Zwangsversteigerung
Projekt des Größenwahns kommt unter den Hammer

Der Kauf des Stuyvesant Towns 2006 galt als gewagt, vor allem weil die Investoren die heruntergekommenen Immobilien ohne Sanierung weitervermieten wollten. Das Paradebeispiel für den Wahnsinn des US-Immobilienbooms wird nun versteigert.
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NEW YORK. Am Montag nächster Woche endet endet die New Yorker Apartmentsiedlung Stuyvesant Town, eines der heißesten Spekulationsobjekte aus dem zurückliegenden US-Immobilienboom, in der Zwangsversteigerung. Die Gläubiger des insgesamt 4,5 Mrd. Dollar schweren Objektes brachen Anfang der Woche vor einem New Yorker Gericht den Widerstand der beteiligten Hegde-Fonds und wollen die Apartments nun so schnell wie möglich versilbern. "Wir werden am Montag zur Tat schreiten", sagte der Anwalt der Gläubigervereinigung CW Capital, Greg Cross, gestern nach dem Verfahren. Damit endet eine der gewagtesten Wetten auf unaufhörlich steigende Immobilienpreise in den USA im Desaster.

Tishman Speyer kaufte auf dem Höhepunkt des Booms

Ende 2006 - praktisch auf dem Höhepunkt des US-Immobilienbooms - hatte eine Gruppe von Private Equity Investoren um die renommierte Immobilienfirma Tishman Speyer das riesige Areal mit 56 Gebäuden an der Lower East Side Manhattans für stattliche 5,4 Mrd. Dollar erworben. Erklärtes Ziel: die nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten, heute meist heruntergekommen 11 277 Apartments auch ohne Sanierung teurer zu vermieten oder zu verkaufen. Genug Nachfrage, so das Kalkül, würde es in der boomenden Finanzmetropole immer geben. Doch die Wette ging nicht auf. Sie scheiterte nicht nur an den in New York geltenden Mieterschutzgesetzen, die einer Anhebung der Miete sehr enge Grenzen setzen. Als die Finanzkrise zuschlug und an der Wall Street Tausende entlassen wurden, fielen selbst in Manhattan die Mieten. Die Folge: Die Eigentümer konnten ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Im Januar zwang ein Gericht die Eigner, Insolvenz anzumelden.

Insolvenz wirft ein Schlaglicht auf den Zustand des Immobilienmarktes

Seither streiten die Gläubigervereinigung CW Capital, die Hypotheken im Wert von rund drei Mrd. Dollar repräsentiert, und einige ebenfalls in dem Projekt engagierte Hedge-Fonds um den illustren Geldmanager William Ackmann über eine Lösung. Ackmanns Fonds Pershing Square Capital Management und Winthrop Realty Trust halten 45 Mio. Dollar an Krediten für das Objekt und wollten eine Zwangsversteigerung vermeiden. Am späten Dienstagabend wies ein New Yorker Gericht ihren Einspruch zurück. Nun dürften die Apartments, die CW Capital in Eigentumswohnungen umwandeln wollte, ohne den derzeitigen Mietern zu kündigen, am Montag unter den Hammer kommen.

Die Zwangsversteigerung wirft ein Schlaglicht auf den darniederliegenden Immobilienmarkt der USA. Experten rechnen damit, dass Finanzierungen für Mietwohnungen, Einkaufszentren und Bürogebäude im Volumen von 1,4 Bio. Dollar in den kommenden drei Jahren zur Refinanzierung anstehen. Dies wird in vielen Fällen schwierig sein, weitere Kreditausfälle sind zu befürchten. Diese könnten eine neuerliche Schockwelle durch den US-Bankensektor schicken und bis zu 3000 der knapp 8000 Institute in die Insolvenz treiben.

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  • Warum beklagt man sich ?
    Die Herren von Tishman Speyer waren idioten, die simpelste Grundschulmathematik nicht beherrschen, bei dem Kaufpreis hätte jede Wohnung 1600 US$ Miete pro Monat einbringen müssen, für Ghettosiedlungen vollkommen unrealistisch.

    Natürlich geht so jemand pleite, und der Empfänger der 4.5 Mrd freut sich, daß er jemanden dermassen über den Tisch ziehen konnte, selbsternannte Experten.

    Gut so, ich kann nur hoffen daß einige der Private Equity Manager wegen Veruntreuung der Kundengelder ins Gefängsnis gehen müssen.

    SPERRT SiE ALLE EiN !

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