EZB-Ratssitzung
Draghis Drahtseilakt

Auf der heutigen Ratssitzung wird die EZB wohl Anleihekäufe beschließen – trotz Kritik der Bundesbank. EZB-Chef Draghi will eine möglichst große Mehrheit überzeugen – und könnte bei der Gestaltung Kompromisse machen.
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Düsseldorf/FrankfurtMario Draghi und der Europäischen Zentralbank (EZB) steht heute ein historischer Tag bevor. Seit Monaten diskutieren Experten darüber, wann die Notenbank den Kauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing, kurz: QE) beschließt. Heute ist vermutlich der Zeitpunkt gekommen. Alles andere wäre eine riesige Überraschung.

Seine Entschlossenheit zu handeln hat Draghi jüngst im Handelsblatt-Interview unterstrichen: Die EZB sei in technischen Vorbereitungen, „um Umfang, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden'“.

Die jährliche Inflationsrate in der Euro-Zone ist im Dezember auf minus 0,2 Prozent gefallen – und liegt damit meilenweit entfernt vom EZB-Zielwert von nahe zwei Prozent. Mit Staatsanleihekäufen könnte die EZB durch verschiedene Impulse die Inflation anfachen. Allerdings ist QE innerhalb des EZB-Rates umstritten.

Als schärfster Kritiker gilt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Er zweifelt an der Wirksamkeit von QE und hat wiederholt vor Haftungsrisiken für deutsche Steuerzahler gewarnt. Dies könnte Einfluss auf die Gestaltung eines QE-Programms haben. Die EZB-Ratsmitglieder ringen vor allem um vier Fragen: 1. Wie viele Staatsanleihen kauft die EZB? 2. In welchem Zeitraum? 3. Wer haftet dafür? 4. Was kauft die EZB?

1. Volumen
Wie viel Geld nimmt die EZB für Anleihekäufe in die Hand? Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg liegt die Konsensschätzung bei 550 Milliarden Euro. Allerdings berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise, dass EZB-Direktorium habe am Mittwoch den Kauf von Vermögenswerten, vor allem Staatsanleihen, im Umfang von monatlich 50 Milliarden vorgeschlagen. Wenn diese bis Dezember 2016 laufen würden, entspräche das einem Volumen von etwa 1,1 Billion Euro.

2. Zeitraum
Doch noch ist unklar, ob die Käufe auf ein oder zwei Jahre terminiert werden. Wenn es nur ein Jahr würde, wäre der Umfang der Lockerung viel kleiner.

3. Haftung
Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat kritisiert, dass durch QE Ausfallrisiken entstehen und dafür letztlich auch die deutschen Steuerzahler haften. In diesem Punkt könnte EZB-Chef Draghi den Kritikern entgegenkommen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) berichtete am Wochenende, dass die EZB die Staatsanleihekäufe von den nationalen Notenbanken nach festgesetzten Quoten abwickeln lassen könnte. Die Risiken würden dann in den Bilanzen der nationalen Notenbanken bleiben.

4. Zusammensetzung

Hauptsächlich wird die EZB Staatsanleihen kaufen. Sie sind mit Abstand der größte Markt. Das ist deshalb von Vorteil, da es in kleineren Märkten durch Käufe schneller zu Verzerrung kommt. Allerdings könnte die EZB zu einem gewissen Umfang auch Unternehmensanleihen kaufen.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " EZB-Ratssitzung: Draghis Drahtseilakt"

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  • Wer regeirt denn nun eigentich bei uns?
    Diese DDR-Merkel oder Draghi
    Diese Frage muß gestellt werden

  • Eine neue Maßnahme ab sofort können Tapeten im 500euro Design angefordert werden. Wir werden noch ganz andere Verwerfungen erfahren.

  • Bei aller Kritik, Draghi ist ein Fuchs. Mit dieser Strategie der Staatsfinanzierung, auch wenn er es anders verkaufen will, gibt er Zucker denen, die ihn überwachen sollen.

    Fragen Sie einmal einen Drogenabhängigen, was er von einem Drogenhändler hält.

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