Wohnungsmarkt
Euro-Angst treibt die Immobilienpreise

Die Angst um die Gemeinschaftswährung verunsichert Anleger. Viele entdecken jetzt ihre Vorliebe für Häuser und Wohnungen. Das Angebot ist jedoch knapp, Käufer zahlen daher vor allem in Metropolen immer mehr.
  • 2

DüsseldorfWie ein Schnäppchen kam dem Familienvater das Angebot seiner Vermieterin eigentlich nicht vor. 1800 Euro verlangte eine Pensionskasse Anfang 2007 für den Quadratmeter ihrer Hochparterre-Wohnung aus den 1920er-Jahren im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim. Eine gute Lage, zugegeben, recht zentral und doch ruhig gelegen, die Wohnung kernsaniert, aber beileibe kein Luxus. "Für uns war das damals viel Geld", gibt der Mittvierziger offen zu, will aber seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen.

Heute, fünf Jahre später, wäre es fraglich, ob sich die Familie den Kauf überhaupt leisten könnte. "Die Nachbarwohnung zwei Etagen über uns wurde vor kurzem für fast das Doppelte verkauft", sagt der Marketingfachmann und schüttelt den Kopf. Um die 3400 Euro pro Quadratmeter zahlte der neue Eigentümer. "Und bei den Besichtungsterminen haben sich die Leute die Klinke in die Hand gegeben."

Zwischen dem deutschen Wohnungsmarkt von 2007 und dem von 2011 liegen Welten. Lehman-Pleite, Finanzkrise und nun die Euro-Krise: Immobilienbesitz ist wieder gefragt. Inflationsängste, die Furcht vor einem Scheitern der europäischen Gemeinschaftswährung und womöglich die Rückkehr zur D-Mark, dazu mangelnde Alternativen bei der Geldanlage treiben die Menschen in Sachwerte. Ob Eigenheim oder Wohnung auf der Etage, ob ganzes Mietshaus oder das Studentenapartment, plötzlich können Makler gar nicht genug Angebote ins Schaufenster hängen. Das lässt die Preise steigen - und zwar bundesweit.

Boom in den Großstädten

Der monatlich von der unabhängigen Finanzierungsplattform Hypoport auf Basis tatsächlicher Verkäufe ermittelte Hauspreisindex zeigt: Zwischen Oktober 2010 und Oktober 2011 stiegen die Preise für Häuser und Wohnungen bundesweit um mehr als vier Prozent. Allein binnen eines Monats legte der Index um 1,3 Prozent zu und erreichte damit einen neuen Höchststand. Insbesondere die Preise für neue und bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen binnen Jahresfrist kräftig um 3,3 Prozent an.

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) präzisiert den Befund: "Unsere Auswertungen zeigen, dass die Preise in den deutschen Metropolregionen deutlich stärker gestiegen sind als im Landesdurchschnitt", sagt Franz Eilers, Leiter Immobilienmarktforschung beim VDP und nennt das Beispiel Hamburg: "Hier lagen die Preise für Einfamilienhäuser im dritten Quartal 2011 um acht Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert."

Seite 1:

Euro-Angst treibt die Immobilienpreise

Seite 2:

Auf den Wohnungsmärkten herrscht viel Bewegung

Kommentare zu " Wohnungsmarkt: Euro-Angst treibt die Immobilienpreise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Euro-Angst treibt die Immobilienpreise
    Gut, dann wissen die Euro-Retter doch gleich wo sie die Zwangshypoteken aufschlagen muessen.
    Wer sein Erspartes nicht versteckt der kann es gleich den Euro-Rettern aushaendigen. Also Gold oder Silber zu Hause aufbewahren oder das Geld heimlich ins nicht europaeische Ausland schaffen was auch gar nicht so einfach ist.

  • Die Angst um die Gemeinschaftswährung verunsichert Anleger?

    Richtiger weise müsste es doch heißen: Die Angst vor der Gemeinschaftswährung und der Vergesellschaftung der Schulden treibt.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%