Pfleiderer
Aktionäre müssen Rettung teuer bezahlen

Der bayerische Holzverarbeiter will eine Pleite um jeden Preis abwenden. Dafür müssen letztlich die Anteilseigner geradestehen - ihnen bleibt keine Alternative. Doch die Aktie fällt immer tiefer.
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FrankfurtDer Albtraum für die Anteilseigner von Pfleiderer geht weiter. Zwar scheint der schwer angeschlagene Holzverarbeiter um eine Insolvenz herumzukommen, doch dafür müssen die Aktionäre teuer bezahlen. Am Dienstag fiel die Aktie erneut um knapp zehn Prozent auf 75 Cent; in den letzten drei Jahren hat sie fast 95 Prozent an Wert verloren.

Das Unternehmen aus dem bayerischen Neumarkt hatte jahrelang Verluste eingefahren, hohe Schulden hatten sich aufgetürmt, das Eigenkapital war fast vollständig aufgezehrt. Pfleiderer galt als Pleitekandidat. Nach wochenlangen Verhandlungen mit den wichtigsten Gläubigern scheint nun ein Ausweg gefunden. Details eines Rettungsplans teilte das Unternehmen heute mit.

Die Gläubiger des hoch verschuldeten Unternehmens sollen danach auf 40 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Banken und Hedge-Fonds, die einen großen Teil der Darlehen übernommen haben, wollen noch im Mai zusätzliche Kredite über 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Außerdem ist eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro geplant. Die Gläubiger sollen dabei für mindestens 60 Millionen geradestehen, 40 Millionen von bisherigen Aktionären oder Dritten kommen. Notfalls stehen die Gläubiger auch für diesen Teil ein. Dank ihres Rettungsbeitrags würden die Gläubiger künftig mindestens 80 Prozent der Anteile halten - und könnten damit im Falle einer erfolgreichen Sanierung von steigenden Aktienkursen profitieren.

Analysten glauben allerdings nicht daran, dass die Rechnung so schnell aufgeht. Die Pläne des Holzverarbeitungsunternehmens dürften für die Aktionäre nicht günstig sein, schrieb Analyst Ingbert Faust von Equinet in einer Studie. Da die Unsicherheiten für die derzeitigen Aktionäre derzeit so groß seien, könne er nicht zu einer Investition raten.

Das Bankhaus Lampe hat die Aktie kürzlich von "Halten" auf "Verkaufen" herabgestuft und das Kursziel von 2,50 auf 0,40 Euro gesenkt. Das Eigenkapital sei aufgezehrt und Hedge-Fonds übernähmen nun die Macht beim Holzverarbeiter, schrieb Analyst Marc Gabriel in einer Studie. Die Aktionäre zahlten aber für das neue Finanzierungspaket mit einem massiven Kapitalschnitt.

Allerdings bleibt den Anteilseignern wohl keine Alternative. Im Falle einer Pleite wäre ihr Einsatz völlig futsch.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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