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02.07.2008 
Investmentidee

Prisa-Aktie zeigt Potenzial

von Anne Grüttner

Die Aktie der größten spanischen Multimediengruppe Prisa wurde arg gebeutelt. Seit Jahresbeginn verlor sie knapp 40 Prozent, in den letzten zwölf Monaten schrumpfte der Wert sogar auf weniger als die Hälfte. Analysten sehen darin eine Überreaktion des Marktes. Die Investmentidee auf Handelsblatt.com.

HB MADRID. "Mit den Fundamentaldaten hat das wenig zu tun", meint Analyst Luis Padrón von Fortis. Wie die meisten seiner Kollegen erwartet er eine deutliche Erholung der Aktie.

Es gibt mehrere Gründe für den Kursverfall von Prisa, die mit ihrer Tageszeitung "El Pais", den Radiosendern El SER und Union Radio sowie verschiedenen Fernsehkanälen täglich 16 Mill. Menschen in der spanisch-sprachigen Welt erreicht. So verdüstert die schlechte Wirtschaftsentwicklung in Spanien die Aussichten für die Werbeeinnahmen, was Anleger vor der Medienbranche des Landes zurückschrecken lässt. Doch "kamen im letzten Jahr nur 30 Prozent von Prisas Gesamteinnahmen aus der Werbung, im Durchschnitt hängt die Branche in Spanien zu 55,4 Prozent von Werbung ab", sagt Analystin Cristina Alvarez-Quiñones von ING.

Ein Drittel der Einkünfte holt Prisa aus Pay-TV-Abonnements ihrer seit kurzem 100-prozentigen Tochter "Sogecable", der mit Abstand größten spanischen Pay-TV-Plattform. Unter dem Dach von Sogecable sollen künftig alle audiovisuellen Aktivitäten von Prisa zusammengeführt werden. "Diese Operation sollte signifikante Kostenersparnisse und Synergie-Effekte mit sich bringen", sagt Alvarez-Quiñones. Das audiovisuelle Geschäft macht mehr als die Hälfte der Einnahmen aus. Unabhängig von der Werbung ist auch das Verlagsgeschäft, das 15 Prozent zu den Einnahmen beiträgt. Prisa-Tochter "Santillana" ist der größte spanisch-sprachige Buchverlag, der in Lateinamerika sehr stark ist.

Skeptisch sehen Anleger indes den hohen Verschuldungsgrad der Mediengruppe. Die Verbindlichkeiten machen mehr als sechs Mal so viel aus wie der für 2008 erwartete Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA). 2007 hatte Prisa für die Übernahme von Sogecable einen Überbrückungskredit von 4,1 Mrd. Euro aufgenommen, der am 20. Juni fällig wurde. Doch in letzter Minute verlängerte die Gruppe den Kredit um einen Monat, da sich die Verhandlungen mit dem von HSBC geführten sechsköpfigen Bankkonsortium aufgrund der schwierigen Marktbedingungen länger hinzogen. Das Ergebnis der Refinanzierungsverhandlungen, das bis zum 20. Juli vorliegen soll, wird den Kurs Analysten zufolge positiv beeinflussen. "Wir werden sicher eine Erhöhung der Schuldenkosten sehen, das ist in der jetzigen Marktlage normal, außerdem wird Prisa eine Verpflichtung abgeben, sein Schuldenniveau zu senken", meint Luis Padrón von Fortis.

Prisa hat bereits verkündet, dass es unter anderem einen Verkauf seines Pay-TV Geschäfts Digital Plus als Maßnahme zum Schuldenabbau erwägt. "Wir bewerten Digital Plus mit 3,2 Mrd. Euro und glauben, dass Unternehmen wie Telefónica, Vivendi Murdoch, France Télécom und andere Interesse haben dürften”, sagt Padrón. Der Verkauf von Digital Plus würde entsprechend dieser Bewertung Prisas Verschuldung auf 1,1-mal EBITDA herunterdrücken. "Dies wäre aufgrund des Transaktionsvolumens die beste Möglichkeit für Prisa, seine Schulden zu senken, und auch der Markt würde diese Option wohl am liebsten sehen."

Dem Verkauf von Digital Plus steht indes noch ein Hindernis im Wege: Sogecable ging wegen Vertragsverletzungen bei Übertragungsrechten gegen die Produktionsfirma Mediapro vor Gericht; eine Entscheidung wird im Juli erwartet. Sollte Sogecable den Prozess erwartungsgemäß gewinnen, dürfte dies dem Prisa-Kurs weiteren Aufschwung geben. Analysten zufolge könnte der Kurs der Mediengruppe in kurzer Zeit auf mehr als das Doppelte steigen. ING bewertet die Prisa-Aktie mit 14,30 Euro, Fortis sogar mit 16,13 Euro.

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