Abschied vom Chef
MAN-Aktie rutscht tiefer ins Minus

Nach dem überraschenden Rücktritt von MAN-Chef Hakan Samuelsson überschlagen sich Analysten mit Einschätzungen zur MAN-Aktie. Dabei beurteilen sie die Gründe und Folgen ganz unterschiedlich.
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HB FRANKFURT. MAN hält die Börse in Atem. Die Aktien waren nach der Rücktrittserklärung von MAN-Chef Hakan Samuelsson am Montag zunächst um fünf Prozent gestiegen, hatten aber in den letzten Handelsminuten den Großteil der Gewinne abgegeben. Heute verloren sie erneut 1,3 Prozent auf 58,94 Euro. Die Einschätzung der Analysten fällt uneinheitlich aus.

Die UBS hat die Einstufung auf "Buy" und das Kursziel auf 64,00 Euro belassen. Die negativen Folgen der Schmiergeld-Ermittlungen für die Aktie des Nutzfahrzeugherstellers dürften durch den Weggang von Samuelsson weitgehend abgefedert werden, schrieb Analystin Irene Bermont in einer Studie vom Dienstag. Indem Samuelsson nun seinen Hut nehme, sei auch für Volkswagen eines der Hindernisse im Hinblick auf eine Fusion zwischen MAN und Scania vom Tisch.

Die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch bestätigten ebenfalls ihr Anlageurteil, das bei "Buy" steht, sehen die Ursachen aber eher in Spannungen mit MAN-Großaktionär VW. Die MAN-Aktie habe Potenzial, da längerfristig ein Zusammenschluss mit VW und Scania wahrscheinlich sei.

Auch Equinet hat die Einstufung auf "Accumulate" mit einem Kursziel von 67,00 Euro belassen. Obwohl der Rücktritt grundsätzlich als negativ für den Nutzfahrzeugkonzern aufgefasst werde, habe er keinen Einfluss auf die Bewertung der MAN-Aktie, schrieb Analyst Tim Schuldt in einer Studie. Mit dem Ausscheiden Samuelssons rücke die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme von MAN durch Volkswagen näher.

Alexander Haissl, Analyst bei Cheuvreux, sieht auch die Schmiergeldaffäre als Auslöser für die Rücktrittsentscheidung. Der Druck seitens VW habe sich erhöht. Der Abgang von Samuelsson mache aber eine Konsolidierung mit Scania wahrscheinlicher - Haissl lässt die Aktien auf "Selected List".

Die Deutsche Bank sieht den Abschied Samuelssons als negativ an und begründe dies mit seiner "eindrucksvollen betrieblichen Bilanz" bei MAN. Für eine schnellen Fusion mit Scania sehen die Analysten den Angaben zufolge keine Signale. Möglicherweise habe Samuelsson lediglich einen glatten Schnitt unter die seit einem halben Jahr schwelende Korruptionsaffäre machen wollen. Der Vorstandschef ist nicht im Visier der Staatsanwälte, wie diese am Abend erklärten. Die Deutsche Bank bekräftigte ihre "Hold"-Empfehlung.

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