4000 Punkte zum Jahresende wird wieder häufiger genannt
Dax-Ausblick: Optimismus ist angesagt

Aktienanalysten und -strategen erwarten in der kommenden Woche positive Unternehmenszahlen und dementsprechend steigende Kursen an den Aktienmärkten. Der gestiegene Euro und der hohe Ölpreis dürften die Erwartungen nicht bremsen.

HB FRANKFURT. „Die Erwartungen an die deutschen Aktien sind für die kommende Woche ziemlich optimistisch“, beschreibt Aktienstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg die Stimmung im Markt. „Die Woche wird ganz im Zeichen von Unternehmenszahlen zum dritten Quartal stehen - besonders im Technologiesektor.“ Von Konjunkturdaten werden kaum Impulse erwartet, dafür aber von den Abstimmungen zu Reformgesetzen im Deutschen Bundestag.

Am Freitagmittag wies der Deutsche Aktienindex Dax mit rund 3 490 Punkten ein Plus von knapp zwei Prozent zum Schlusskurs der Vorwoche auf. Für die kommende Woche prognostiziert Schallenberger: „Die Marke von 3600 Punkten sollte erreichbar sein.“ Stratege Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin hält es für möglich, dass das Börsenbarometer bis Jahresende auf 4 000 Zähler klettert.

Die Erwartungen an die weitere Berichtssaison sind am Aktienmarkt hoch gesteckt. „Bisher ist die Saison gut gelaufen“, begründet Mitropoulos. Etwa Yahoo, Alcoa und SAP überraschten mit besser als erwarteten Zahlen. „Wir rechnen damit, dass es dann wieder der Mehrzahl der Unternehmen gelingen wird, die Erwartungen zu erfüllen oder zu übertreffen“, heißt es von M.M. Warburg.

Nach Einschätzung von Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank steckt in den erwarteten Zahlen aber auch eine Gefahrenquelle. „Es ist bereits viel Optimismus in den Kursen. Da ist natürlich auch Rückschlagspotenzial vorhanden“, mahnt Hellmeyer. Er verweist dabei auf die Zahlen des US-Konzerns General Electric, der im Quartal zwar mehr Umsatz, aber weniger Gewinn machte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2 - Anzeichen für eine Überhitzung häufen sich.

Andererseits häufen sich die Anzeichen für eine Überhitzung: Die Zahl der Daytrader in den USA wächst, und auch die kreditfinanzierten Aktienkäufe nehmen zu. Einige Marktteilnehmer sehen Gefahr von ganz anderer Seite: Je mehr der Wirtschaftsaufschwung an Fahrt gewinnt, desto größer werde die Wahrscheinlichkeit einer kontraktiven Geldpolitik.

Positive Impulse dürften Schallenberger zufolge von Zahlen des weltgrößten Chipherstellers Intel ausgehen. „Insbesondere die Papiere von Infineon werden wohl davon profitieren. Bei Infineon steht außerdem eine Aufsichtsratssitzung an. In diesem Zusammenhang könnte es Übernahmephantasien geben“, sagt Schallenberger. SAP wird ebenfalls Zahlen vorlegen. Am Mittwoch hatte der Softwarekonzern bereits bekannt gegeben, der Umsatz mit verkauften Softwarelizenzen habe deutlich die Analystenprognosen übertroffen. Daraufhin hatte die Aktie mehr als 13 Prozent zugelegt. „Es ist fraglich, ob SAP von weiteren guten Zahlen noch einmal profitieren kann“, bezweifelt Schallenberger.

Belastungen durch den starke Euro und den hohen Ölpreis werden sich den Analysten zufolge kommende Woche angesichts der Quartalsergebnisse kaum in den Kursen widerspiegeln. „Diese für die Aktien belastenden Faktoren werden in den Hintergrund treten“, prognostiziert Schallenberger. Der starke Euro belastet die Aktien von exportorientierten Unternehmen. Exporte verteuern sich damit und verlieren international an Attraktivität.

Hellmeyer rechnet beim Euro mit einem weiteren Anstieg. „Der Euro kann in der nächsten Woche einen neuen Anlauf auf seine Höchststände nehmen.“ Ende Mai hatte die Gemeinschaftswährung mit 1,1932 Dollar ihr Allzeithoch markiert. Am Freitag notierte sie bei 1,1788 Dollar.

Mit Spannung schauen Anleger auch auf die Abstimmungen über Reformgesetze unter dem Schlagwort „Agenda 2010“ im Bundestag. Vor dem Votum zu den Arbeitsmarktreformen am Freitag hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sein politisches Schicksal mit dem Erreichen einer eigenen Regierungsmehrheit verknüpft. „Gehen die Reformen durch, wird das Wirtschaft und Aktien helfen. Verliert Schröder und es kommt zu einem Regierungswechsel, ist vielleicht sogar mit einem höheren Reformtempo zu rechnen“, sagte ein Aktienhändler.

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