Zahl der Genehmigungen sinkt
Boom beim Wohnungsbau fällt aus

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Baugenehmigungen sind nicht gleich Baufertigstellungen

„Gerade in Ballungsgebieten wird aufgrund der steigenden Bodenpreise immer mehr mit Baugenehmigungen spekuliert“, kritisiert Forscher Michael Voigtländer. Auch Reiner Braun, Vorstand des Immobilienmarktforschers Empirica, beklagt das Missverhältnis von Baugenehmigungen und Baufertigstellungen, sieht dies aber eher als Problem des Mehrfamilienhausbaus. „Unter den steigenden Genehmigungszahlen bei Mehrfamilienhäusern könnten auch viele spekulative Genehmigungen sein.“ Gerade von Berlin sei bekannt, dass unbebaute Grundstücke mit Baugenehmigung teurer weiter verkauft werden, was den Baubeginn verzögert. Bei den Eigenheimen sieht Braun dagegen kaum Differenz zwischen Genehmigung und tatsächlicher Fertigstellung.

Um die Grundstücksspekulation einzudämmen, empfiehlt Braun höhere Grundsteuern auf unbebaute Flächen oder „ein Verfallsdatum für Genehmigungen“. Einig sind sich die Wohnungsmarktexperten, dass Deutschland mehr Bauland braucht: „eine Badewanne statt ein Waschbecken voll“, formuliert Braun die Größenverhältnisse für die Baulandausweisung, die nötig wären, um der Spekulation entgegenzuwirken.

Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, sieht die Differenz zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen etwas weniger drastisch als Braun: „Positiv stimmt, dass das Verhältnis der Fertigstellungen zu den Baugenehmigungen unter Annahme einer durchschnittlichen Bauzeit von 18 Monaten um drei Prozentpunkte auf 93 Prozent gestiegen ist“, kommentierte er die vom Statistischen Bundesamt genannten Fertigstellungszahlen für 2016.

Für den Empirica-Experten Braun sind mehr Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser und weniger für Einfamilienhäuser kein neues Phänomen: „In Boomphasen werden anteilig immer mehr Mehrfamilienhäuser genehmigt und gebaut“, weiß er. Von einem Eigenheim-Überangebot, wie es Voigtländer sieht, will Braun nichts wissen.

„Es mag sein, dass auf dem Land mehr Einfamilienhäuser entstehen, als es dem rechnerischen Bedarf entspricht, aber nicht mehr, als die Nachfrage will.“ Die neuen Eigenheime dort würden nicht leer stehen. „Und: ich freue mich über jede junge Familie, die auf dem Land bleibt und nicht auch noch in die Städte zieht“, sagt Braun, der seit längerem für das Leben auf dem Land als Strategie gegen überhitzte Wohnungsmärkte in den Metropolen plädiert.

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