Europäische Zentralbank: Asmussen drängt EZB-Führung zur Einigkeit

Europäische Zentralbank
Asmussen drängt EZB-Führung zur Einigkeit

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen fordert, dass das Spitzengremium als „ein Team“ auftreten müsse. Damit kritisiert er den ehemaligen Chefökonom Jürgen Stark, der Anleihenkäufe der EZB abgelehnt hatte.
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Berlin/Frankfurt am MainEZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat ein geschlossenes Auftreten der neuen Führung der Europäischen Zentralbank angemahnt. „Das Exekutiv-Direktorium muss ein Team sein“, sagte Asmussen der „Welt am Sonntag“ nach einem Vorabbericht vom Samstag. „Es muss nach außen geschlossen auftreten“, ergänzte der frühere Finanz-Staatssekretär und kritisierte damit indirekt seinen Vorgänger im EZB-Direktorium, Jürgen Stark. Der einstige EZB-Chefvolkswirt hatte sich gegen die Anleihenkäufe der Notenbank ausgesprochen.

Die finanziellen Risiken der Europäischen Zentralbank sind wegen der Schuldenkrise zufolge höher als bekannt, meldet die „Welt am Sonntag“ außerdem. Die EZB habe faktisch mehr Geld an Krisenstaaten verliehen als die gut 212 Milliarden Euro, die bislang mit dem Ankauf von Staatsanleihen angefallen sind. Im Falle von Staatspleiten könne der Notenbank deswegen ein zusätzlicher Ausfall von hinterlegten Sicherheiten im dreistelligen Milliardenbereich drohen, berichtete das Blatt am Samstag vorab.

Die Ursache dafür sind laut „WamS“ staatlich garantierte Bankanleihen, die die EZB von Banken als Sicherheit für Liquidität akzeptiert. Banken in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland hätten solche staatsgarantierten Anleihen in einem Volumen von 208,7 Milliarden Euro aufgelegt. Diese seien nur mit einer Garantie ihrer Heimatländer besichert, berichtete die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Notenbanker.

Dem Bericht zufolge legten allein italienische Banken seit dem 20. Dezember Anleihen von mindestens 50 Milliarden Euro nur zur Einreichung bei der EZB auf. Die Zeitung zitierte Notenbankkreise mit der Aussage, die Zentralbank habe das Thema im Blick und könne jederzeit Grenzen für die Einreichung der Papiere setzen.

Zuvor hatte Asmussen die Staatsanleihenkäufe der Zentralbank gegen Kritik verteidigt. Die Käufe seien mit dem Mandat der EZB vereinbar, sagte er dem Südwestrundfunk. Der Kauf müsse aber zeitlich und vom Volumen her begrenzt werden. Und für eine engere Fiskalunion müssten die EU-Länder selbst sorgen. „Der Ball liegt in den Ländern“, betonte Asmussen.

Seit Mai 2010 hat die Zentralbank Bonds von klammen Eurostaaten wie Italien und Spanien im Gesamtwert von 211,5 Milliarden Euro aufgekauft. Die EZB verteidigt ihre begrenzten Käufe mit der Stützung der Märkte, drückt aber mit der Intervention die Zinskosten von Euro-Problemländern wie Italien und Spanien.

Am vergangenen Dienstag hatte das EZB-Direktorium Asmussen überraschend zum Leiter der Abteilungen Internationales und Recht berufen. Der Belgier Peter Praet wird demnach Chefvolkswirt. Seit Gründung der EZB hatte stets Deutschland den Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung gestellt. Der bisherige Amtsinhaber Jürgen Stark hatte im September seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt.

Als gelungenen Kompromiss im Sinne einer unabhängigen Zentralbank werteten Volkswirte die Neuordnung der EZB-Führung. Zwar müsse Deutschland erstmals auf den prestigeträchtige Posten des Chefvolkswirts verzichten. Jörg Asmussen als neuer deutscher Vertreter im sechsköpfigen Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalte jedoch als Vertreter der Notenbank auf der internationalen Bühne eine Schlüsselfunktion, erklärten führende Ökonomen am Mittwoch. Das Direktorium leitet das Tagesgeschäft der EZB.

Mit der Entscheidung für Praet entschärfte die EZB einen Streit zwischen Deutschland und Frankreich, das mit Benoit Coeuré ebenfalls Anspruch auf den Posten des Chefvolkswirts erhoben hatte. Coeuré übernimmt nun unter anderem die Abteilung für Marktoperationen der EZB.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Europäische Zentralbank: Asmussen drängt EZB-Führung zur Einigkeit"

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  • All diese Finanzhilfen sind demokratisch in keiner Weise legitimiert. Sie verletzen die Grundrechte der Deutschen ebenso wie europ. Verträge. Art.38 des deutschen GG schützt uns vor Rechtsakten, die von den Verträgen der Europ. Union nicht gedeckt sind. Das gilt insbesondere auch für die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Das ist nicht zulässig. Das ist Hochverrat!! Herr Jürgen Stark hält sich "nur" an Gesetze.

  • Wir können nur neidvoll zu den Slowaken blicken
    ... die haben die Politiker, von denen wir nur träumen können
    http://strana-sas.sk/file/558/EURORETTUNGSSCHIRM%20Der%20Weg%20zum%20Sozialismus.pdf

    All diese Finanzhilfen sind demokratisch in keiner Weise legitimiert. Sie verletzen die Grundrechte der Deutschen ebenso wie europ. Verträge. Art.38 des deutschen GG schützt uns vor Rechtsakten, die von den Verträgen der Europ. Union nicht gedeckt sind. Herr Jürgen Stark hält sich "nur" an Gesetze.

    Das gilt insbesondere auch für die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Das ist nicht zulässig. Das ist Hochverrat!!

    Die Schuldner entscheiden darüber, wie viel Geld sie anderen wegnehmen wollen? Früher mussten noch Kriege geführt werden, um andere Länder auszuplündern, heute reichen ein paar Guillaumes in der Regierung.

    Auf Hochverräter wie Jörg Asmussen, der massivst zu dieser Krise beigetragen hat, wartet die gerechte Strafe des Pöbels, so sicher wie das Amen in der Kirche!!

  • Nee, ist nicht vergessen.

    Es sollte nur oft genug wiederholt werden, damit die Politiker nicht vergessen, dass wir es sehen und sie die Chance haben, einen eigenes Schamgefühl zu entwickeln.

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