Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver: Von wegen Sozial-Klimbim

Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver
Von wegen Sozial-Klimbim

Manager sollten ihr Personal glücklich machen - dann laufen die Geschäfte besser, belegen zahlreiche ökonomische Studien. Wer es sich dagegen mit seiner Belegschaft nachhaltig verdirbt, muss sich auf harte Zeiten einstellen. Und: Schlechte Stimmung in einem Unternehmen ist womöglich ein Indikator für schlechtes Management.
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Subventionierte Betriebskindergärten, bezahlte Sabatticals, generöse Krankenversicherungen - Unternehmen, die in den USA zu den 100 beliebtesten Arbeitgebern gehören, lassen sich einiges einfallen, um ihre Beschäftigten bei Laune zu halten. Der Suchmaschinenbetreiber Google, 2007 in der Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins "Fortune" auf Platz eins, betreibt sogar ein eigenes Schwimmbad und beschäftigt Gourmet-Köche in seinen Kantinen.

Alles nur teurer Sozial-Klimbim? Oder sinnvolle Investitionen? Wirtschaftswissenschaftler taten sich lange schwer mit belastbaren Aussagen, ob und wie Arbeitgeber von zufriedeneren Mitarbeitern profitieren. Erst in jüngster Zeit hat sich das geändert. Inzwischen zeigt eine ganze Reihe von Studien: Unternehmen, die ihr Personal glücklich machen, haben davon handfeste Vorteile. Und umgekehrt gilt: Wenn das Klima zwischen Management und Belegschaft vergiftet ist, leiden darunter auch die wirtschaftlichen Perspektiven des Unternehmens.

"Die Zufriedenheit der Mitarbeitern ist positiv mit der Performance des Unternehmens verknüpft", lautet das Fazit von Alex Edmans, Assistenz-Professor an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania.

Hauptgrund dürfte die menschliche Neigung sein, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Verhaltensorientierte Wirtschaftswissenschaftler haben in zahlreichen Laborexperimenten festgestellt: Wenn wir uns gut behandelt fühlen, revanchieren wir uns entsprechend. "Die meisten Menschen verhalten sich reziprok", sagt Armin Falk, Direktor des Laboratoriums für Experimentelle Wirtschaftsforschung der Uni Bonn.

Für das Verhältnis zwischen Management und Belegschaft ist diese Erkenntnis von hoher Relevanz. So zeigte Falk zusammen mit Michael Kosfeld (Universität Zürich) in einer Studie, die im "American Economic Review" erschienen ist: : Mitarbeiter, denen Chefs Vertrauen entgegen bringen, engagieren sich merklich stärker als solche, deren Arbeitseinsatz penibel kontrolliert wird.

Die Forscher simulierten im Labor einen innerbetrieblichen Arbeitsmarkt. 50 Probanden agierten als Arbeitnehmer, 50 als Arbeitgeber. Jeder Beschäftigte bekam ein Gehalt und konnte selbst entscheiden, wie stark er sich in seinem Job engagiert. Die Unternehmer hatten die Möglichkeit, ein Mindestmaß an Leistung festzulegen - oder sie vertrauten einfach darauf, dass die Mitarbeiter sich ohne Überwachung engagieren.

Das bemerkenswerte Ergebnis: Arbeitgeber, die auf Kontrolle verzichteten, erhielten im Schnitt ein Drittel mehr Leistung. Wer ein Minimum festlegte, bekam in aller Regel nicht mehr als die eingeforderte Leistung.

Die Mehrheit der Arbeitnehmer verhielt sich reziprok: Sie erbrachten für ihr Gehalt freiwillig eine relativ hohe Arbeitsleistung. Sobald Arbeitgeber aber auf Kontrolle setzten, löste sich bei vielen von ihnen der gute Wille in Luft auf. Sie empfanden die Kontrolle als Misstrauenssignal, auf das sie mit Dienst nach Vorschrift reagieren.

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