Wohnungsmarkt Baugenehmigungen vor erstem Rückgang seit 2008

In diesem Jahr wurden erstmals seit fast zehn Jahren deutlich weniger Wohnungen genehmigt als noch im Vorjahr. Der Mieterbund fordert ein Gegensteuern – weil eine Million Wohnungen fehlen würden.
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BerlinDeutschland steuert in diesem Jahr auf den ersten Rückgang der Baugenehmigungen für Wohnungen seit 2008 zu. In den ersten zehn Monaten wurden 286.300 Wohnungen genehmigt und damit 7,3 Prozent weniger als im selben Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Viele baureife Projekte liegen zudem auf Halde. Allein Ende 2016 gab es laut Statistikamt über 600.000 genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen. Der Deutsche Mieterbund und der GdW-Bundesverband der Wohnungswirtschaft forderten die künftige Bundesregierung auf, unter anderem mit Steueranreizen für mehr Wohnungsbau zu sorgen.

Einen Lichtblick machen die Statistiker jedoch aus: „Gegen den allgemeinen Trend nahmen die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zu.” Mit rund 140.700 Wohnungen wurde hier der höchste Wert für diesen Zeitraum seit zwei Jahrzehnten erreicht, was einem Zuwachs von 1,1 Prozent entspricht. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern gab es dagegen 5,1 beziehungsweise 1,5 Prozent weniger Bauzusagen. Das trifft auch auf Wohnungen zu, die durch Um- und Ausbaumaßnahmen entstehen sollen, etwa den Ausbau von Dachgeschossen: Hier gab es einen Einbruch um 21,2 Prozent. Bei Wohnheimen, wozu Flüchtlingsunterkünfte zählen, sanken die Genehmigungen um fast 44 Prozent.

Mieterbund: Jährlich 400.000 Wohnungen nötig

Über die Zahl der in diesem Jahr fertiggestellten Wohnungen können die Statistiker erst im späten Frühjahr 2018 Auskunft geben. Im vorigen Jahr waren knapp 288.000 neue Wohnungen entstanden. Der Deutsche Mieterbund (DMB) geht für das laufende Jahr von etwa 300.000 aus. Doch das reiche nicht, um den Bedarf zu decken. „400.000 neue Wohnungen müssen pro Jahr gebaut werden, davon 200.000 Mietwohnungen, davon wiederum 80.000 Sozialmietwohnungen”, forderte DMB-Präsident Franz-Georg Rips. In Deutschland fehlten eine Million Wohnungen. „Einen weiteren Stillstand in der Wohnungspolitik können wir uns nicht länger leisten. Seit gut einem Jahr bewegt sich in der Wohnungs- und Mietenpolitik nichts mehr.”

Wo die meisten von Eigentum nur träumen können
10. Platz: Düsseldorf
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Unter allen kreisfreien deutschen Städten belegt Düsseldorf den zehnten Platz, was die aktuellen Preise von neugebauten Eigentumswohnungen angeht. Wer in der Rheinmetropole eine Neubauwohnung sein Eigen nennen möchte, muss im Schnitt 4437 Euro pro Quadratmeter zahlen. Das verrät der Immobilienpreisindex 3/2017, in dem das Empirica Institut seit 2004 die Immobilienpreise untersucht und die Ergebnisse quartalsweise veröffentlicht. Demnach ist der Preis in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens innerhalb eines Jahres um 9,2 Prozent gestiegen.

9. Platz: Erlangen
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Die mittelfränkische Stadt Erlangen liegt mit 4455 Euro pro Quadratmeter auf dem neunten Platz. Der Preis für Neubau-Eigentumswohnungen ist damit im Gegensatz zum vergangenen Jahr um 9,2 Prozent höher. Nürnbergs kleiner Nachbar ist nur die erste von vielen bayerischen Städten in dem Ranking. Wie beliebt der Freistaat für Immobilieninvestment ist, zeigen gerade die hohen Preise bei den eher kleineren Großstädten.

