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13.05.2008 
Insider-Barometer

Strategiewechsel bei den Top-Managern

von Christian Schnell

Die Kauflust bei Deutschlands Führungselite lässt nach: Die Kaufneigung der deutschen Top-Manager für Aktien des eigenen Unternehmens hat zuletzt weiter nachgelassen und befindet sich nur noch auf durchschnittlichem Niveau. Indes rücken einzelne Insiderkäufe und-verkäufe in den Blickpunkt der Anleger.

FRANKFURT. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen alle zwei Wochen zusammen mit Commerzbank Private Banking exklusiv für das Handelsblatt berechnet, ist auf 182 Punkte gefallen. Es liegt damit schon 25 Punkte unter dem Allzeithoch vom März.

"Wir sehen derzeit zwei gegenläufige Tendenzen", sagt Christian Rouette von der Fifam. Einerseits zeigen sich die Top-Manager seit Anfang April immer weniger optimistisch, so dass damit zu rechnen ist, dass das Barometer in den nächsten Wochen weiter nachgibt. Andererseits signalisiert die hohe Zahl der Insiderkäufe im ersten Quartal, dass die Manager sich da aufgrund der günstigen Bewertung zu niedrigen Kursen eingedeckt haben. "Wer künftig kauft, bei dem beruht diese Entscheidung vor allem auf neuen Nachrichten aus seinem Unternehmen", sagt Rouette.

Anleger sollten daher künftig auf einzelne Insiderkäufe und-verkäufe blicken statt wie bisher auf deren Aussagekraft für den Gesamtmarkt. Mehrere interessante Deals mit Aussagekraft für die künftige Kursentwicklung gab es in den vergangenen Wochen.


Tabelle  Infografik: Insider-Barometer.


So haben sich bei Dax-Schwergewicht Daimler Finanzvorstand Bodo Uebber und Aufsichtsrat Jürgen Hambrecht - gleichzeitig Vorstandschef der BASF - mit Aktien im Wert von über 240 000 Euro eingedeckt. Im Umfeld der Transaktion bestätigte der schwäbische Autobauer seine Prognose, in diesem Jahr einen Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) deutlich über dem Vorjahresniveau erzielen zu wollen. Die Analysten vom Commerzbank Private Banking bewerten zudem positiv, dass sich bisher belastende Faktoren wie die Dollarschwäche und die US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte allmählich stabilisieren sollten. Nach dem Kursrutsch im Herbst scheint die Daimler-Aktie jedenfalls seit Jahresanfang ihren Boden gefunden zu haben und notiert seither zwischen 50 und 55 Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Dauergast unter den Käufern.

Dauergast unter den Käufern ist das Management des Dax-Wertes RWE; Vorstandschef Jürgen Großmann deckte sich erneut mit Aktien ein. Von der Bedeutung her mindestens eine Stufe tiefer, aber dennoch sehr spannend, ist die Entwicklung beim TecDax-Wert Freenet. Der Telekom - und Online-Anbieter will den Konkurrenten Debitel übernehmen, was wiederum der Online-Anbieter United Internet verhindern will. Allerdings ist die Gemengelage juristisch diffus, muss doch geklärt werden, ob sich Freenet innerhalb des rechtlich Zulässigen bei der möglichen Übernahme verhalten hat.

Aufsichtsrat Thorsten Krämer hat unabhängig vom Ausgang und den Konsequenzen für den Kurs für fast 550 000 Euro Freenet-Aktien geordert. Seine positive Einschätzung teilt die Mehrzahl der Analysten. Die Kursziele für die Aktie, die am Freitag 10,30 Euro kostete, liegen bei bis zu 15 Euro. Einzig Ulrich Trabert, Analyst beim Bankhaus Metzler, rät bei einem Kursziel von 9,80 Euro zum Verkauf.

Bei den Unternehmens-Insidern insgesamt dominieren weiterhin die Käufe. 50 von ihnen standen in den letzten beiden Wochen neun Verkäufe gegenüber. Dabei gab es auch auffällige Transaktionen. So hat sich beim Windkraftanlagenbauer Nordex Vertriebsvorstand Carsten Pedersen erneut von einem großen Aktienpaket getrennt. Nachdem es bei der letzten Auflistung Papiere im Wert von über 1,4 Mill. Euro waren, kamen weitere 1,9 Mill. Euro hinzu. Dem steht ein Rekord beim Auftragsbestand gegenüber, der Nordex eine Auslastung bis Ende 2009 garantiert. Die Meinung der Analysten dazu ist gemischt. Fast genauso viele raten zum Kauf wie zum Verkauf.

Ein ebenso uneinheitliches Bild zeigt SGL Carbon. Beim Wiesbadener Spezialisten für Carbon und Graphit wurde seit Ende März von Top-Managern verkauft, gekauft und wieder verkauft. Die Commerzbank-Analysten sehen die Aktie deshalb neutral. "Die hohen Investitionen in Produktionsausweitungen in Anbetracht eines nachgebenden Konjunkturumfeldes sowie die Abhängigkeit vom schwächelnden US-Markt lassen vorerst wenig Kursfantasie", heißt es dort.


» Aktienanalysen des Tages: Aktuelle Einstufungen und Kursziele


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NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
RHOEN-KLINIKUM AG  buy +10.01%
PFEIFFER VACUUM...  buy +15.61%
COMDIRECT BANK AG  buy +68.33%
DEUTSCHE LUFTHANSA...  buy +34.48%
CREDIT SUISSE GROUP...  buy +22.71%
SOCIETE GENERALE  buy +22.38%
SVENSKA HANDELSBANKEN...  sell -9.14%
NORDEA BANK AB  sell -7.55%
UBS AG  neutral +38.46%
INTESA SANPAOLO...  neutral k.A.
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