Arte-Film: Ausgewogen will der Film nicht sein

Arte-Film
Zweifel am „heiligen Wachstum“

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Ausgewogen will der Film nicht sein

Als Beispiel für eine Alternativwährung dient dann der bayerische „Chiemgauer“, der 2013 sein zehnjähriges Bestehen feierte - eine "schmelzende Währung", die nicht gespart werden kann und als Anreiz zum Ausgeben in jedem Quartal zwei Prozent ihres Wertes verliert.

So könnten Unternehmer überleben, ohne wachsen zu müssen, findet Initiator Christian Gelleri. Auf einer Konferenz in den Niederlanden fordert ein katalanischer Redner gar drei Ebenen von Währungen: den Euro als internationale, eine nationale und eine lokale. Während das 20. Jahrhundert das Zeitalter der Zentralisierung gewesen sei, sei das 21. Jahrhundert als "Ära der Währungsvielfalt". Das zumindest ist eine Idee, die Euro-Skeptiker auch in Nord- und Mitteleuropa anziehen könnte.

Ausgewogen ist der Film natürlich nicht und will es nicht sein - Wachstums-Befürworter kommen nicht vor. Doch zeigt „Wachstum, was nun?“ - oft auch in schönen Bildern  - eine Vielfalt von Ideen, die lokal bereits seit Jahren funktionieren, und das ohne alarmistische Töne, die skeptisches Publikum häufig abschrecken.

Und immer wieder enthält der Film Widerhaken, die Zuschauer je nach eigenen Überzeugungen zweifeln lassen. Als nationale Währung etwa hat der katalanische Währungsvielfalts-Anhänger keine spanische, sondern eine katalanische im Sinn - Anzeichen eines ganz anderen noch ungelösten Konflikts.

Wie plausibel das Bruttoglücksprodukt in Bhutan, der letzten Station des Films, als Gegenstück zum Bruttoinlandsprodukt erscheint, muss ebenfalls jeder für sich selbst entscheiden. Wenn bhutanesische Schulkinder auswendig gelernte Sätze in die Kamera sagen, überzeugt das gewiss nicht jeden. Und die Werbung abzuschaffen wäre in Europa auch nicht so einfach wie offenbar in Bhutan, wo der König sie verbieten konnte. Aber dass das BIP keineswegs eine über alle Zweifel erhabenen Größe darstellt, weil sie viele ökologisch und längst auch ökonomisch sinnvolle Kriterien nicht berücksichtigt, ist ja auch kein Gedanke, der im Fernsehen häufig Raum erhält.

Kurzum: Wenn man sich auf ihn einlässt, bringt Robins im Wortsinn fast weltumspannender Film (auch wenn China und Indien darin nicht vorkommen) eine bemerkenswerte Fülle von Denkanstößen, die über ein "Was nun, Herr Gabriel?" und tagesaktuelle Talkshows weit hinausgehen. Schade, dass ARD und ZDF mit ihrem noch immer großem Publikum für so etwas längst keine Sendeplätze mehr haben. Gut, dass immerhin Arte es um 20.15 Uhr zeigt.

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  • Sie scheiben: "..Schade, dass ARD und ZDF mit ihrem noch immer großem Publikum für so etwas längst keine Sendeplätze mehr haben. Gut, dass immerhin Arte es um 20.15 Uhr zeigt.
    " ARD? ZDF? Sie meinen die, für die wir Rundfunksteuer bezahlen und Schrott geliefert bekommen? Die hirnlose Talks über uns ausschütten und unser Geld für einen billig und niveaulose gemachten Krimi-Overkill ausgeben? Die Schnuten-Moderatorinnen und Betroffenheitsjournalisten als die Moral-Aposten der Republik inscenieren? Ich will ja nicht arrogant sein, aber wenn das "immer noch große Publikum von ARD und ZDF" mit diesem unterirdisch schlechten Programm zufrieden ist, bis ich froh, dass ich nicht dazu gehöre. Gut, dass es Sender wie Arte gibt.

  • @Michael Rensler
    Der Strom und die Marktwirtschaft hat zu unseren Wohlstand beigetragen. Der Strom ersetzt die Arbeitskraft und gibt den Menschen mehr Freizeit. Nur wird gerade in EU-Deutschland mit der Energiewende per EEG Subventionsgesetz die Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt und der Strompreis zu Gunsten einiger EE-Abzocker immer weiter in die Höhe getrieben. Nicht nur der Strompreis geht durch das perfide und asoziale EEG in die Höhe, sondern die Stromversorgungssicherheit nimmt von Jahr zu Jahr ab in dem das EEG wirkt. Mangel und Armut werden die Folgen dieser Ethik-Merkel-Energiewende sein!

  • 1% Wirtschaftswachstum ohne Neuverschuldung sind heute leider nicht mehr wert als 1% Wachstum mit neuen Schulden.
    Wenn wir uns nicht ganz dumm anstellen, dann hat in Zukunft jeder zu essen und arbeiten geht man nur noch zur Selbstverwirklichung.
    Das klingt etwas sozialistisch, aber wie lange musste ich vor 500 Jahren für ein Brot arbeiten und wie lange heute? Die grundlegenden Dinge die wir zum Überleben brauchen haben sich tausende Jahre nicht geändert. Der reine Kapitalismus wird wohl nur noch für wenige interessant. Wonach wollen wir als nächstes Streben, wenn nicht nach Besitz?

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