Wohnungsgesellschaft
Gagfah ändert Kurs

Für die Gagfah sind die Zeiten des schnellen Wachstums vorüber. In diesem Jahr will die Gesellschaft ihre frühere Strategie aufgeben und nicht mehr Wohnungen kaufen als sie verkauft. Anleger und Analysten sind damit unzufrieden.

rrl ESSEN. Die Aktienkurse der deutschen Wohnungsgesellschaften sind seit Monaten von der Schwindsucht befallen. Analysten und Anleger kaufen den Wohnungs-Managern die Bewertung der Bestände in den Bilanzen nicht ab. Etwa abzulesen daran, dass die Gagfah den Wert ihrer Immobilien nach Abzug von Schulden (NAV) mit 14,15 je Aktie angibt, an der Börse aber am Donnerstag nach anfänglichen Kursgewinnen als Reaktion auf das Quartalsergebnis am Nachmittag nur um 9,80 Euro bezahlt wurde. Entsprechend unzufrieden mit dem Kurs ist Burkhard Drescher, Chef des mit rund 175 000 Einheiten größten börsennotiertes Wohnungsunternehmens in Deutschland. Den fairen Wert sieht er bei etwa 15 Euro.

Einen Grund, die Bewertung des eigenen Portfolios nennenswert nach unten zu korrigieren, erkennt Drescher nicht. So steht einem Bewertungsgewinn von 644 Mill. Euro im ersten Halbjahr 2007, ein Abschlag von drei Millionen Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber. "Wir sehen keine Delle in der Wertentwicklung unserer Bestände", sagte Drescher am Donnerstag. Das Ergebnis vor Steuern und Bewertungsgewinnen stieg im Halbjahresvergleich von 67,9 Millionen auf 87,3 Millionen Euro. Das Plus resultiert aus einem besseren Vermietungsergebnis.

Ende Juni hatte eine Studie von Merrill Lynch die Kurse deutscher Wohnungsgesellschaften zusätzlich nach unten geprügelt. Davon haben sie sich bis heute nicht erholt. Merrill hatte aus dem Preis, den der Goldman-Sachs-Fonds Whitehall für die Wohnungsgesellschaft LEG NRW gezahlt hat, geschlossen, dass die Wohnungen von Gagfah & Co. überbewertet sind.

Für Drescher wie für andere ein unzulässiger Vergleich. So seien nur 15 Prozent der Gagfah-Wohnungen, aber 57 Prozent der LEG-Einheiten öffentlich gefördert. Je mehr öffentlich geförderte Wohnungen, desto geringer sind die Möglichkeiten Mieten zu erhöhen. Außerdem sei die eigene durchschnittliche Miete je Quadratmeter mit 4,90 Euro deutlich höher als die der LEG (4,39) Euro.

Für die Gagfah sind die Zeiten des schnellen Wachstums vorüber. Es werde in diesem Jahr nicht mehr Wohnungen gekauft, als verkauft werden. Damit lässt sich eine früher verfolgte Strategie nicht mehr aufrechterhalten. Sie lautete: Bestände mit hohem Leerstand kaufen und über den Leerstandsabbau zusätzliche Mieterlöse generieren. Dies gelang in den vergangen Jahren. Die durchschnittliche Leerstandsquote im Konzern betrug im dritten Quartal 2006 noch 5,7 Prozent und liegt nun bei 4,6 Prozent. Da sei noch Luft drin, meinte Drescher angesichts von 1,9 Prozent Leerstand in der Kerngesellschaft Gagfah. Neben steigenden Mieten sollen weiter sinkende Verwaltungskosten das Ergebnis treiben.

Um die Verwaltungskosten zu senken, wird die Gagfah verschlankt. "Wir verlagern mehr Verantwortung in die Regionen", sagte Drescher. Damit einher geht die Trennung von 130 der 840 Mitarbeiter. Dabei macht Drescher vor dem Vorstand nicht halt. Die Gagfah wird künftig von drei statt sechs Vorständen geleitet. Es verbleiben neben Drescher Finanzchef Rolf Glessing und Vertriebsmann Worna Zohari. Bereits ausgeschieden ist Einkaufsspezialist Ulrich Weber. Der von der Woba Dresden gekommene Rainer Seifert wird als Regionalleiter nach Dresden zurückkehren und Jörg Deisel, für die Immobilienbewirtschaftung zuständig, das Unternehmen verlassen.

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