Zunehmende Internationalisierung
Immobilienwirtschaft hat Reifeprüfung bestanden

Gut elf Jahre ist es her, dass sich "Baulöwe" Jürgen Schneider in die US absetzte. Zurück blieben ein Schuldenberg von 5,3 Mrd. Mark und die Erkenntnis, dass es leichter zu sein scheint, bei deutschen Banken einen Immobilienkredit in Millionenhöhe zu bekommen als das Darlehen für ein Eigenheim.

DÜSSELDORF. Unvergessen bleibt, dass Schneider bei der Kreditanfrage zur Finanzierung der Frankfurter Zeilgalerie die reale Nutzfläche des Einkaufstempels kurzerhand mehr als verdoppelte – was in der Bank keinem auffiel. Hilmar Kopper, damaliger Vorstandschef der Deutschen Bank, bezeichnete die Verluste seines Instituts in Höhe von 1,3 Mrd. Mark als "Peanuts" – was bekanntlich zum geflügelten Wort avancierte – und die Öffentlichkeit sah sich – wieder einmal – in ihrer Meinung bestätigt, dass Immobiliengeschäfte vorwiegend undurchsichtig, wenn nicht gar windig sind. Ein (Vor-)Urteil, das sich durch die negativen Erfahrung vieler Anleger mit angeblich lukrativen und sicheren Investments auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt in den Folgejahren eher noch verfestigte.

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit indes blieb, dass sich die Wirklichkeit der Immobilienbranche in einem Maße verändert hat – und sich noch verändert – wie in wenigen anderen Branchen. "Anfang der 1990er Jahre war die Professionalität auf dem deutschen Immobilienmarkt äußerst schwach ausgeprägt", urteilt Hartmut Fründ, Partner bei Ernst & Young Real Estate und dort ein Mann der ersten Stunde. Zurück aus den USA, baute er vor einem guten Jahrzehnt die Immobiliengesellschaft des Beratungsunternehmens Arthur Andersen, heute Ernst & Young, auf. Unabhängige Beratung, so der Diplom-Kaufmann, sei in der deutschen Immobilienwirtschaft ebenso weitgehend unbekannt gewesen wie international gängige Prüf- und Reportingstandards. Zur Jahrtausendwende veränderte sich das bis dahin lokal geprägte Geschäft fundamental: Internationale Investoren, insbesondere aus Großbritannien und den USA, entdeckten den deutschen Markt.

"Den Startschuss markiert der Kauf der deutschen Eisenbahnerwohnungen durch den britischen Equity Fonds Terra Firma", urteilt Fründ. Was zur Jahreswende 2000/2001 als absolutes Novum galt, ist heute Alltag: Internationale Finanzinvestoren treten als Käufer auf dem deutschen Immobilienmarkt auf – und erwarten die aus ihren Heimatländern gewohnte Standards: ausreichendes Datenmaterial, Transparenz der Geschäftsabläufe und Professionalität in Beratung und Abwicklung.

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