewinnen. Schon deshalb weht süddeutschen Bürgermeistern und Kämmerern der politische Wind zumeist heftig ins Gesicht, wenn sie den Gedanken des Wohnungsverkaufs öffentlich äußern.

Dabei sei das Interesse daran durchaus vorhanden, auch in Baden-Württemberg, beobachtet Berater Geisinger. "Die Frage ist vor allem, an wen man verkauft: an den kurzfristig interessierten Finanz- oder den längerfristig interessierten Immobilieninvestor." Beim Verkauf daher nur auf das Höchstgebot zu schielen, hält Geisinger nur für die zweitbeste Lösung. "Es muss doch darum gehen, einen verlässlichen Käufer zu finden, der die Wohnungen auch langfristig im Bestand hält und eine Sozialcharta einhält." Ein marktgerechter, nicht durch ein Bieterverfahren künstlich hochgetriebener Preis rechtfertige dann umfangreiche Sicherheitsklauseln - zum Beispiel das Verbot des Weiterverkaufs auf zehn Jahre.


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