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30.06.2008 
Investmentidee

Gerry Weber zieht an der Konkurrenz vorbei

von Jörg Hackhausen und Christian Panster

Der Modekonzern Gerry Weber hat sich zuletzt besser geschlagen als seine Mitbewerber. Jetzt wird in weiteres Wachstum investiert. Wie das Unternehmen aus der Provinz die Welt erobert und warum es sich lohnen könnte, die Aktie im Depot zu haben. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

London, Wien und Lünen in Westfalen. Diese Orte haben eines gemeinsam. Gerry Weber ist schon da. Ob auf noblen Shoppingmeilen oder in der Provinz - weltweit ist der Modekonzern mit eigenen Läden vertreten.

Der Aktienkurs hat sich zuletzt vergleichsweise gut entwickelt. Auf Dreimonatssicht steht ein Plus von rund drei Prozent zu Buche. Der Kleinwerte-Index SDax dagegen legte lediglich 1,2 Prozent zu. Noch deutlicher wird der Unterschied auf längere Sicht: Während die Gerry Weber-Aktie in den vergangenen drei Jahren um 114 Prozent kletterte, kam der Index auf ein bescheidenes Plus von 17 Prozent.

Und auch in der Krise zeigte sich die Modeaktie robust. Als die Aktienkurse zu Beginn des Jahres im Zuge der US-Finanzkrise weltweit purzelten, hielten sich die Westfalen besser als andere in der Branche. Die Papiere rutschten zwar kurzzeitig auf 16,75 Euro ab, erholten sich aber schnell. Aktuell notiert die Aktie bei rund 21,75 Euro. An der Börse ist Gerry Weber mittlerweile fast doppelt so viel Wert wie Konkurrent Escada, die Dividendenrendite ist mit rund drei Prozent um ein Vielfaches höher.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 13 sind die Papiere moderat bewertet - was die WestLB kürzlich dazu bewegt hat, ihre Kauf-Empfehlung für die Gerry-Weber-Aktie zu bestätigen. Das Papier werde im Vergleich zu Wettbewerbern mit einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt, schreibt WestLB-Analyst Thomas Rosenke in einer Studie.

Weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz: 56 Prozent der Anteile sind in Familienbesitz. Erst kürzlich hat sich Ralf, der Sohn von Firmenchef Gerhard Weber, mit weiteren Aktien des eigenen Unternehmens eingedeckt und seinen Anteil auf über zehn Prozent aufgestockt. Kontinuität ist Trumpf im Hause Weber. Aggressive Investoren, die das Unternehmen durcheinander wirbeln oder auf eine hohe Sonderdividende drängen könnten, sind in Halle nicht erwünscht.

Stattdessen steckt Vorstandschef Gerhard Weber das Geld in den Ausbau der eigenen Ladenkette. Mittlerweile besitzt der Modekonzern 217 so genannte "Houses of Gerry Weber", in denen ausschließlich die eigene Kollektion verkauft wird. Das Ziel: Unabhängigkeit vom Einzelhandel. Indem Gerry Weber nicht nur schneidert, sondern auch selbst verkauft, hat das Unternehmen die Wertschöpfungskette vom Anfang bis zum Ende in der Hand.

Allein in diesem Jahr sind 40 dieser Läden neu eröffnet worden - teils in Eigenregie, teils durch Partner betrieben. Bis zum Ende des Jahres sollen noch einmal 50 "Houses of Gerry Weber" hinzukommen. "Der massive Ausbau des eigenen Filialnetzes zahlt sich aus", sagt Stefan Dudacy, Fondsmanager des Bankhauses Metzler. Dennoch sind mit den erheblichen Investitionen auch Risiken verbunden: Wenn die Läden nicht laufen, sitzt Gerry Weber auf langen Mietverträgen und hohen Fixkosten.

Gerry Weber ist wie die gesamte Modebranche stark von aktuellen Trends abhängig. Von Saison zu Saison wollen die Kunden neue Entwürfe sehen - wobei Gerry Weber auf eine recht verlässliche Kundengruppe zählen kann. "Gerry Weber hat mit den vorwiegend über 40-jährigen einen sehr lukrativen Kundenstamm. Modebewusst und überdurchschnittlich vermögend", sagt Fondsmanager Dudacy.

Ein Großteil seines Umsatzes macht das Unternehmen mit kostspieliger Damenmode - und wie die kürzlich vorgelegten Zahlen zeigen kommt die aktuelle Kollektion offenbar gut an. "Mit den Daten wird unseres Erachtens erneut deutlich, dass sich die Gruppe besser entwickelt hat als die Wettbewerber", schreibt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Gerry Weber seine Ziele: Umsatz und Ergebnis sollen zweistellig wachsen. Danach erwartet das Modeunternehmen für das im Oktober endende Geschäftsjahr einen Umsatz von 575 bis 580 Mill. Euro. "Interessant sind neben den Prognosen für den Umsatz vor allem die Ziele für die Ebit-Marge", sagt Dudacy. Die operative Gewinnmarge (Ebit) soll in diesem Jahr elf Prozent erreichen und in vier Jahren, so der Plan, auf 15 Prozent steigen. Nach Meinung von Analysten ein sehr ambitioniertes, aber nicht unmögliches Ziel.

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