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11.06.2008 
Investment-Idee

Neuer Schwung bei Dell

von Anette Kiefer

Das Management des zweitgrößten PC-Herstellers der Welt weiß, was sich Anleger wünschen: Dank eines erfolgreichen Sparprogramms und makelloser Quartalszahlen schießt der Aktienkurs des US-Konzerns Dell derzeit nach oben. Die tägliche Investment-Idee auf Handelsblatt.com.

STUTTGART. Allein in den letzten zwei Wochen hat das Papier um zwölf Prozent zugelegt und notiert jetzt bei etwa 23 Dollar. Damit bleibe für die nächsten zwölf Monate noch weiteres Aufwärtspotenzial von fast 20 Prozent, schätzt Analystin Kathryn Huberty von Morgan Stanley, die ihre Empfehlung von "durchschnittlich" auf "übergewichten" hochsetzte.

Als besonders erfreulich werten Investoren und Analysten, dass das Unternehmen seinen Marktanteil nach eigenen Angaben in allen Produktkategorien und in allen Regionen steigern konnte - und dass sich dieser Trend fortsetzen soll. Konzernchef Michael Dell versprach auch weiterhin "ein stärkeres Wachstum als in der Computerbranche insgesamt".

Dabei zählt die Branche im Moment ohnehin schon zu den Gewinnern. Auch Dells große Konkurrenten wie Apple, Hewlett-Packard und IBM haben in den vergangenen Wochen starke Zahlen vorgelegt. Dell punktete dabei vor allem in der Laptop-Sparte: Hier konnten die Texaner ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 40 Prozent steigern.

Außerdem bewährte sich die Strategie, spezielle Produkte für die aufstrebenden Schwellenländer zu entwickeln, vor allem für Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC). Hier stiegen die Umsätze im Durchschnitt um rund 60 Prozent, in China allein sogar um etwa 140 Prozent. In den kommenden Monaten wird Dell daher den Expansionskurs vor allem in Asien weiter durchziehen: Bis Anfang August soll sich die Zahl der chinesischen Läden, die Dell-Computer verkaufen, auf knapp 3 500 verdoppelt haben.

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte erzielte Dell damit im abgelaufenen Quartal mehr Umsatz im internationalen Geschäft als auf dem US-Markt. Binnen fünf Jahren könnte sich dieser Anteil sogar auf zwei Drittel des gesamten Unternehmensumsatzes steigern, schätzt die Geschäftsleitung. Angesichts der desolaten US-Wirtschaftslage schrecken einheimische Geschäftskunden vor größeren Anschaffungen zurück. Mit einer Ausnahme: Server und Speicherkapazitäten verkaufen sich weiterhin gut. Bei Ersteren steigerte das Unternehmen seinen Absatz um mehr als 20 Prozent und damit nach eigenen Angaben dreimal so stark wie der Rest der Branche.

Kathryn Huberty schätzt, dass sich dieser Trend in Zukunft noch verstärkt. Denn die billigeren Server seien dank neuer Multikern-Mikroprozessoren für viele Unternehmenskunden inzwischen gut genug, und Dell biete auf diesem Gebiet sehr wettbewerbsfähige Preise und ein breites Produktportfolio.

Durch Aktienrückkäufe will Dell den Investoren einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Im vergangenen Jahr kassierten die Texaner etwa ein Zehntel aller ausstehenden Papiere wieder ein und ließen sich diese Käufe einige Milliarden Dollar kosten. Im laufenden Quartal will der Konzern mindestens noch einmal eine Milliarde in eigene Aktien stecken.

Auch das Sparprogramm läuft weiter auf vollen Touren. Bis 2011 will der Konzern drei Mrd. Dollar Kosten eingespart haben. Bereits im vergangenen Jahr wurden deshalb 7 000 Arbeitsplätze gestrichen, also acht Prozent der gesamten Belegschaft. Weitere 2 000 Stellen sollen folgen. In Asien werde die Zahl der Angestellten dagegen steigen, hieß es. Der Sparplan habe im vergangenen Vierteljahr bereits Wirkung gezeigt und zu den guten Ergebnissen beigetragen. "Ein Quartal macht noch keinen Trend aus, aber es sieht tatsächlich danach aus, als ob die Maßnahmen greifen", sagt Kim Caughey.

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