20 Kaufempfehlungen
Tesco ist der Liebling der Analysten

Selten waren sich die Analysten in Europa so einig wie bei der britischen Supermarktkette Tesco. Zwanzig Analysten raten nach Angaben der Agentur Bloomberg zum Kauf der Aktie. Zehn weiteren erscheint es lohnend, sie im Portfolio zu halten. Nur ein einziger empfiehlt das Papier zum Verkauf.

HB LONDON. Der Optimismus hat seinen Grund. Im vergangenen Jahr durchbrach der drittgrößte Einzelhändler der Welt beim Gewinn die Schwelle von zwei Mrd. Pfund (knapp drei Mrd. Euro), eine Premiere selbst im seit Jahren konsumfreudigen Königreich. Dabei trotzte Tesco nicht nur einem zuletzt schwierigen Marktumfeld. Der Supermarkt konnte auch seinen größten Konkurrenten – Asda, Sainsbury’s und Morrison – Marktanteile abluchsen.

Auf der Pressekonferenz Ende Februar blies Tesco-Chef Terry Leahy forsch zur Expansion: 25 000 neue Mitarbeiter sollen her, fast die Hälfte davon im eigenen Land. In Osteuropa, Südostasien und China will die Kette stärker wachsen, um unabhängiger vom Heimatmarkt zu werden. Bislang stammt nur ein Fünftel der insgesamt für 37 Mrd. Pfund verkauften Waren aus den zwölf Ländern, in denen Tesco außerhalb des Königreichs anbietet. Gleichzeitig kündigte Leahy an, stärker in den „Non-Food-Bereich“ zu expandieren. Neben Kleidung denkt er dabei an Versicherungs- und Bankprodukte.

„Mit ihren Plänen liegen sie weit vor dem, was die Konkurrenten erreichen kann“, sagt Richard Slape von der Londoner Investment-Bank Seymour Pierce seine positive Bewertung. Das Risiko für Tesco sieht er als gering an. „Der Markt für Nahrungsmittel ist widerstandsfähig“. Selbst wenn die britische Wirtschaft nach der Wahl Risiken ausgesetzt ist: Eine mögliche Zinserhöhung der Bank von England gilt als ebenso konjunkturdämpfend wie das Anheben von Steuern, was Beobachter bald nach der Wahl Anfang Mai vermuten.

Auch dass sich Tesco bei der Expansion in andere Bereiche verzettelt, sieht er als unwahrscheinlich an. Leahy und sein Management-Team genießen dabei Vorschuss-Lorbeeren: „Sie haben durch ihr bisheriges Verhalten das Vertrauen der Aktionäre gewonnen.“ So bringt es Tesco auf dem Heimatmarkt mit aggressiven Preissenkungen und einer klugen Expansion auf einen Marktanteil von fast 30 Prozent. Steve Davies vom japanischen Institut Numis Securities sieht das Preisziel bei 320 p, nur etwas über den aktuell knapp 310 p. Er schreibt die Wettbewerber nicht ab: „Sainsbury’s haben den Preiskampf angenommen und sich deutlich verbessert“, sagt er. Ausländische Konkurrenz etwa von deutschen Discountern wie Aldi oder Lidl sieht er dagegen kaum als Gefahr an: „Die sind schon seit Jahren im Land und haben Tesco kaum beeinflusst.“

Noch optimistischer bewertet Citigroup Smith Barney die Perspektiven der Aktie. Analyst David McCarthy sieht das Preisziel bei 375 p. Dass der Supermarkt im laufenden Jahr allein seine Verkaufsfläche um 14 Prozent erhöht, „dürfte sicherstellen, dass Tesco bei den Verkäufen doppelt so stark wächst wie seine Konkurrenten in Europa.“ Im Non-Food-Bereich nennt er Tesco „ein unreifes Geschäft im Königreich“, mit hohem Wachstumspotenzial. Damit liege das Unternehmen auf Kurs in seinem Bestreben, den Gewinn je Aktie jedes Jahr um 12 bis 15 Prozent zu steigern.

Der einzige, der nicht in den Chor der Tesco-Lobpreiser einstimmt, ist Guy Francheteau von der französischen Bank Fideuram Wargny. Er hat das Papier als einziger zum Verkauf empfohlen. Zwar erkennt er die Überlegenheit der Supermarkt-Kette auf dem Heimatmarkt an. Er erwartet jedoch eine „spürbare Verlangsamung des Wachstums in den Filialen“, durch die Zunahme des Internet-Handels. Er erwartet, dass sich das Konsum-Umfeld in Großbritannien schnell verschlechtert, sich die geplante Tesco-Expansion dagegen noch nicht so schnell spürbar positiv auswirken wird. Auch merkt er an, dass sich die Rentabilität des Supermarktes zuletzt verschlechtert hat. „Die Titel sind meiner Meinung nach schon jetzt sehr hoch bewertet“, sagt Francheteau. Er geht davon aus, dass die Aktie bei 310 p fair bewertet ist.

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