Wolkenkratzer
Der Turmbau zu Moskau

Russlands Hauptstadt will eine Wolkenkratzer-Skyline: Bis Ende des Jahrzehnts sollen 13 Entwicklungsgesellschaften für zehn bis zwölf Mrd. Dollar 18 Hochhäuser mit einer Nutzfläche von über drei Millionen Quadratmetern erstellen. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hat den Platz selbst bestimmt.

MOSKAU. Wenn Thomas McCool aus dem Fenster seines Büros schaut, blickt er auf eine riesige Baustelle: Um und über ihm wird 24 Stunden gewerkelt. Sein Schreibtisch steht im vierten Stock eines Hauses, das nach seiner Vollendung einmal 93 Etagen haben wird – der Federation Tower in Moskau, der einmal das höchste Haus Europas sein soll. „Hinter dem Bau von Wolkenkratzern steht heute vor allem ein Grund“, sinniert McCool: „Image.“

Der Vizepräsident von Turner International, einer auf den Bau-Management von Superhochhäusern spezialisierten Tochterfirma von Hochtief, hat in seinen 50 Berufsjahren an einer Reihe sehr hoher Häuser mitgebaut: Während früher der architektonische Sturm in den Himmel zweckgetrieben gewesen sei, vor allem wegen steigender Immobilienpreise in den Zentren der Städte, gehe es heute bei der Jagd nach Höhenrekorden vor allem um Ansehen und nationalen Stolz. „Warum sollte man sonst ein Haus bauen, dessen oberste Stockwerke immer über den Wolken sind“, fragt McCool. Die Männer von Turner wissen, wovon sie sprechen: Sie koordinieren auch den Bau des Burj Dubai, das mit rund 800 Metern den aktuellen Weltrekord hält.

Hier in Moskau gebe es eine Mischung der Motivationen, sagt McCool. Nationalstolz sei eine Facette. Er sieht die neue Super-Immobilie nahe dem Moskauer Zentrum aber auch unter einem wirtschaftlichen Aspekt: Große Teile des Federation Towers sind bereits zu astronomischen Quadratmeterpreisen von geschätzten 20 000 Dollar und mehr verkauft. Das Hyatt wird einziehen und die staatlich kontrollierte VTB-Bank. Leere Büros wie bei einer Reihe anderer Projekte dieser Größenordnung erwartet McCool nicht. Bis 2010, so die Schätzung von Analysten, werde der Bedarf an Büroflächen in Moskau weiter steigen. Dann soll auch der Federation Tower bezugsfertig sein.

Der Wolkenkratzer ist nur ein Teil der „Moscow City“, die um ihn herum entstehen soll: Bis Ende des Jahrzehnts sollen 13 Entwicklungsgesellschaften für zehn bis zwölf Mrd. Dollar 18 Hochhäuser mit einer Nutzfläche von über drei Millionen Quadratmetern erstellen. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hat den Platz selbst bestimmt. „Die Stadtverwaltung macht enorm Tempo“, sagt McCool. Hier soll das Moskau des 21. Jahrhunderts entstehen. Im Mittelpunkt das Projekt des Stararchitekten Norman Foster: Der Russia Tower mit 118 Stockwerken.

Moscow City ist eine Neuheit für Russland – Wolkenkratzer gibt es nicht. Deshalb mangelt es auch an Erfahrung, wie man ihren Bau organisiert und welche Infrastruktur die Hochhäuser benötigen. Gesetzliche Vorschriften gibt es nur für Gebäude mit einer Höhe bis 60 Meter. Wenn in den Türmen von Moscow City einmal täglich eine halbe Millionen Menschen leben, arbeiten und einkaufen sollen, wird dies die heute schon aus allen Nähten platzende Verkehrsinfrastruktur Moskaus auf eine neue Probe stellen. Ein großes Parkhaus ist im Federation Tower nicht vorgesehen – auf alles, was die Rendite schmälert, verzichtet der Bauherr. Der B-Tower ist im Rohbau schon fertig, bald werden die Aufzüge eingebaut. Thyssen-Krupp setzt zum ersten Mal in einem Hochhaus dieser Größe eine neue Technologie ein: Computergesteuert operieren zwei Aufzüge im gleiche Schacht – auch das spart Raum und mehrt die Rendite.

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