Wohnungsbauprämie
Bausparvertrag: Vater Staat hebt die Rendite

Niedrige Zinsen und Inflationsängste machen Bausparen für viele Verbraucher wieder attraktiv. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten habe der vermeintliche Langeweiler wieder an Charme gewonnen, sagt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen. Ihm zufolge habe auch die Änderung bei der Wohnungsbauförderung zum Boom beigetragen.

BONN. Mit Verträgen im Wert von knapp 100 Mrd. Euro verzeichneten die 25 deutschen Bausparkassen im vergangenen Jahr das zweitbeste Neugeschäft ihrer Geschichte. sagt Nothaft. Seit Beginn dieses Jahres nämlich bekommen neue Bausparer die staatlichen Zulagen nur noch, wenn sie das Geld auch zum Bauen oder Modernisieren verwenden - viele haben daher noch 2008 Verträge abgeschlossen. Lediglich für unter 25-jährige bleibt alles beim Alten: Sie können Bausparguthaben plus staatliche Zuschüsse nach Gutdünken verwenden.

Dennoch rechnen sich die Bausparkassen auch in diesem Jahr ein gutes Geschäft aus. Ein Grund für die Wiederentdeckung des Klassikers sind die derzeit mäßigen Renditen anderer Anlageformen. Damit relativiert sich die niedrige Grundverzinsung der Bausparverträge, die in den vergangenen Jahren viele Anleger abgeschreckt hatte. "Bausparen steht im Moment im Vergleich zum Ansparplan gar nicht schlecht da", beobachtet Max Herbst, Chef der Finanzberatung FMH. Bei einer Sparrate von 1 000 Euro im Jahr und einer Ansparzeit von sieben Jahren liegt die günstigste Bausparkasse mit einer Rendite von 3,43 Prozent zumindest dicht am besten Sparplan, der einen Ertrag von 3,89 Prozent bringt, errechnet Herbst. Wer in den Genuss der staatlichen Wohnungsbauprämie kommt, steht sich mit dem Bausparvertrag sogar besser. Vater Staat zahlt Alleinstehenden für die sieben Jahre bis zu 315 Euro dazu, Paaren das Doppelte. Allerdings bieten nur zwei Bausparkassen Renditen mit einer Drei vor dem Komma und liegen daher ohne die werbewirksame staatliche Förderung meist hinter der Bankenkonkurrenz.

Punkten kann der Bausparvertrag aber mit Planungssicherheit. Zum einen ist der Sparzins fix, zum anderen kann der Bausparer sich gegen hohe Darlehenszinsen absichern. Auch dieser Baustein könnte künftig wieder stärker ins Gewicht fallen. Denn Experten erwarten zum Jahresende wieder steigende Zinsen. Angesichts der Inflationsgefahr sei es denkbar, dass die Hypothekenzinsen künftig auch wieder acht oder neun Prozent erreichten, warnt Herbst. In diesem Fall könnte es sich lohnen, die derzeit niedrigen Zinsen über einen Bausparvertrag zu sichern.

Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg beobachtet den Boom dennoch mit Skepsis. Bausparen sei zwar besser, als spekulative Alpha-Zertifikate zu kaufen. Als Sparanlage seien Bausparverträge jedoch nicht geeignet. Die Rendite von festverzinslichen Anlageformen wie Sparverträgen oder Bundesschatzbriefen könnten Bausparverträge kaum toppen.

Auch Klaus Fleischer, Professor für Bank- und Finanzwirtschaft an der Hochschule München, sieht keinen Grund, jetzt verstärkt auf Bausparen zu setzen. Das Bauspardarlehen eigne sich nach wie vor nur als einer von mehreren Bausteinen der Immobilienfinanzierung. Fleischer verweist auf die hohe Tilgungsrate bei Bauspardarlehen. Das könne sich gerade in Zeiten steigender Inflation als Nachteil erweisen. Denn dies relativiert den Zinsvorteil der Bauspardarlehen.

Finanzexperte Herbst empfiehlt, keine zu große Bausparsumme abzuschließen, weil dann die entsprechend höhere Provision die Rendite schmälert. Geeignet sei Bausparen zum Beispiel, um Rücklagen für Modernisierungen zu bilden, für eine neue Heizung, neue Fenster oder die Fassadenrenovierung etwa.

In diesem Bereich rechnen sich auch die Bausparkassen für die Zukunft ein gutes Geschäft aus. Denn 75 Prozent des Baubestandes sei älter als 30 Jahre, sagt Verbandssprecher Nothaft. In vielen Gebäuden stehe überdies in den kommenden Jahren eine energetische Grundsanierung an, die in der Regel 20 000 bis 35 000 Euro koste. Für Kredite in dieser Höhe verlangten die Banken in der Regel so genannte Kleinsummenzuschläge. Und die gebe es beim Bauspardarlehen nicht.

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