Zahl der Baugenehmigungen und Baubeginne sinkt
Erste Anzeichen für Abkühlung des US-Immobilienmarkts

Überall lauern Gefahren für die Weltwirtschaft: Der Terrorismus, die Angst vor höheren Ölpreisen, die Furcht vor einem abrupten Ende des chinesischen Konjunkturbooms und nun auch noch die Angst vor einem Einbruch der Immobilienpreise.

pbs DÜSSELDORF. So sehen es zumindest Mike Buchanan und Themistoklis Fiotakis, Ökonomen bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, die sich in einer aktuellen Studie mit den internationalen Immobilienmärkten befasst haben. Sie kommen zu dem Schluss, dass Eigenheime in vielen Ländern überbewertet sind und nennen die USA, Großbritannien, Spanien, die Niederlande, Irland, Frankreich und Italien.

Sollten die Preise auf ihren fairen Wert zurücksinken, drohe ein Rückgang des privaten Verbrauchs, lautet ihr Fazit. Denn die Entwicklung der Immobilienpreise und des Konsums verlaufe nahezu parallel, haben die Ökonomen herausgefunden und auch gleich den exakten Effekt ausgerechnet: In den USA drohe der Konsum um ein Prozent zu sinken, in Großbritannien sei mit einem Abschlag von 0,6 Prozent zu rechnen. Schlimmeres stünde bevor, sollte es zu einer Überkorrektur der Immobilienpreise kommen – und dieses Risiko bestehe durchaus, heißt es in der Studie.

In den vergangenen Jahren haben insbesondere die US-Verbraucher stark von steigenden Immobilienpreisen bei gleichzeitig sinkenden Zinsen profitiert. Sie konnten ihre Häuser mit Hypothekenkrediten beleihen und diese immer wieder zu günstigeren Konditionen umschulden. Die frei werdenden Mittel flossen in den Konsum und sorgten so für einen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsboom. In den USA trägt der private Konsum zu rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung bei. Auch die US-Notenbank erwartet ein Ende des Immobilienbooms: In einer vergangene Woche veröffentlichten Studie schätzt die Federal Reserve den Anstieg der Immobilienpreise in den kommenden drei Jahren auf gerade einmal kumuliert 2,6 Prozent.

Zum Vergleich: Seit 1995 sind die Preise für Häuser in den USA um ein Drittel gestiegen, in Großbritannien haben sie sich sogar verdoppelt. In der Euro-Zone gab es die größte Steigerung in Spanien, dort verteuerte sich Wohneigentum um 73 Prozent, in Frankreich um 37 Prozent und in Italien um 14 Prozent. In Deutschland sind die Preise dagegen real um zwölf Prozent gesunken. Das liefert aus Sicht der Goldman-Sachs-Ökonomen auch eine Erklärung für die hiesige Kaufunlust.

Gestern kam nun ein erstes Signal dafür, dass der stetige Anstieg der Immobilienpreise in den USA tatsächlich schon bald der Vergangenheit angehören könnte: Die Zahl der Wohnungsbaubeginne ist im Juni um 8,5 Prozent gegenüber Mai gesunken. Zusätzlich fiel die Zahl der Baugenehmigungen um 8,2 Prozent, berichtete das US-Handelsministerium am Dienstag weiter.

David Milleker, Ökonom bei der Allianz Group, sieht in diesen Zahlen den Beginn der Abkühlung am US-Immobilienmarkt. „Der Juni war der erste durchgehend schlechte Monat für die US-Konjunktur seit über einem Jahr“, sagt Milleker. Zahlreiche Sondereffekte wie Steuerrückzahlungen seien ausgelaufen. Weil die US-Notenbank die Leitzinsen weiter erhöhen dürfte, geht Patrick Franke, Ökonom bei der Commerzbank, von einer künftig nur noch gedämpften Nachfrage nach Wohnimmobilien aus. Mit einem Crash am Immobilienmarkt rechnet er aber nicht.

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