Wohnungsgesellschaften
Mehr versprochen als gehalten

"Wir wollen wachsen." Etwas anderes verkünden Manager von börsennotierten Gesellschaften eigentlich nie. Wachstum beflügelt die Phantasie der Anleger. Insofern sind Aktien von Wohnungsgesellschaften inzwischen ihrer Phantasie beraubt. Ihre Aktienkurse treten nach langer Talfahrt im vergangen Jahr seit Jahresanfang auf der Stelle.

HB DÜSSELDORF. Beispiel Gagfah: Vor einem Jahr hatte Gagfah -Chef Burkhard Drescher noch die Vorstellung, im Kalenderjahr 2007 für zwei Mrd. Euro Wohnungen zu kaufen. Seit dem Börsengang im Oktober 2006 investierte die Gagfah nur 1,6 Mrd. Euro. Beispiel Colonia Real Estate (CRE): Im Frühjahr 2007 setzte sich CRE-Chef Stefan Rind das Ziel, das Portfolio bis zum Jahresende um 50 Prozent auf 30 000 Wohnungen aufzustocken. Im Bericht zum zweiten Quartal wurde das Erreichen dieses Ziels auf Mitte 2008 verschoben. Und im November hatte CRE dann "weiterhin das Erreichen eines Bestandes von 30 000 Wohneinheiten Ende 2008" im Sinn. Am Montag wird Rind die Zahlen für das abgelaufene Jahr vorstellen. Dann werden die Aktionäre erfahren, ob er das Ziel aufgibt oder den Zeitpunkt des Erreichens erneut verschiebt.

Beispiel Deutsche Wohnen (Deuwo): Die Frankfurter integrieren nun erst mal die übernommene Gehag und räumen im Alt-Konzern auf.

Beispiel Patrizia: Die Münchener kaufen um zu verkaufen. Ende 2006 und Anfang 2007 stockten sie ihre Bestände kräftig auf. Je schneller sie Wohnungen verkaufen können, umso schneller wachsen sie. Nur mit der Privatisierung der Wohnungen hinken sie hinterher.

Die Wachstums-Story der Wohnimmobilien-Gesellschaften ist zu Ende, bestätigen Immobilienaktienexperten. Für das Dilemma der Branche liefert Deuwo das Muster. Ihr Kurs bewegte sich gestern auf 20 Euro zu. Den Nettoinventarwert NAV, das Immobilienvermögen minus Schulden, gibt die Deuwo je Aktie mit 37,16 Euro an. Die Aktie notiert also 40 Prozent unter dem Wert, den die Gesellschaft ihren Immobilien beimisst. Mit hohen Abschlägen auf den NAV haben alle Immobilienaktiengesellschaften zu kämpfen. In dieser Situation können sie sich kein Geld für Paketkäufe über Kapitalerhöhungen besorgen. Und die Banken vergeben Kredite sehr viel vorsichtiger als früher.

Auch Gewinnsprünge wie im Jahr 2007 wird es in diesem Jahr nicht geben. Diese beruhten überwiegend auf Aufwertungen der Bestände. Davon ist man heute weit entfernt: Eine deutsche Gesellschaft steht sogar kurz davor ein Paket 30 Prozent billiger zu kaufen als es ihr im vergangen Jahr angeboten wurde. Ein Hinweis auf bevorstehende Abwertungen? Die Analysten rechnen noch nicht damit. "Deutsche Wohnimmobilien werden in der Breite von Abschreibungen verschont bleiben", erwartet Commerzbank -Analyst Burkhard Sawatzki. Die Börse hat den Gesellschaften die Abwertung abgenommen. "Die hohen Kursabschläge auf die Nettoinventarwerte sind ein Indiz dafür, dass die Werte in den Bilanzen nicht für wahr genommen werden", interpretiert Torsten Klingner von SES Research.

"Momentan ist eine gute Gelegenheit, in Immobilien zu investieren", meint Experte Sawatzki angesichts der Abschläge auf den NAV. HSH-Nordbank-Analyst Stefan Goronczy rät Privatanlegern, dabei auf die Dividendenrendite zu schauen. Die beträgt bei der Gagfah gegenwärtig hohe 6,4 Prozent.

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