Absage von Börsengängen: Lustlos in Wien

Absage von Börsengängen
Lustlos in Wien

Aufgrund der Finanzmarktkrise verzichten in Wien derzeit eine Reihe von Unternehmen auf ihren geplanten Börsengang. Jüngster Fall ist die Entsorgungsfirma Saubermacher aus Graz, deren Erstnotiz für Freitag geplant war. Am Mittwoch zogen die Beteiligten die Notbremse. Weil Anleger nicht mehr investieren wollen, sagen immer mehr Firmen den Gang an die Börse ab.

WIEN. Aufgrund stark schwankender und tendenziell sinkender internationaler Aktienmärkte sei der Börsengang bis auf weiteres verschoben, teilte ein Sprecher von Saubermacher mit. "Die Option bleibt für uns weiter eine interessante Perspektive", sagte Roth und dankte für das "rege Interesse" - das jedoch offenbar nicht rege genug war.

Das Unternehmen wollte insgesamt bis zu vier Mill. Aktien in einer Preisspanne zwischen 19 und 23 Euro ausgeben und damit 35 Prozent der Firma in die Hände neuer Anteilseigner legen. Roth und seine Berater kamen allerdings mit ihrem Angebot zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Der Wiener Börsenleitindex ist im vergangenen Monat von 4 500 auf rund 3 800 Punkte gefallen. Auch eine Verlängerung der Zeichnungsfrist für Saubermacher-Aktien half unter diesen Vorzeichen am Ende nichts. Börsenvorstand Heinrich Schaller beschreibt die derzeitige Stimmung so: Die Investoren seien vorsichtig geworden. "Es wird nicht mehr zwischen Branchen- und Börsenstories unterschieden."

Die Entsorger aus Graz, die nun mit dem Makel eines abgesagten Börsengangs leben müssen, befinden sich in guter Gesellschaft. In den vergangenen Wochen haben bereits vier Unternehmen, die sich ursprünglich auf dem besten Weg zu einem Börsengang in Wien wähnten, ihre Pläne über den Haufen geworfen. Die Edelstahlschmiede Breitenfeld sagte unter Regie der Deutschen Bank Ende November ihren Börsengang ab.

Zwei Wochen vor der geplanten Erstnotiz an der Börse im Dezember hatte auch das Wiener Flugsicherungs- und Kommunikationsunternehmen Frequentis aufgegeben. Und der österreichische Kunstharz-Hersteller UCP Chemicals hatte seinen Börsengang im Januar verschoben. In einem Brief an die Hauptgesellschafter begründet der Vorstand der Chemiefirma die Entscheidung gegen den Börsengang damit, dass das Interesse der Investoren wegen der Turbulenzen auf den Aktienmärkten unter den Erwartungen gelegen habe. "Die Börsensituation ist selbsterklärend. In dieser Atmosphäre kann ich allen Unternehmen, die es trotzdem versuchen, nur herzlich zu ihrem Mut gratulieren", sagt André de Roode, Chef einer Eigentümergesellschaft der UCP Chemicals.

Abgesagt, allerdings eher aus politischen Gründen, wurde auch der Börsengang der Energie AG Oberösterreich.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%