Zu viele Besucher
In Chicago fehlen Hotels

Durch das größte Kongresszentrum der USA lockt Chicago etliche Besucher in die Stadt - 44 Millionen pro Jahr. Doch diese Besucher können nur aus 80 Hotels mit 33 000 Betten wählen. Weil die Hotelketten die Zahl ihrer Zimmer selbst beschränken, herrscht in Chicago inzwischen akuter Hotelbettmangel.

CHICAGO. Die Nummer drei unter den US-amerikanischen Messe- und Kongress-Städten will nicht länger Nummer drei bleiben. Noch sind Las Vegas und Orlando führend, wenn es darum geht, Großveranstaltungen mit Tausenden von Übernachtungsgästen anzulocken. Doch Verfolger Chicago will nun aufrüsten und ein überraschendes Übel aus dem Weg räumen: den Mangel an Hotelbetten. 44 Millionen Besucher, Tagesausflügler mit eingerechnet, zählt die Stadt im Jahr. Wer über Nacht bleiben will, kann aber nur zwischen 80 Hotels mit insgesamt 33 000 Zimmern wählen. "Ein krasses Missverhältnis, das wir ändern wollen", sagt Chicagos Bürgermeister Richard M. Daley. "Tausende von Messegästen kommen nur deshalb nicht nach Chicago, weil Hotelbetten fehlen", sagt er. Das sei ärgerlich, denn die Tagungsbranche boome - überall im Land.

Traumhafte Zuwachsraten, bloß keinen Platz zum Träumen - wie kann das sein? Rob Steigerwald, Executive Vice President der Hotelkette Marriott International, klärt auf: "Der Chicagoer Bettenmangel ist in gewisser Weise hausgemacht", sagt er. Die etablierten Hotelketten bestünden auf Beschränkungen für Neubauten, und auch vorhandene Häuser dürften nur in einem bestimmten Umfang wachsen. "Dadurch wollen sich die Hotels ihre Zimmerraten sichern und verhindern im Umfeld ihrer Häuser ungewollte Konkurrenz", sagt Steigerwald. Sheraton etwa habe sein Kontingent bereits ausgereizt und dürfe schon gar nichts Neues mehr in Chicago bauen.

Nun steht dem Interesse der Hotelbetreiber das wirtschaftliche Wohl Chicagos gegenüber. "Für unsere Stadt ist das Messegeschäft sehr wichtig", sagt Ted Tetzlaff, Chairman der McCormick Place Convention Authority. Hinter McCormick Place verbirgt sich das größte Kongresszentrum der USA: 70 000 Quadratmeter (qm) neue Ausstellungsflächen kamen 2007 hinzu. Damit stehen in Chicagos Mega-Center nun insgesamt 250 000 qm Fläche für Veranstaltungen zur Verfügung. Platz, der nicht gebucht wird, wenn es keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Als Ausrichter von Mega-Events hat also auch Tetzlaff ein Interesse daran, dass der Chicagoer Bettenmarkt wächst. "In Las Vegas ist es im Sommer zu heiß, in Orlando sind zu viele Kinder", zählt Tetzlaff die Nachteile der beiden großen Konkurrenten auf. Mehrere Disneyparks und das Sea-World Center überschwemmen Orlando mit jungem Publikum, was allein kein Problem darstellt. Doch viele Tagungsgäste kommen mit Familien und verbringen am Ende nur ein Viertel ihrer Zeit in den Hallen des Convention Centers, berichtet Tetzlaff.

Nicht zuletzt die Erweiterung von McCormick Place hat internationale Hotelbetreiber auf Chicago als Tagungsdestination aufmerksam gemacht. Nach Angaben von Adam S. McGaughy, Senior Vice President bei Jones Lang Lasalle Hotels (JLL) in Chicago, ist die Neubaupipeline inzwischen gut gefüllt (siehe Tabelle). "Weitere Neubauten mit 6 300 Zimmern sind geplant, aber aufgrund der Kreditkrise ist unklar, ob all diese Projekte wirklich realisiert werden", sagt McGaughy.

An der Nachfrage scheitert es jedenfalls nicht, denn die Auslastung der existierenden Hotels steigt seit 2002 stetig an. 2007 konnten die Chicagoer Hoteliers eine durchschnittliche Belegungsquote von 75 Prozent vorweisen, ein im US-Vergleich sehr guter Wert, wie es in einer Studie des auf den internationalen Hotelmarkt spezialisierten Beratungsunternehmens HVS Global heißt. Laut einer Studie von Ernst & Young (E&Y) verzeichnete der Hotelmarkt in Chicago 2006 den größten Zuwachs im Hinblick auf die Auslastung und die Erlöse pro Zimmer. 185 Dollar geben die Gäste am Lake Michigan für eine Hotelnacht im Schnitt aus, wobei im Luxussegment bis zu 387 Dollar möglich sind. "Allerdings gibt es ja in Downtown Chicago gerade einmal vier Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie: Peninsula, Four Seasons, Ritz Carlton und Park Hyatt", so JLL-Mann McGaughy. Da hätten durchaus noch andere Labels Platz. In den Startlöchern stehen ein Trump Tower, ein Shangri-La, ein Mandarin Oriental, und auch Marriott will in einem bestehendes Gebäude im Geschäftsviertel Loop ein Fünf-Sterne-Haus eröffnen. Das erwarb jüngst der deutsche Fondsinitiator US-Treuhand für seinen Fonds "UST XIX".

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