Wohnungspreise: Preisauftrieb hat sich beschleunigt

Wohnungspreise
Der Immobilien-Wahnsinn geht weiter

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Preisauftrieb hat sich beschleunigt

Helaba-Experte Mitropoulos sieht vor allem in Großstädten Übertreibungen - aber nicht bundesweit. Als typisches Element einer Blase fehle ferner eine stark wachsende Vergabe von Immobilienkrediten. Der Anstieg der Preise sei zum großen Teil durch die Entwicklung von Angebot und Nachfrage zu erklären. Und daran würde sich ebenso wie an den Niedrigzinsen so schnell nichts ändern. So werde der Markt allmählich zwar korrekturanfälliger, doch kurzfristige Entspannung sei eher nicht in Sicht. „Die angespannte Situation am deutschen Wohnungsmarkt wird noch einige Zeit andauern.“

Auch wenn die Preise für Eigentumswohnungen noch schneller steigen als die für Einfamilienhäuser, so hat sich der Preisauftrieb für Häuser in diesem Jahr beschleunigt. Am größten ist die Differenz der Preissteigerungsraten zum Vorjahr in Städten der Größenklasse 250.000 bis 500.000 Einwohner. Dort mussten 2016 gegenüber 2015 rund 6,4 Prozent mehr bezahlt werden. Ein Jahr zuvor betrug die Steigerungsrate rund vier Prozent. „Aufgrund der moderaten Preissteigerungen in den Vorjahren setzt nun auch hier ein Nachholeffekt ein.“

Jede Statistik, die mit Durchschnittswerten arbeitet, hat aber ihre Tücken. Statistiker beschreiben die gerne so. Ein Mensch, der den Kopf in den Backofen steckt und gleichzeitig die Füße in den Gefrierschrank steckt, hat zwar vielleicht eine gesunde Durchschnittstemperatur, aber über einen längeren Zeitpunkt keine Überlebenschance. Wie weit die Preissteigerungsraten selbst in Großstädten auseinanderklaffen, zeigen die vom IVD erhobenen Einzelwerte.

In Köln und Bremen wurden Einfamilienhäuser in diesem Jahr um rund zehn Prozent teurer, in Frankfurt dagegen nur um 2,2 Prozent und in Essen um knapp drei Prozent. Wie auch andere Erhebungen zeigt die des IVD, dass ausgerechnet die teuerste Stadt, München, mit einem Hauspreis bei mittlerem Wohnwert von 840 000 Euro auch bei den Steigerungsraten mit 8,4 Prozent am oberen Ende mitmischt.

München schießt auch bei den Baulandpreisen für Einfamilienhäuser den Vogel ab. In normalen Wohnlagen kosten die Grundstücke 1350 Euro je Quadratmeter und damit doppelt so viel wie in der nächstteureren Großstadt, Stuttgart. Obendrein sind die Grundstückspreise auch in keiner Großstadt so stark gestiegen wie in der bayerischen Hauptstadt, nämlich um fast 17 Prozent.

Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Miete. „Es ist jedes Quartal dieselbe Prozedur“, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer von Empirica. Seit Jahren stiegen die Mieten. Bei Neubauten etwa seien sie seit 2004 im Schnitt um fast 24 Prozent geklettert. „Ein Ende ist nicht absehbar.“

Den jüngsten Anstieg dämpfen kann offenbar auch nicht die vor gut einem Jahr eingeführte Mietpreisbremse. Sie schreibt vor, dass die Miete in Kommunen mit angespannten Wohnungsmärkten bei Neuvermietungen die „ortsübliche Vergleichsmiete“ um nicht mehr als zehn Prozent übersteigen soll. Doch Mieter in Boom-Städten nutzen nur ganz vereinzelt ihr Klagerecht, wie jüngst eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Amtsgerichten in Großstädten ergab. Von steigenden Mieten betroffen seien mittlerweile alle Segmente, sagt Braun. „Es fehlt an Wohnraum jeglicher Preisklasse.“ Dabei sei die Lösung einfach: Man müsse einfach mehr bauen.

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  • @ Frau Annette Bollmohr

    Natürlich werden Sie nur einen Teil Ihres Barvermögens in Gold und Silber anlegen (ca. 5-10%) und zwar um im Extremfalle (Hyperinflation, Verschwinden des EURO als Währung etc.) einen Gegenwert zur neu entstehenden Währung haben, den Sie dann darin konvertieren können.

    Das Ganze beruht sehr wahrscheinlich auf der traumatischen deutschen Erfahrung des Jahres 1923.

    Die Edelmetalle im Keller zu stapeln ist sicher den riskanteste Weg der Lagerung; ich empfehle einen Tresor 8-)

  •  Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  •  Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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