Zinshäuser
Die ganz persönliche Immobilienblase

Preise und Mieten steigen. Doch eine Studie zeigt: Während sich Profi-Investoren am deutschen Immobilienboom mästen, machen kleine Privatkäufer ein schlechtes Geschäft. Was private Käufer und Vermieter falsch machen.
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Die fetten Jahre des Immobilienmarktes sind noch lange nicht vorbei. Erst kürzlich verkündete der Deutsche Annington den Kauf von mehr als 5000 Wohnungen in Berlin und anderen ostdeutschen Städten. Rund 300 Millionen Euro soll der Miet-Marktführer bezahlt haben.

In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen möchte der Immobilienkonzern Buwog zuschlagen. Zwischen 2000 und 4000 Wohnungen wollen die Österreicher jedes Jahr in Deutschland erwerben, erst im Juni erwarb das börsennotierte Unternehmen einen Bestand von 18.000 Wohnungen für 892 Millionen Euro.

Diese Beispiele belegen: Der deutsche Wohnimmobilienmarkt ist auch im siebten Jahr des Booms für Investoren noch attraktiv. Das dürfte sich kurzfristig kaum ändern. Die Zinsen für Baugeld markieren ein historisches Tief. Sicherheitsbewusste Anleger kaufen mangels rentabler Alternativen in der Niedrigzinsphase Immobilien. „Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank heizt die Nachfrage nach Immobilien an“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch der Wohnungsbau springt an, die Neubauquote bei Wohnungen ist im ersten Halbjahr um 9,6 Prozent zum Vorjahr gestiegen.

So beeindruckend der deutsche Immobilienboom auch scheinen mag - nicht alle Investoren profitieren von steigenden Preisen und Mieten. Während sich Profi-Investoren und Großanleger am deutschen Immobilienboom eine goldene Nase verdienen, machen private Käufer einen schlechten Schnitt. Das zeigt eine Untersuchung des DIW Berlin im Auftrag des Fondsanbieters und Immobilien-Asset Managers Wertgrund Immobilien.

Das Ergebnis: Im Schnitt erzielen die Deutschen an privaten Zinshäusern eine Bruttorendite zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr. Netto liegen die Erträge im Schnitt zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Verkaufspreise wurden nicht berücksichtigt. „Gemessen an den Renditen, die man in der Vergangenheit für relativ sichere Finanzanlagen erzielen konnte, sind die hier ermittelten Renditen privater Immobilieninvestitionen relativ gering, berücksichtigt man das höhere Risiko und den individuellen Bewirtschaftungsaufwand den Privatinvestoren mit Immobilien haben“, lautet das Fazit der Studienautoren des DIW.

Umlaufrenditen von Anleihen und Tagesgeldern lagen bis zur Finanzkrise noch auf einem Niveau von drei bis vier Prozent. Auch heute gibt es Festgelder mit einer Laufzeiten von zwei Jahren zu einem Zins von 1,5 Prozent bei deutscher Einlagensicherung.

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  • Nun, in erster Linie schneiden die Profis gegenüber den Amateuren besser ab, weil sie es halt professionell machen. Die machen tagein, tagaus nichts anderes als sich nur damit zu beschäftigen. Dabei ist gerade die Immobilien ein sehr anspruchsvolles Investment und ein komplexes Erfahrungsobjekt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht wenige Amateure ihre "Fähigkeiten" deutlich überschätzen. Sie denken sie wären Jurist, Ingenieur, Handwerker und Kaufmann in Personalunion und weigern sich regelmäßig entsprechende Profis zu konsultieren. Weil die "kosten ja nur Geld" und wissen oder können es "auch nicht besser". Von wegen! Meiner Einschätzung nach auch ein Grund, warum private Investoren schlechter abschneiden als die Profis.


  • "Verkaufspreise wurden nicht berücksichtigt." Aha. Das sagt ja wohl alles.

  • Neben ihrer Professionalität nutzt den Profis auch die Abschreibung für Abnutzung, AfA.
    Zwar kann jeder Eigentümer diese nutzen, bewegt sich jedoch i.d.R. nicht in der dauerhaft höchsten Steuerstufe, um bestens profitieren zu können.
    Daneben stehen die laufenden und außerordentlichen Kosten, die ebenso absetzungsfähig sind und in der obersten Progressionsstufe am meisten abwerfen an Ersparnis, also profitaktiv sind.
    Hinzu tritt daß mit dem Börsengang, der Notierung als AG, bereits ein wesentlicher Teil des Exits der Investoren geschah, das Risiko also die Aktionäre mehrheitlich tragen. Da läßt sich gut reden, kaufen und abwarten als Vorstand. Auch Finanzierungen lassen sich von Profis der größeren Sorte einfacher und billiger beschaffen. Notfalls wird umfinanziert, was seit Jahren zu empfehlen war sofern man zuvor noch recht teuer dran war.

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