Wohnungsmarkt
Verbände fordern 2,5 Millionen Senioren-Wohnungen

Die Gesellschaft altert. Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt hatte das bisher kaum. Verbände fordern nun eine gezielte Förderung des Baus von Senioren-Wohnungen. Barrierefreie Wohnungen verringerten auch die Pflegekosten.
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BerlinAngesichts der wachsenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen in Deutschland haben mehrere Verbände 2,5 Millionen zusätzliche Senioren-Wohnungen gefordert. Dafür seien in den kommenden Jahren Investitionen von rund 39 Milliarden Euro notwendig, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie "Wohnen 65plus" hervorgeht.

Die Untersuchung wurde von einem Verbände-Bündnis initiiert, dem unter anderem der Deutsche Mieterbund (DMB), der Sozialverband VdK Deutschland, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) angehören.

Die vom Pestel-Institut in Hannover erstellte Studie spricht sich für eine gezielte Förderung des Baus von Senioren-Wohnungen aus. In den kommenden acht Jahren sollte das altersgerechte Bauen und Sanieren demnach jährlich mit 540 Millionen Euro gefördert werden.

Die Politik müsse dabei neben Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verstärkt auch auf direkte Bau-Zuschüsse und die steuerliche Abschreibung setzen. „Denn ein Kredit mit zwanzig Jahren Laufzeit stößt bei einem 70-Jährigen in der Regel nur auf wenig Interesse“, erklärte Studienleiter Matthias Günther. Zudem seien die Menschen zunehmend von Altersarmut betroffen. Deshalb bräuchten sie kleinere und bezahlbare Wohnungen.

Der Studie zufolge ließe sich mit seniorengerechten Wohnungen auch ein Teil der Pflegekosten vermeiden. Wer heute als älterer Mensch auf Pflege angewiesen sei und keine altersgerechte Wohnung habe, müsse oft allein deshalb ins Pflegeheim, weil eine ambulante Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist. "Wenn sich nichts ändert, wird das künftig die Regel sein", erklärte Günther. Für die Pflegekosten sei dies "fatal".

Die Mehrkosten der stationären gegenüber der ambulanten Pflege liegen demnach bei rund 7.200 Euro pro Jahr. Dagegen koste der Umbau zur barrierearmen Wohnung durchschnittlich 15.600 Euro. Schon mit den Extrakosten für die Heimpflege lasse sich eine seniorengerechte Wohnungssanierung in gut zwei Jahren finanzieren, heißt es in der Studie weiter.

Der Studie zufolge werden im Jahr 2035 in Deutschland nahezu 24 Millionen Menschen älter als 65 Jahre sein - 40 Prozent mehr als heute. Zudem werde die Zahl der Pflegebedürftigen bis dahin voraussichtlich auf 3,5 Millionen steigen. Zugleich würden die Pflegekosten explodieren: 2035 erwartet das Institut knapp 33 Milliarden Euro an Kosten bei der Pflegeversicherung, das wären 50 Prozent mehr als heute.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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