8. Platz: Regensburg
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In der Rangliste fiel Regensburg um zwei Plätze runter auf die Acht. Mit einem Quadratmeterpreis von 4530 Euro legen die Preise gegenüber dem Vorjahr dennoch um 8,9 Prozent zu. Damit liegt die Domstadt ganz nah am Trend für alle kreisfreien Städte Deutschlands, bei denen die Preissteigerung durchschnittlich 8,8 Prozent betrug.

7. Platz: Hamburg
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Nur knapp davor folgt die Metropole Hamburg mit 4536 Euro für jeden Quadratmeter neugebauter Eigentumswohnung. Weil die Preise mit 8,4 Prozent in den letzten zwölf Monaten nicht so stark anzogen wie bei den anderen Top-Locations der Nation, fällt die Hansestadt von der Fünf auf die Sieben zurück.

6. Platz: Rosenheim
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Bayern, die dritte: Rosenheim weißt mit 4571 Euro je Quadratmeter die sechstteuersten Neubau-Preise für Eigentumswohnungen in der ganzen Bundesrepublik auf. Weil München immer teurer wird, ziehen die Preise für den gesamten Münchener Speckgürtel an. In Rosenheim, staufrei etwas mehr als eine Autostunde von der Landeshauptstadt entfernt, legten sie innerhalb eines Jahres um ganze elf Prozent zu. Allein in den letzten drei Monaten ging es fünf Prozent rauf.

5. Platz: Frankfurt
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Deutschlands Finanzplatz Nummer eins erlebt einen wahren Ansturm auf Immobilien. Im dritten Quartal 2016 tauchte die Mainmetropole gar nicht in den Top Ten auf. Mit 4779 Euro pro Quadratmeter springt sie nun aber direkt auf den fünften Platz. Wegen des Brexits erlebt London einen Exodus der Banken. Einen Großteil zieht es nach Frankfurt – und mit ihnen Hunderte von Bankern samt Familien. Das treibt die Preise. Seit der letzten Erhebung vor drei Monaten zogen die Preise um 6,1 Prozent an.

4. Platz: Ingolstadt
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Mit Ingolstadt findet eine weitere Stadt aus Oberbayern ihren Platz in den teuersten Städten Deutschlands, was neugebautes Wohneigentum angeht. Die wohlhabende Gemeinde, knapp 80 Kilometer entfernt von München, kommt auf 4817 Euro pro Quadratmeter. Immerhin beruhigt sich dort der Markt etwas: Mit 6,4 Prozent zogen die Preise innerhalb der letzten zwölf Monate langsamer an als im bundesdeutschen Schnitt (Gesamtdeutschland: 7,7 Prozent, kreisfreie Städte: 8,8 Prozent, Landkreise/Kreise: 7,0 Prozent). Innerhalb der letzten drei Monate kam das Wachstum mit 0,1 Prozent zum Stillstand.

Der Mieterbund plädiert unter anderem für höhere Steuervorteile für Wohnungsinvestoren, verbunden mit einer Mietpreisobergrenze. GdW-Präsident Axel Gedaschko erklärte: „Die sinkenden Baugenehmigungszahlen sind ein Alarmsignal. Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau kann nur gestoppt werden, wenn zügig wirksame steuerliche Anreize gesetzt werden.” Es müssten mehr bezahlbare Grundstücke her und die mehr als 20.000 Bauvorschriften und Anforderungen müssten auf den Prüfstand gestellt werden. Eine neue Bundesregierung werde sich auch daran messen lassen müssen, wie konsequent sie die richtigen Maßnahmen für den Wohnungsmarkt in Gang bringe.

Dass viele Baugenehmigungen noch nicht umgesetzt sind, liegt einer Studie der Förderbank KfW zufolge an Kapazitätsengpässen in der Bauwirtschaft. „Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich außerdem das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen”, so die KfW.

  • rtr
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