Zusammenarbeit Streit um Zertifizierungen ist beigelegt

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und das Bundesbauministerium haben sich nach einem monatelangen Streit auf eine Zusammenarbeit geeinigt. In der umstrittenen Frage der Nachhaltigkeitszertifizierung für Wohngebäude wird nun eine Arbeitsgruppe unter dem Dach des Bundesbauministeriums einen Kriterienkatalog erarbeiten.
  • Christian Hunziker
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Innenhof des Münchener Bürokomplexes "Auron". Das Gebäude ist von der DGNB vorzertifiziert. Quelle: Pressebild

Innenhof des Münchener Bürokomplexes "Auron". Das Gebäude ist von der DGNB vorzertifiziert.

(Foto: Pressebild)

MÜNCHEN.Wer heftige Kontroversen erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Friedlich saßen sie auf der Expo Real auf dem Podium nebeneinander: Werner Sobek, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), und Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Vergessen schien, dass der GdW in den vergangenen Monaten der DGNB vorgeworfen hatte, nur deshalb ein Nachhaltigkeitssiegel für Wohngebäude entwickeln zu wollen, weil sich damit glänzende Geschäfte machen ließen.

Hintergrund für die unerwartete Harmonie ist, dass sich Bundesbauministerium und DGNB nach monatelangen Verhandlungen auf die Modalitäten ihrer Zusammenarbeit geeinigt haben. Demnach wird das Ministerium künftig Bewertungssysteme, die seinen Standards entsprechen, den Zusatz "von der Bundesregierung anerkanntes Gütesiegel" verleihen. "Dieses Anerkennungssystem schafft einheitliche Qualitätskriterien und damit Transparenz", sagt Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup. Damit gibt die DGNB ihren Alleinstellungsanspruch auf, der ihr von Kritikern immer wieder vorgehalten worden war.

Tatsächlich hat sich auf dem ohnehin unübersichtlichen Zertifizierungsmarkt soeben ein weiterer Anbieter in Stellung gebracht: Der TÜV Süd lanciert ein Gütesiegel namens "TÜV Süd Score", das sich für Büro- und Verwaltungsgebäude im Bestand eignet. Trotzdem fürchtet DGNB-Präsident Sobek die Konkurrenz auf dem deutschen Zertifizierungsmarkt nicht: "Wir meinen, dass wir die Besten sind."

In der umstrittenen Frage der Nachhaltigkeitszertifizierung für Wohngebäude wird nun eine Arbeitsgruppe unter dem Dach des Bundesbauministeriums einen Kriterienkatalog erarbeiten. Daran beteiligen will sich auch die Wohnungswirtschaft - trotz aller Vorbehalte. Grundsätzlich hält GdW-Präsident Freitag ein Zertifikat für Wohngebäude für überflüssig, die gesetzlichen Vorschriften garantierten die nötige Qualität. Zudem brächten Zertifizierungen dann nichts, "wenn sie mehr kosten, als bei den Betriebskosten eingespart wird".

Derweil hat die DGNB auf der Expo Real 36 weitere Immobilien mit einem Zertifikat oder Vorzertifikat ausgezeichnet, darunter erstmals auch Industrie- und Einzelhandelsgebäude. Zu den fertig gestellten Objekten mit Gütesiegel zählen das Einkaufszentrum Ernst-August-Galerie der ECE in Hannover und ein Logistikzentrum der Immogate in München.

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